Exkursion anlässlich der Europäischen Fledermausnacht

 

 

Zu einer besonderen Exkursion hatten die LBV-Kreisgruppe Cham und der Naturparkverein Oberer Bayerischer Wald eingeladen. Anlässlich der 22. Europäischen Fledermausnacht führte der abendliche Spaziergang zum Bleschenberg bei Sinzendorf, einem Ortsteil der Stadt Waldmünchen, wo für die Fledermäuse ein neues Winterquartier geschaffen wurde.

 

Markus Schmidberger vom LBV-Zentrum (Landesbund für Vogelschutz) zeigte sich angenehm überrascht über das große Interesse an dieser Veranstaltung. Weit über 70 Teilnehmer jeden Alters hatten sich eingefunden um vor Ort viel Spannendes und Informatives über das Leben und den Schutz der geheimnisvollen Jäger der Nacht zu erfahren. Gemeinsam mit Johann Braun und Josef Brückl vom Naturparkverein Oberer Bayerischer Wald wanderte die Gruppe zum mittelalterlichen Bergwerk am Bleschenberg, das im Mittelpunkt der Exkursion stand. Ein Jahr ist es mittlerweile her, dass am 12.September 2016 anlässlich des Tages des Denkmals der Bergwerksstollen freigelegt und der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

 

 

An der Reginakapelle erhielten die Teilnehmer Informationen zur Geschichte und Kultur. - Foto: Jürgen Brandt
An der Reginakapelle erhielten die Teilnehmer Informationen zur Geschichte und Kultur. - Foto: Jürgen Brandt
Josef Brückl (links) und Johann Braun vom Naturparkverein Obeerer Bayerischer Wald gaben viele Informationen. - Foto: Jürgen Brandt
Josef Brückl (links) und Johann Braun vom Naturparkverein Obeerer Bayerischer Wald gaben viele Informationen. - Foto: Jürgen Brandt

 

 Bei mehreren Halts während der Wanderung informierten Markus Schmidberger und Johann Braun über Kulturgeschichte, Geologie des Landkreises, die Geschichte des Bergwerkes. Viel Informatives über die Fledermäuse konnten die Teilnehmer erfahren. Weltweit gibt es etwa 1100 Fledermausarten, davon in Europa etwa 30 bis 32 Arten. In Bayern konnten 24 Fledermausarten nachgewiesen werden und davon allein im LKR Cham 19 Arten. Trotzdem stehen die Fledermäuse auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Entscheidende Gründe dafür sind immer weniger Rückzugsmöglichkeiten und das immer schlechter werdende Nahrungsangebot. Fledermäuse ernähren sich ausschließlich von Insekten und Spinnentieren. Durch die intensiv betriebene Landwirtschaft hat das Angebot von Insekten jedoch gravierend abgenommen. Interessante Informationen gab es auch zum Jahreszyklus der Fledermäuse. Nach dem Winterschlaf suchen sie das Sommerquartier auf. Hier bilden sie Kolonien von 10 aber auch von über 1000 Tieren und ziehen hier ihre Jungen auf. Es sind aber auch schon beispielsweise in Mexiko Quartiere mit 16 Millionen Tieren nachgewiesen worden.

Die Paarungszeit dauert bis in den Herbst. Über den Winter wird das Sperma abgekapselt, so dass die Tragzeit erst im Frühjahr beginnt. In das Winterquartier ziehen sich die Fledermäuse zum Winterschlaf zurück. Dabei werden alle Lebensfunktionen stark herabgesetzt. Die Körpertemperatur gleicht sich der Außentemperatur an. Atemfrequenz, Herzschlag und Stoffwechsel werden verlangsamt. Deshalb sind als Winterquartier nur sichere und frostfreie Quartiere geeignet. Der Bergwerksstollen am Bleschenberg bietet dafür ideale Voraussetzungen. Ursprünglich als "Schrazelloch" bezeichnet handelt es sich hier aber um einen Bergwerksstollen, der im Mittelalter angelegt wurde. Er diente der Erkundung von möglichen Erzlagerstätten. Der Stollen, der ca. 20 Meter in die Tiefe führt, ist für die Öffentlichkeit nicht frei zugänglich. Im unteren Bereich ist ein vier Meter langer Querschlag vorhanden.

Damit bestehen für die Fledermäuse hier optimale Bedingungen für ein Winterquartier. Erste Fledermäuse sind bereits gesichtet worden, so dass die begründete Hoffnung besteht, dass sich hier eine starke Population entwickeln wird.

 

 

 

Am Eingang zum Schacht warten schon die Nächsten auf den Abstieg. - Foto: Jürgen Brandt
Am Eingang zum Schacht warten schon die Nächsten auf den Abstieg. - Foto: Jürgen Brandt
Die Kollegen der Further Bergwacht machten es möglich, dass die Mutigen in den Schacht absteigen können. - Foto: Jürgen Brandt
Die Kollegen der Further Bergwacht machten es möglich, dass die Mutigen in den Schacht absteigen können. - Foto: Jürgen Brandt

 

Ein besonderes Highligt für die Teilnehmer der Exkursion war die Möglichkeit, in den Schacht hinunterzusteigen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, das aber mit Hilfe der Kollegen von der Further Bergwacht auch für einige mutige Kinder sicher und gefahrlos bewältigt werden konnte.

 

Die Fütterung einer Fledermaus bekommt man wohl selten zu sehen. - Foto: Jürgen Brandt
Die Fütterung einer Fledermaus bekommt man wohl selten zu sehen. - Foto: Jürgen Brandt
Sie ist gesund und die Flügel sind in Ordnung. - Foto: Jürgen Brandt
Sie ist gesund und die Flügel sind in Ordnung. - Foto: Jürgen Brandt

 

 

Natürlich gab es auch Fledermäuse zu sehen. Markus Schmidberger hatte zwei Fledermäuse mitgebracht, die verletzt aufgefunden wurden und nun auf ihre Freiheit vorbereitet werden. Das Füttern mit Würmern hatte wohl noch Niemand der Anwesenden so aus der Nähe beobachten können. Auch die Orientierungsrufe, die für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbar sind, konnten hörbar gemacht werden. Zum Abschluss der Exkursion konnten die Teilnehmer erleben, wie eine gesunde Fledermaus in die Freiheit entlassen wurde und schnell im Wald verschwunden war.

 

Bericht: Jürgen Brandt

 

 

Bevor die Fledermaus in die Freiheit entlassen wird, muss sie noch gewogen werden. - Foto: Jürgen Brandt
Bevor die Fledermaus in die Freiheit entlassen wird, muss sie noch gewogen werden. - Foto: Jürgen Brandt
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