Wichtige Informationen zur aktuellen Vogelgrippe

 

Stand: 18.11.16

Seit November 2016 kursiert in Deutschland wieder die Vogelgrippe: Zunächst an Gewässern in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, aber auch im Süden der Republik - an Bodensee, Ammersee und Chiemsee sowie möglicherweise auch am Tegernsee und am Nürnberger Dutzendteich - wurden tödlich verlaufene Infektionen von Wildvögeln mit dem "hochpathogenen aviären In-fluenza-Virus" (HPAIV) vom Subtyp H5N8 nachgewiesen. Mittlerweile wurden weitere Fälle in Sachsen, Niedersachsen und Hessen bekannt. Vereinzelt sind auch bereits Erkrankungen in Hausgeflügelbeständen aufgetreten. Damit geht unter Geflügelhaltern die Sorge vor Infektionen in ihren Beständen - mit potenziell gravierenden wirtschaftlichen Folgen - um. Auch aus der Bevölkerung erreichen uns besorgte Anfragen, ob die Vogelgrippe ein Risiko für Menschen, Haustiere oder auch Gartenvögel ist. Hier deshalb eine Zusammenstellung der wichtigsten Fragen und Antworten zur Vogelgrippe:

 

Vogelgrippe, Geflügelpest, Aviäre Influenza....was ist was?

 

 Drei Namen für die selbe Krankheit. Oder besser gesagt, denselben Krankheitskomplex: 'Die' Vogelgrippe gibt es nicht. Vogelgrippeviren sind sehr variabel und bilden durch Mutation und genetische Vermischung zahlreiche unterschiedliche Subtypen aus. Diese werden in zwei Gruppen unterteilt, in niedrig pathogene (wenig ansteckende) Aviäre (Vogel-) Influenzaviren (NPAIV) und in hoch pathogene (HPAIV). Von letzteren haben bei uns vor allem die Subtypen H5N1 wegen des Infektionsrisikos auch für den Menschen und H5N8 wegen der hohen wirtschaftlichen Schäden von sich reden gemacht.

 

 

Wie kommt die Vogelgrippe zu uns?

 

Vogelgrippeviren zirkulieren seit den 1990er Jahren in Hausgeflügel-Beständen in Südostasien und haben sich auch in Nordafrika etabliert, vor allem in Ägypten. Für die Ausbreitung nach Europa und innerhalb Europas werden zwei mögliche Wege diskutiert:

 

In Transporten von Tieren und tierischen Produkten sieht das Friedrich-Löffler-Institut (FLI), nationales Referenzzentrum für die Vogelgrippe, ein "mäßiges" Risiko der Einschleppung. Insbesondere gilt das für die illegale Einfuhr infizierter Vögel oder infizierten Materials - entsprechende Fälle sind belegt. Aber es gibt Indizien dafür, dass auch legale Einfuhren im weltumspannenden Netz von Geflügeltransporten zur Eintrittspforte für Vogelgrippeviren werden. Außerdem können auch mit der Entsorgung von Abfallprodukten der Geflügelwirtschaft - beispielsweise bei der Ausbringung von Geflügelkot - aus infizierten Beständen Vogelgrippeviren in die Umwelt gelangen. Gerade bei kühleren Temperaturen bleiben diese in Kot oder Wasser unter Umständen über Wochen aktiv und können dann Wildvögel gefährden.

 

 

 Ziehende Wildvögel könnten das Virus transportieren, vielleicht auch auf 'Umwegen': Im Vergleich zu Hausgeflügel erkranken Wildvögel häufig weniger schwer oder ohne Symptome und können so das Virus transportieren. In den Brutgebieten nördlicher Breiten berühren sich Zugstraßen über Asien und über Europa ziehender Wildvögel. Wildvögel könnten sich in Hausgeflügelbeständen in Südostasien infizieren und dann auf dem Zug Viren in die nordischen Brutgebiete transportieren. Könnten sie dort wieder Viren an andere Vögel weitergegeben, die später über Westeuropa südwärts ziehen? Phylogenetische (entwicklungsgeschichtliche) Analysen der verschiedenen Virustypen und ihrer Entwicklung stützen diese Annahme. Und auch im aktuellen Seuchengeschehen gibt es Hinweise auf einen solchen Transport des Virus durch Wildvögel: Die aktuell in Deutschland kursierenden hochpathogenen H5N8-Viren sind laut FLI sehr eng mit Viren verwandt, die im Sommer 2016 bei Wildvögeln im Süden Sibirien nachgewiesen wurden. Theoretisch wäre aber auch denkbar, dass sich die Vögel, die das Vogelgrippevirus aktuell wohl nach Deutschland transportiert haben, an einem Herd in Geflügelhaltungen in Osteuropa infiziert haben. Ein entsprechender Ausbruch ist dort aber zumindest nicht bekannt.

 

 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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