Der Kreuzotter auf der Spur

Die Kreuzotter - hier ein männliches Exemplar - stand im Mittelpunkt der Exkursion. - Foto: Paul Hien
Die Kreuzotter - hier ein männliches Exemplar - stand im Mittelpunkt der Exkursion. - Foto: Paul Hien

 

Die Kreuzotter (vipera berus) - einst gefürchtet, heute stark gefährdet. Die einzige heimische Giftschlange leidet vor allem unter Lebensraumverlust, aber auch menschliche Verfolgung führen zu einer stetigen Abnahme der Kreuzotterbestände. Im Landkreis Cham kommt sie noch an einigen Stellen vor.

 

Dorthin, wo die sehr selten gewordene Kreuzotter (die einzige heimische Giftschlange im Bayerischen Wald) noch wohnt, hatte die Kreisgruppe des LBV und der Naturpark Oberer Bayerischer Wald eingeladen. Rund 40 Naturfreude , darunter mehrere wissbegierige Kinder und Jugendliche, nutzten das herrliche Wetter für einen erlebnisreichen Spaziergang mit Markus Schmidberger vom LBV und Anette Lafaire vom Naturpark Oberer Bayerischer Wald.

 

Am Eingang zum Arracher Moor erörterte Lafair zunächst etliche Fakten zum Naturschutzgebiet. - Foto: Martina Münsterer
Am Eingang zum Arracher Moor erörterte Lafair zunächst etliche Fakten zum Naturschutzgebiet. - Foto: Martina Münsterer

Nach der Begrüßung wartete Naturparkrangerin Anette Lafaire mit grundlegenden Fakten zum Arracher Moor auf, das seit 1995 Naturschutzgebiet mit angrenzendem FFH-Gebiet ist. Erst in privater Hand wurde es von der Gemeinde gepachtet, renaturiert und mit einem Holzbohlensteg zugänglich gemacht. Bis heute wird es vom Naturpark immer wieder gepflegt und gemäht, sowohl maschinell als auch händisch. Weiter wusste sie Wissenswertes über typische Moorpflanzen wie Sonnentau, Torfmoos oder Pfeifengras zu berichten. Moore seien nach der letzten Eiszeit entstanden, weisen ein saures Milieu auf und wachsen einen Millimeter pro Jahr. Mit einer Tiefe von 5,6 Metern sei das Arracher Moor also 5 600 Jahre alt. An einer späteren Station demonstrierte sie den Exkursionsteilnehmern, wie leicht sich ein fast zwei Meter langer Stock mühelos und ohne Kraftaufwand im Moorboden versenken lässt. Die Naturparkrangerin ging auf die Kennzeichen von Nieder- und Hochmoor ein und machte darauf aufmerksam, dass es sich beim Arracher Moor um ein besonders seltenes Durchströmungsmoor handle und dass dieses deshalb besonders schützenswert sei.

Ein fast zwei Meter langer Stock ließ sich mühelos und ohne Kraftaufwand im Moorboden versenken. - Foto: Martina Münsterer
Ein fast zwei Meter langer Stock ließ sich mühelos und ohne Kraftaufwand im Moorboden versenken. - Foto: Martina Münsterer
Über den Bohlenweg führte die Exkursion durchs Arracher Moor. - Foto: Martina Münsterer
Über den Bohlenweg führte die Exkursion durchs Arracher Moor. - Foto: Martina Münsterer
Anette Lafaire ging auch auf seltene und geschützte Moorpflanzen ein, wie den Rundblättrigen Sonnentau. - Foto: Dieter Renner
Anette Lafaire ging auch auf seltene und geschützte Moorpflanzen ein, wie den Rundblättrigen Sonnentau. - Foto: Dieter Renner
Die fleischfressende Pflanzen besitzt klebrige Tentakeln, die zum Insektenfang dienen. - Foto: Dieter Renner
Die fleischfressende Pflanzen besitzt klebrige Tentakeln, die zum Insektenfang dienen. - Foto: Dieter Renner

 

Markus Schmidberger lieferte an verschiedenen Stationen des Bohlenweges wissenswerte Informationen zu den drei im Landkreis vorkommenden Schlangenarten. Er ging auf die häufigste Schlangenart, die Ringelnatter ebenso ein wie auf die seltene und versteckt lebende Schlingnatter. Der Referent erwies sich als kompetenter Schlangenkenner, der keine der vielen Fragen unbeantwortet ließ. Die Ringelnatter könne man leicht an den gelben Backenflecken und ihrer im Vergleich zur Kreuzotter schnellen Fortbewegungsart erkennen. Die mit bis zu 1,30 Metern Länge größte heimische Schlange ist völlig harmlos, fühlt sich in der Nähe von Wasserflächen besonders wohl und frisst Frösche, kleine Fische oder Würmer. Damit sich alle ein realistisches Bild machen konnten, präsentierte Schmidberger ein totes Exemplar, ein gut erhaltenes "Verkehrsopfer". Auch von der Schlingnatter, die nur etwa 70cm lang wird, konnte der Exkursionsleiter ein überfahrenes Individuum vorzeigen. Obwohl Ringelnattern und Schlingnattern völlig harmlose und ungiftige Schlangenarten sind, werden sie oft als vermeintliche giftige Kreuzottern erschlagen. Dabei unterliegen alle Reptilien unterliegen dem gesetzlichen Schutz. "Man darf sie nicht stören, nicht fangen, nicht töten", so Schmidberger.

