Wochenstube im Westgiebel?

Anhand der Aderung an den Flughäuten kann die genaue Art bestimmt werden. Die Hautpflege und Bekämpfung der Parasiten (Milben) übernehmen normalerweise die Muttertiere. - Foto: Fischer-Stahl
Anhand der Aderung an den Flughäuten kann die genaue Art bestimmt werden. Die Hautpflege und Bekämpfung der Parasiten (Milben) übernehmen normalerweise die Muttertiere. - Foto: Fischer-Stahl

 

19.07.2017 - Am Donnerstagmorgen haben aufmerksame Mitarbeiter auf dem Heros-Parkplatz in Lam unmittelbar in der Nähe des Haupteinganges einen kleinen, dunkelbraunen, flauschigen Winzling auf dem Asphalt bemerkt. Bei näherer Inaugenscheinnahme entpuppte sich das niedliche Wesen als Fledermaus, ein Junges so die Vermutung. Doch nun war guter Rat teuer, was tun und wohin damit?

 

Monika Kerner und Markus Schmidberger vom Landesbund für Vogelschutz waren hier die richtigen Ansprechpartner. Wer eine Fledermaus findet, sollte bitte unbedingt die LBV-Geschäftsstelle in Nößwartling anrufen (Tel. 09977/8227). Die Mitarbeiter können beurteilen, wie alt und in welchem Zustand das Tier ist, ob Jungtiere schon selbständig sind oder noch Unterstützung brauchen. Außerdem wird der Fundort und ein mögliches neues Quartier kartiert. Darum ist der LBV auch dankbar für jede Meldung.

In Sicherheit bringt man einen Findling am Besten in einer Stofftasche (gut verschließen, sonst krabbelt er wieder raus) oder einem kleinen Karton mit Luftlöchern. Dabei sollten unbedingt Handschuhe getragen werden, da Fledermäuse ganz schön bissig werden lönnen, wenn sie sich ärgern.

Wenn nichts dagegen spricht, kann man die Fledermaus in der Nähe der Fundstelle bei einbrechender Dunkelheit wieder frei lassen. Das kleine Fräulein vom Heros-Gelände ist, so hat es sich heraus gestellt, eine junge, schon recht selbständige Zwergfledermaus. Die richtig schweren Brummer unter ihnen wiegen so viel wie ein Stückchen Würfelzucker und passen locker in eine Streichholzschachtel. Acht Gramm schwer und höchstens fünf Zentimeter lang können Zwergfledermäuse werden. Damit sind die winzigen Nachtschwärmer die kleinste heimische Fledermausart und die häufigste.

 

Zwergfledermäuse suchen sich gerne einen Unterschlupf an Gebäuden. Sie krabbeln in die Ritzen zwischen Schieferplatten und Ziegelsteinen, hinter Wandverkleidungen oder in Rollladenkästen. Ein zwei Zentimeter breiter Spalt reicht dem Winzling als Versteck. Die schlauen Tiere haben sogar gelernt, dass Insekten vom Licht angezogen werden und jagen deshalb gezielt an Lichtquellen, zum Beispiel in der Nähe beleuchteter Fenster oder Terrassenlampen. Darum ist es gar nicht so verwunderlich, dass der Heros-Findling sein Zuhause unmittelbar über der Leuchtreklame im Giebel des Verwaltungstraktes hat. Markus Schmidberger konnte dies anhand von Kotspuren auf dem Boden feststellen. Da es sich um ein Jungtier handelte, vermutet er hier sogar eine Wochenstube. Eine solche richten die Zwergfledermaus-Weibchen gerne an Gebäuden ein. Dabei brauchen sie wenig Platz und quetschen sich mit 50 bis 100 anderen Artgenossinnen in ein Quartier. Junge haben anfangs manchmal Probleme damit, beim Anflug das winzigen Einflugloch ins Quartier zu erreichen, verfügen vielleicht auch noch nicht über die richtige Technik.

 

Nach einem Tag im Stoffsäckchen mit ein paar Wassertropfen und Mehlwürmer aus der Pipette könnte das kleine Fräulein am Abend aus eigener Kraft wieder ihre Runden über dem Heros-Gelände drehen.

 

Bericht: Fischer-Stahl

 

 

Ein wenig erschöpft ruht die kleine Zwergfledermausdame im Stoffsäckchen. - Foto: Fischer-Stahl
Ein wenig erschöpft ruht die kleine Zwergfledermausdame im Stoffsäckchen. - Foto: Fischer-Stahl
© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
zum Anfang
Mitglied werden
LBV Naturshop
LBV QUICKNAVIGATION