Expertenvortrag über den Wolf lockt ungewöhnlich viele Besucher ins LBV-Zentrum

Er ist schon in Bayern angekommen: der Wolf - Foto: Marcus Bosch
Er ist schon in Bayern angekommen: der Wolf - Foto: Marcus Bosch

 

 

Erstmals im Jahr 2000 wurde in Deutschland wieder die Geburt von Wolfswelpen nachgewiesen. Seitdem steigt die Zahl der Wölfe und Wolfsrudel kontinuierlich an. Mittlerweile leben in Deutschland neben Einzeltieren stolze 46 Wolfsfamilien und 15 Paare.

 

Auch in Bayern gibt es vermehrt Beobachtungen von Wölfen. Jüngste Nachweise gibt es aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr und ganz aktuell aus Garmisch-Partenkirchen. Zu einer Rudelbildung ist es zwar in Bayern noch nicht gekommen, damit sei aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft zu rechnen, auch bei uns in der Oberpfalz.

 

Diese nicht zu leugnende Tatsache nahm die LBV-Kreisgruppe Cham zum Anlass, zu einem Vortrag zum Thema "Der Wolf kehrt zurück nach Bayern" ins LBV-Zentrum einzuladen. Dass man mit diesem Thema ins Schwarze getroffen hat, zeigte das überaus große Interesse an diesem Vortrag. 109 Besucher hatten sich in die Anwesenheitsliste eingetragen.

 

LBV-Kreisvorsitzender Karl-Heinz Schindlatz konnte neben vielen Besuchern auch Renate Rossberger vom Bayerischen Rundfunk und den Kreisvorsitzenden der Grünen Michael Doblinger willkommen heißen. Schindlatz betonte, dass der LBV die Bevölkerung, die Jägerschaft und die Nutztierhalter über den Wolf informieren möchte, bevor er zu uns kommt und heimisch wird. Das sensible Thema Wolf sollte im Vorfeld schon etwas abgebremst werden. Er begrüßte insbesondere auch den Referenten des Abends Dr. Peter Blanche, einen ausgewiesenen Experten in Wolfs-Angelegenheiten, der zugleich Vorsitzender der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe in Deutschland ((GzSdW) ist.

 

 

 

LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger, Referent Dr. Peter Blanche und LBV Kreisvorsitzender Karl-Heinz Schindlatz (v.l.) hatten zum Vortrag über den Wolf eingeladen. - Foto Josef Rank
LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger, Referent Dr. Peter Blanche und LBV Kreisvorsitzender Karl-Heinz Schindlatz (v.l.) hatten zum Vortrag über den Wolf eingeladen. - Foto Josef Rank
Das Heulen der Wölfe wird man bald auch in Bayern hören können. Foto: GzSdW
Das Heulen der Wölfe wird man bald auch in Bayern hören können. Foto: GzSdW

 

 

Auch der Referent zeigte sich erfreut darüber, dass so viele Interessierte der Einladung gefolgt waren. Mit einem Schaubild demonstrierte er das Wolfsvorkommen in Deutschland und in Bayern. Peter Blanche führte die Länder auf, in denen es Wölfe gibt. Darunter sind so gut wie alle Nachbarländer Deutschlands. Somit sind wir von Wölfen umzingelt und es wäre völlig abwegig, wenn Deutschland und Bayern nicht zu einem Wolfsland werden würde.

 

Wölfe wurden in Mitteleuropa bereits im 15. Jahrhundert systematisch verfolgt. Im 19. Jahrhundert waren Wölfe nahezu in allen Regionen ihres weltweiten Verbreitungsgebietes vor allem durch menschliche Bejagung stark dezimiert und in West- und Mitteleuropa fast ausgerottet. Seit Ende des 20. Jahrhunderts steht der Wolf aber in vielen Ländern unter Schutz. Trotz illegaler Verfolgung erholen sich dort die Bestände. Auch in Deutschland ist der Wolf eine nach europäischem und nationalem Recht streng geschützte Art.

