Erfolgreiche Landschaftspfleger in der Markbachaue

 

Das Wetter schien der Veranstaltung fast einen Strich durch die Rechnung zu machen. Kurz bevor die Führung los ging, ließ Petrus nochmals einen kräftigen Schauer über dem Gebiet niedergehen. Doch rechtzeitig zu Beginn der Führung war es zumindest von oben her wieder trocken. An die 35 naturinteressierte Teilnehmer ließen sich von dem ungünstigen Wetter nicht abschrecken und zeigten bei der gemeinsamen Exkursion von LBV und Naturpark Oberer Bayersicher Wald ihr Interesse an dem Auerochsenbeweidungsgebiet am Markbach.

 

Hans Braun begrüßte die zahlreichen Teilnehmer und erläuterte wie es zu dem Projekt gekommen war. Durch das Flurneuordnungsverfahren Hannesried waren 7,5 ha Ausgleichflächen im Markbachtal zur Verfügung gestellt worden. Zur Bewirtschaftung dieser Ökoflächen einigte man sich in Abstimmung mit den Behörden, dem LBV und dem Naturpark auf eine Ganzjahresbeweidung mit Heckrindern.

Die Markbachaue - Foto: Dieter Renner
Die Markbachaue - Foto: Dieter Renner

Rückzüchtung der Auerochsen

 

 

Das Heckrind ist eine Rückzüchtung des Auerochsen, wie Herr Braun erläuterte. Auerochsen, welche bis vor 400 Jahren jahrtausendelang in unserer Landschaft gegrast haben, wurden durch Bejagung ausgerottet. Die Brüder Heinz und Lutz Heck setzten es sich in den dreißiger Jahren zum Ziel, ein Rind zu züchten, das die wesentlichen Merkmale und Eigenschaften des Auerochsen aufweist. Dazu wurden u.a. die Rassen Spanischer Kampfstier, Ungarisches Steppenrind, Schottisches Hochlandrind, Korsisches Rind, aber auch Allgäuer und Schwarzbunte eingekreuzt. Die ursprüngliche Größe (Gewicht des Bullen bis zu einer Tonne) wurde jedoch nicht erreicht. Dafür aber sind die Heckrinder robuste Tiere, die sich für die Landschaftspflege auch im wechselfeuchten Grünland hervorragend eignen. Herr Ferstl berichtete, dass die Tiere trotz des feuchten Standorts bisher keine Probleme an den Klauen hatten. Die Auerochsen kommen gut in der Natur zurecht. Obwohl ihnen an der Hannesrieder Mühle ein Stall zur Verfügung steht, suchen sie diesen nur selten auf. Im Winter schützt ein dichtes, stumpfes und längeres Winterfell. Das Sommerfell ist kurz und glänzend. So können Temperaturen von +30°C und -30°C problemlos verkraftet werden. Eine Zufütterung mit Heu und Silage erfolgt nur im Winter.

 

In der Zwischenzeit konnte die Beweidungsfläche auf ca. 20 ha erweitert werden. Derzeit beweiden 14 Tiere diese Fläche sehr extensiv. Die Heckrinder werten die Auenlandschaft ökologisch auf, indem sie die Struktur- und Standortvielfalt und damit auch indirekt die Artenvielfalt fördern. Das selektive Fressen, das zu einem Mosaik aus Altgrasbeständen, Fraßinseln und offenen Trittstellen führt, lässt ein strukturiertes offenes Weideland entstehen - ein Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten. Im Zusammenhang mit den angelegten Biotoptümpeln konnte sich vor allem die Lurch- Population erheblich ausweiten. Inzwischen haben dies auch die Tiefenbacher Störche bemerkt, die die Markbachaue immer öfter zur Nahrungssuche anfliegen.

 

 

Die Auerochsenherde beeindruckte. - Foto: Dieter Renner
Die Auerochsenherde beeindruckte. - Foto: Dieter Renner
Michael Ferstl lockt die Herde zu den Besuchern. - Foto: Naturpark Oberer Bayerischer Wald
Michael Ferstl lockt die Herde zu den Besuchern. - Foto: Naturpark Oberer Bayerischer Wald
Die Teilnehmer auf Tuchfühlung mit den Auerochsen! - Foto: Naturpark Oberer Bayerischer Wald
Die Teilnehmer auf Tuchfühlung mit den Auerochsen! - Foto: Naturpark Oberer Bayerischer Wald

 

 

Beeindruckt waren die Teilnehmer der Führung, als Herr Ferstl die Auerochsenherde durch Zuruf bis auf Tuchfühlung an die Exkursionsteilnehmer heranführte. Im Anschluss an die interessante Führung gab es noch eine Brotzeit, die von Herrn Ferstl gesponsert wurde. Dabei konnte auch eine Auerochsensalami probiert werden. Jährlich werden Tiere aus der Nachzucht im Alter von ca. 3 Jahren geschlachtet. Das Fleisch der Tiere wird direkt vermarktet. Interessenten können sich bei Herrn Michael Ferstl, Voitsried 14, 92444 Rötz melden.

 

Bericht: Hans Braun

 

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