Die Regentalaue – Rast- und Überwinterungsplatz für Kiebitz, Silberreiher und Co.

Zehntausende von Vögeln nutzen die Regentalaue als „Tankstelle“ während des Vogelzuges

 

VON PETER ZACH

 23.12.2015 - Die Regentalaue mit ihren ausgedehnten Wiesen- und Weiherflächen ist ein Hotspot für den Vogelzug und ein überregional bedeutsames Durchzugs- und Überwinterungsgebiet für nordische Vogelarten. Im Frühjahr und Herbst sammeln sich regelmäßig große Scharen von Wasser- und Singvögeln in den Regenwiesen zwischen Cham und Pösing und an den Rötelseeweihern, um einen Zwischenstopp auf dem Zug in die Überwinterungs- beziehungsweise Brutgebiete einzulegen.

 

Ausgelöst durch die Zunahme der milden Winter versuchen seit Jahren einzelne Arten, die früher im Herbst Richtung Südeuropa zogen, im klimatisch begünstigten Regental zu überwintern. Dazu gehören unter anderem Graugänse, Silberreiher und neuerdings vermehrt auch Stare.

 

 

Kiebitze gehören zu den häufigen Durchzüglern in der Regentalaue. Vor allem im Frühjahr kann man oft große Trupps beobachten. - Foto: Peter Zach
Kiebitze gehören zu den häufigen Durchzüglern in der Regentalaue. Vor allem im Frühjahr kann man oft große Trupps beobachten. - Foto: Peter Zach

Klimawandel beeinflusst Zugphänologie und Überwinterungsstrategie

 

 

Der Klimawandel sorgt bei einer ganzen Reihe von Zugvögeln für ein verändertes Zugverhalten. Viele einheimische Brutvogelarten kehren früher aus dem Winterquartier zurück und bleiben im Herbst länger in den mitteleuropäischen Brutgebieten. Bekannte Beispiele hierfür sind der Weißstorch, der Kiebitz sowie verschiedene Singvogelarten, wie Zilpzalp, Mönchsgrasmücke oder Bachstelze.

 

In der Regentalaue wird seit 40 Jahren die Zugphänologie von über 50 Arten systematisch untersucht. Wie die Auswertung der Daten ergeben hat, treffen zahlreiche Zugvogelarten deutlich früher aus dem Winterquartier ein als noch vor 40 Jahren. So hat sich beispielsweise die Frühjahrsankunft der Untertraubenbacher Weißstörche um nahezu einen Monat vorverlegt. Zilpzalpe und Stare treffen um ein bis zwei Wochen früher ein als in den 1970er Jahren. Der Silberreiher, noch vor 30 Jahren Jahren eine absolute Ausnahmeerscheinung, gehört mittlerweile zu den auffallendsten Herbst- und Wintervögeln des Gebietes. Über die Herkunft der weißen Reiher konnte lange Zeit nur spekuliert werden. Durch Ringablesungen ist es in den letzten Jahren gelungen, die Herkunft der Silberreiher zu klären. Die meisten Vögel stammen aus Brutkolonien in Ungarn und vom Neusiedler See.

 

 

 

Der Silberreiher profitiert von der Zunahme der milden Winter. Seit Jahren gehört er zu den regelmäßigen Wintergästen des Gebietes. - Foto: Peter Zach
Der Silberreiher profitiert von der Zunahme der milden Winter. Seit Jahren gehört er zu den regelmäßigen Wintergästen des Gebietes. - Foto: Peter Zach

Das Regental - ein Treffpunkt für seltene Arten

Die in Europa extrem seltene Raubseeschwalbe besucht im Spätsommer regelmäßig den Großen Rötelseeweiher. - Foto: Peter Zach
Die in Europa extrem seltene Raubseeschwalbe besucht im Spätsommer regelmäßig den Großen Rötelseeweiher. - Foto: Peter Zach

 

Die hohe Attraktivität der Regentalaue als Rastplatz für extrem seltene Durchzügler wurde auch 2015 eindrucksvoll bestätigt. Absolute Highlights waren die Beobachtung eines asiatischen Steppenkiebitzes Ende März in den Regenwiesen bei Untertraubenbach sowie der mehrtägige Aufenthalt von bis zu vier Raubseeschwalben im September am Großen Rötelsee. Außergewöhnlich hoch mit bis zu 15 Vögeln waren auch die Überwinterungszahlen der versteckt lebenden Sumpfohreule. Die Eule mit den leuchtend gelben Augen gehört zu den seltensten Brutvögeln und Wintergästen in Bayern und überwintert sporadisch an den Rötelseeweihern.

Bericht:

Peter Zach Ehrenamtlicher Gebietsbetreuer NSG Regentalaue

 

 

Für viele Vogelfreunde eine Traumart: die charismatische Sumpfohreule. In manchen Jahren, wie 2014/2015, überwintert sie im Regental. - Foto: Peter Zach
Für viele Vogelfreunde eine Traumart: die charismatische Sumpfohreule. In manchen Jahren, wie 2014/2015, überwintert sie im Regental. - Foto: Peter Zach
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