Sensation am Großen Rötelseeweiher: Erste Brut wildlebender Flamingos in Bayern

Die Chile-Flamingos tauchten erstmals 2011 am Großen Rötelsee auf. - Foto: Peter Zach
Die Chile-Flamingos tauchten erstmals 2011 am Großen Rötelsee auf. - Foto: Peter Zach

27.10.2015 - Sie gehören bei den Besuchern der Rötelseeweiher zu den besonderen Attraktionen: die Flamingos. Wer sich einmal die Mühe machte und genauer hinschaute, dem wird aufgefallen sein, dass es keine europäischen Rosaflamingos sind, sondern die nahe verwandten Chileflamingos. Die Schwesterart unterscheidet sich von den europäischen Flamingos durch die roten "Knie" und die roten Zehen. Das Gefieder ist kräftiger rosa gefärbt und das Schwarz am Schnabel umfasst die ganze vordere Schnabelhälfte.

 

 

Seit 2011 regelmäßig am Rötelsee: die Chileflamingos - Foto: Peter Zach
Seit 2011 regelmäßig am Rötelsee: die Chileflamingos - Foto: Peter Zach

Seit dem Frühjahr 2011 erscheinen an den Rötelseeweihern, insbesondere am Großen Rötelseeweiher, regelmäßig Chileflamingos. 2013 mischte sich unter die Chileflamingos auch ein europäischer Rosaflamingo. Woher die Flamingos stammen, ist nach wie vor unbekannt. Das ursprüngliche Brutgebiet der Chileflamingos liegt in Südamerika. Im Winter 1978/79 tauchten im Südwesten der Niederlande erstmals wildlebende Chileflamingos in Mitteleuropa auf. Vier Jahre später siedelte sich an einem 35 ha großen See im Zwillbrocker Venn, einem Naturschutzgebiet im Kreis Borken in unmittelbarer Nähe zur Niederlande, eine kleine Kolonie mit sechs Vögeln an, die mittlerweile aus acht bis vierzehn Brutpaaren besteht. Das Zwillbrocker Venn war bis jetzt der einzige Brutplatz für Flamingos in Mitteleuropa.

 

 

Die Chronologie des Bruterfolgs

Nach erfolgreicher Brut wird der Jungvogel gefüttert. - Foto: Peter Zach
Nach erfolgreicher Brut wird der Jungvogel gefüttert. - Foto: Peter Zach

Am 14. Mai 2011 tauchten erstmals zwei Chileflamingos im Rötelseeweihergebiet auf. Die Vögel hielten sich bis zum 27. Juni vorwiegend am Großen Rötelseeweiher auf und ernährten sich dort von den zahlreichen Wasserflöhen. 2012 erschienen erneut zwei Vögel, 2013 waren es sogar vier und ein Rosaflamingo. 2014 dann die große Überraschung: Ein Paar begann am 17. Juni in einer Lachmöwenkolonie am Großen Rötelseeweiher zu brüten. Nachdem jedoch mehrfach ein Fuchs die Möwenkolonie mit den brütenden Flamingos aufsuchte, gaben die beiden Brutvögel am 8. Juli das Gelege auf. Das Jahr 2015 versprach daher Hochspannung. Werden die Flamingos wieder erscheinen und kommt es erneut zu einer Brut, fragten sich viele Naturfreunde? Die Freude bei den Vogelbeobachtern war groß, als endlich am 26. Mai drei Flamingos, ein Paar und ein Einzelvogel, am Großen Rötelseeweiher eintrafen. Bereits nach wenigen Tagen begannen die Flamingos mit der Bebrütung des Geleges, diesmal an einem fuchssicheren Platz in einer gut geschützten Lachmöwenkolonie. Am 1. Juli schlüpfte nach einer Brutzeit von 28 Tagen ein Junges (Flamingogelege umfassen nur ein Ei). In den ersten Tagen nach dem Schlupf schützten die Altvögel das Küken mit leicht ausgebreiteten Flügeln vor der starken Sonneneinstrahlung und der großen Hitze. Nach zwei Wochen verließ der Jungvogel die Brutinsel und schwamm zu anderen Inseln im Großen Rötelseeweiher. Gut versorgt von den beiden Elternvögeln und im Schutz der zahlreichen Möwenkolonien wuchs der kleine Flamingo rasch heran und sucht nun im Alter von drei Monaten in den Flachwasserzonen selbstständig nach Nahrung.

 

 

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Chileflamingo mit Jungvogel - Foto: Peter Zach
Chileflamingo mit Jungvogel - Foto: Peter Zach

 

Die Elternvögel sind mittlerweile an den Echinger Stausee bei Landshut weitergezogen. In regelmäßigen Abständen kehren sie noch an den Rötelseeweiher zurück. Gelegentlich wird der Junge auch noch gefüttert. In den nächsten Wochen steht der Abzug des Jungvogels ins Winterquartier bevor. Wohin die Reise geht, lässt sich nicht vorhersagen.

 

Peter Zach - Ehrenamtlicher Gebietsbetreuer NSG Regentalaue

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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