 

Da es immer wieder zu Falschmeldungen über vermeintliche Wolfssichtungen kommt, die sich dann aber als Verwechslungen mit wolfsähnlichen Haushunden herausstellten, ging der Referent ausführlich auf die Erkennungsmerkmale von Wölfen ein. Ein besonders charakteristisches Merkmal sind die gelb bis gelbgrünen, stets schräggestellten Augen. Dr. Blanche wies auch auf, welche Wolfssichtungen nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten als solche anerkannt werden.

 

Wölfe leben in Rudeln, die aus den beiden Elterntieren und sechs bis acht Welpen und Jährlingen bestehen. Als Lebensraum benötigen sie keine Wildnis, sondern ein ruhiges Gebiet zur Welpenaufzucht und vor allem die Akzeptanz durch den Menschen. Sie benötigen ausreichend Nahrung, die aus Rehen, Hirschen, Wildschweinen, Damm- und Rothirschen, aber auch Hausschafen und Haustieren. Ein Rudel von 8 bis 12 Wölfen benötigt im Jahr etwa 400 Rehe, 50 Stück Rotwild und 100 Wildschweine. Obwohl sich sicher die Bedingungen der Jagd ändern werden, müsse kein Jäger befürchten, künftig nicht mehr der Jagd nachgehen zu können.

 

 

 

 

 

Auch Befürchtungen vor einer ungebremsten Vermehrung der Wölfe konnte Dr. Blanche entgegentreten, da sich ab einer gewissen Bestandsdichte die Wachstumsgeschwindigkeit durch geringere Geburtenraten, eine höhere Welpensterblichkeit und größere Konkurrenz durch weniger wolfsfreie Gebiete abflache. Hinzu kämen Wolfstodesfälle durch Straßenverkehr, Krankheiten, legale "Entnahmen" und illegale Tötungen. Dies lasse sich durch Zahlen aus Ländern, in denen der Wolf schon länger wieder heimisch geworden ist, jederzeit belegen.

 

Da der Wolf keinen Unterschied zwischen Wild- und Nutztier macht, muss natürlich in diesem Bereich mit Problemen gerechnet werden. Auf diese neue Situation müssen sich Halter von Freilandtieren einstellen. Für den Schutz der Weidetiere schlug Dr. Blanche Elektro- und Lappenzäune, Herdenschutzhunde und Esel, Nachtpferch und Behirtung als Präventionsmaßnahmen vor. Eine unmittelbare Gefährdung von Menschen durch Wölfe ist sehr unwahrscheinlich, da Wölfe die Nähe zu Menschen meiden. Man müsse die Wildtiere jedoch respektieren und ernst nehmen.

 

Bei der abschließenden sehr sachlichen Diskussion wurden vor allem Fragen von Landwirten zum Schadenersatz bei Übergriffen auf Nutztiere durch Wölfe gestellt. Die meisten Bundesländer gewähren Fördermittel für den Herdenschutz und Kompensationszahlungen, falls trotzdem Schäden auftreten. Dr. Blanche riet den Nutztierhaltern, auf die eigenen Verbände einzuwirken, sich auf politischer Ebene dafür einzusetzen, dass auch in Bayern Fördermaßnahmen für den Schutz vor Wölfen und Entschädigungszahlungen für von Wölfen verursachten Schäden bewilligt werden. Die Landwirte dürfen sich sicher sein, dass sie dabei von der GzSdW vorbehaltlos unterstützt werden.

 

Bericht: Josef Rank

 

Selten fand ein Vortrag im LBV-Zentrum Mensch und Natur so großen Zulauf. - Foto Josef Rank
Selten fand ein Vortrag im LBV-Zentrum Mensch und Natur so großen Zulauf. - Foto Josef Rank
© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
zum Anfang
Mitglied werden
LBV Naturshop
LBV QUICKNAVIGATION