Hauptursache ist geringerer Zuzug aus dem Norden

In Bayern und im Landkreis Cham auf Platz 1: der Feldsperling - Foto: Dieter Renner
In Bayern und im Landkreis Cham auf Platz 1: der Feldsperling - Foto: Dieter Renner

 

Das Endergebnis der LBV-Mitmachaktion "Stunde der Wintervögel" zeigt bei verschiedenen Vogelarten einen massiven Bestandsrückgang. Für den Vogelmangel sind gleich mehrere Faktoren verantwortlich. Hauptgrund ist der geringe Zuzug an nordischen Wintergästen. Der LBV freut sich bayernweit über ein erneutes Rekordergebnis mit über 27.000 Teilnehmern, leider nahm die Beteiligung im Landkreis Cham ab. Im Gegensatz zu nur 33 gefiederten Gästen im bayerischen Durchschnitt pro Garten waren es bei uns immerhin 43. Dabei war der Feldsperling zum ersten Mal nicht nur im Chamer Land der am häufigsten beobachtete Wintervogel, sondern auch in Bayerns Gärten. Die Kohlmeise, die in den vergangen sechs Jahren meist auf dem Spitzenplatz landete, stürzte auf den vierten Rang ab, bei uns blieb sie die ewige Nummer 2. Im Schnitt wurden in den bayerischen Gärten knapp 20 Prozent weniger Vögel beobachtet als im Vorjahr, so die LBV-Kreisgruppe Cham.

 

 

Im Landkreis Cham unverändert auf Platz 2, bayernweit aber auf den 4. Platz zurückgefallen: die Kohlmeise - Foto: Dieter Renner
Im Landkreis Cham unverändert auf Platz 2, bayernweit aber auf den 4. Platz zurückgefallen: die Kohlmeise - Foto: Dieter Renner

Auch im Winter beeinflusst das Zugverhalten vor allem nordischer Bewohner unsere heimische Vogelwelt. So wie sich im Vorjahr besonders viele Kohlmeisen und Erlenzeisige aus Nord- und Nordosteuropa zum Überwintern unter ihre bayerischen Artgenossen mischten, blieben derartige Gäste in diesem Winter aus, so die LBV-Kreisgruppe Cham. Neben Kohlmeisen und Erlenzeisigen fliegen auch Drosseln, Gimpel, Rotkehlchen, Buch- und Bergfinken zu Millionen aus ihren nordöstlichen Verbreitungsgebieten zwischen Skandinavien und Sibirien zu uns in den „warmen“ Süden. Die Zahl dieser Wintergäste hängt dabei maßgeblich von der dortigen Witterung und dem Nahrungsangebot ab. In harten Wintern mit wenig Nahrungsangebot weichen mehr Vögel nach Süden aus.

Bergfinken, Gimpel, Buchfinken und Rotkehlchen fliegen im Winter zu Milllionen aus ihren nordischen Verbreitungsgebieten zu uns. In diesem Winter waren es aber wohl nicht ganz so viele. - ein Bergfink - Foto: Dieter Renner
Bergfinken, Gimpel, Buchfinken und Rotkehlchen fliegen im Winter zu Milllionen aus ihren nordischen Verbreitungsgebieten zu uns. In diesem Winter waren es aber wohl nicht ganz so viele. - ein Bergfink - Foto: Dieter Renner
Obwohl bei uns auch Brutvogel sind auch Gimpel oder Dompfaffe Teilzieher aus dem Norden. - Foto: Dieter Renner
Obwohl bei uns auch Brutvogel sind auch Gimpel oder Dompfaffe Teilzieher aus dem Norden. - Foto: Dieter Renner
Ebenfalls gelegentlich am Futterhäuschen zu beobachten: ein Buchfink - Foto: Dieter Renner
Ebenfalls gelegentlich am Futterhäuschen zu beobachten: ein Buchfink - Foto: Dieter Renner
Gleiches gilt für das Rotkehlchen - Foto: Dieter Renner
Gleiches gilt für das Rotkehlchen - Foto: Dieter Renner

 

 

Die Abnahme deckt sich mit den Vogelzugbeobachtungen in vielen anderen europäischen Ländern. Dies konnte im Austausch unter den europäischen Vogelkundlern gut dokumentiert werden. Es gab diesen Winter extrem geringe Durchzugszahlen bei den betreffenden Vogelarten. Der Vogelmangel trat dieses Jahr plötzlich und kurzfristig auf und schlägt auch deutlich in den Zahlen der Mitmachaktion zu Buche, denn ganz Europa ist flächendeckend vom Ausbleiben der Wintergäste betroffen. Ein Phänomen, dass möglicherweise auch mit der Klimaerwärmung zusammenhängt, die das Zugverhalten und die Strategien der Vögel mittlerweile maßgeblich beeinflusst.

 

Als weiterer Faktor für den Rückgang der gezählten Vögel kommt lokal auch ein geringer Bruterfolg 2016 in Frage. Auch im Landkreis Cham blieben im letzten viele Bruthöhlen in Gärten leer oder brachten kaum Bruterfolg.

Vögel, die sich zwar nicht ins Futterhäuschen wagen, in den Hecken an den Grundstücksgrenzen jederzeit beobachtet werden können: der Eichelhäher - Foto: Dieter Renner
Vögel, die sich zwar nicht ins Futterhäuschen wagen, in den Hecken an den Grundstücksgrenzen jederzeit beobachtet werden können: der Eichelhäher - Foto: Dieter Renner
Die Türkentaube - Foto: Dieter Renner
Die Türkentaube - Foto: Dieter Renner
Da er an Vogelhäuschen die Chance auf leichte Beute sieht, taucht auch der Sperber gelegentlich an Fütterungsstellen auf. - Foto: Ursula Groth
Da er an Vogelhäuschen die Chance auf leichte Beute sieht, taucht auch der Sperber gelegentlich an Fütterungsstellen auf. - Foto: Ursula Groth
© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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