Markus Schmidberger unterlegte seine Ausführungen mit toten Exemolaren der Ringelnatter ....... - Foto: Regina Pfeffer
Markus Schmidberger unterlegte seine Ausführungen mit toten Exemolaren der Ringelnatter ....... - Foto: Regina Pfeffer
..... und auch der Schlingnatter, beide Opfer des Straßenverkehrs. - Foto: Dieter Renner
..... und auch der Schlingnatter, beide Opfer des Straßenverkehrs. - Foto: Dieter Renner

 

 

Schwerpunktvorkommen der Kreuzotter im Landkreis Cham sind der Lamer Winkel und das Regental zwischen Roding und Neubäu. "Keine Schlange hat ein größeres Verbreitungsgebiet als die Kreuzotter, die in einer Ost-West-Ausbreitung von 11 000 Kilometer zu finden ist. Und keine Schlange auf dem Planeten ist so farbenfroh wie die Kreuzotter, die es in zahlreichen Farbvariationen gibt", so Schmidberger begeistert. Die Männchen sind in der Regel hell und kontrastreich. Typisches Kennzeichen der Giftschlange ist das Zickzackband auf dem Rücken. Dieses fehlt aber bei der Höllenotter, einer rein schwarzen Variante der Kreuzotter. Die rötlich gefärbten Exemplare werden oft als Kupfernattern bezeichnet.

Eine Kreuzotter erreicht im Durchschnitt eine Länge von 50 bis 75 Zentimetern, mag es moorig und feucht mit niedrigem Bewuchs sowie starken Tag-Nacht Temperaturschwankungen. Während Jungtiere eher junge Grasfrösche und Waldeidechsen fressen, bevorzugen ausgewachsene Tiere Kleinsäuger (15 bis 20 Tiere pro Jahr).

Alle zwei Jahre gebären die Weibchen durchschnittlich vier bis acht Jungtiere, die zwischen August und Ende September zur Welt kommen. Im Normalfall wird die Schlange zehn bis elf Jahre alt. Sie ist überwiegend tagaktiv.

Kreuzottern sind Fluchttiere. Erst wenn diese Möglichkeit gar nicht mehr gegeben ist, wehren sie sich mit einem Biss. Menschen werden nur gebissen, wenn man versehentlich auf eine Kreuzotter tritt oder versucht, sie zu fangen. Ihr Biss ist aber nicht tödlich. Bei einem Biss (es gab nur drei offizielle Meldungen in den letzten 20 Jahren) reicht ein Arztbesuch, um die lokalen Schmerzen und die Kreislaufprobleme in den Griff zu bekommen. "Um einen Menschen wirklich zu töten, wären drei Kreuzottern mit ihrer ganzen Giftmenge nötig." Meist wird beim Abwehrbiss aber nur eine sehr geringe Dosis des Kreuzotter-Giftes injiziert.

 

 

Beim Anblick einer Kreuzotter – und sei es auch nur aus Glas - schießt einem für einen Augenblick „Urangst“ in das Herz. - Foto: Regina Pfeffer
Beim Anblick einer Kreuzotter – und sei es auch nur aus Glas - schießt einem für einen Augenblick „Urangst“ in das Herz. - Foto: Regina Pfeffer
Typisch für die Kreuzotter sind die nach hinten geklappten Giftzähne.- Foto: Regina Pfeffer
Typisch für die Kreuzotter sind die nach hinten geklappten Giftzähne.- Foto: Regina Pfeffer
Am Ende der kurzweiligen Exkursion zeigte Schmidberger eine lebende Kreuzotter. Die war zur Sicherheit der Teilnehmer zunächst in einem Glasbehälter untergebracht. - Foto: Martina Münsterer
Am Ende der kurzweiligen Exkursion zeigte Schmidberger eine lebende Kreuzotter. Die war zur Sicherheit der Teilnehmer zunächst in einem Glasbehälter untergebracht. - Foto: Martina Münsterer
Später durfte die Höllenotter, also ein schwarzes Exemplar, dann auch über den Boden des Besucherpavillions kriechen. - Foto: Martina Münsterer
Später durfte die Höllenotter, also ein schwarzes Exemplar, dann auch über den Boden des Besucherpavillions kriechen. - Foto: Martina Münsterer

 

Am Ende der gut zweistündigen kurzweiligen Exkursion zeigte Schmidberger dann beim Infopavillon tatsächlich eine lebende Kreuzotter. Die erhielt nach der Veranstaltung selbstverständlich sofort wieder ihre Freiheit an derselben Stelle, an der sie gefangen worden war. Mit einem kräftigen Applaus bedankten sich die durchwegs begeisterten Teilnehmer für den interessanten lehrreichen Nachmittag. Zum Abschluss hob Schmidberger die besonders hohe ökologische Bedeutung des Arracher Moores als Lebensraum für bedrohte Tiere und Pflanzen hervor und appellierte nachdrücklich an die Verantwortung der Gemeinde Arrach.

 

Bericht: Regina Pfeffer und Martina Münsterer

Selbstverständlich erhielt die Höllenotter "nach getaner Arbeit" in ihrem ursprünglichen Lebensraum im Lamer Winkel wieder ihre Freiheit zurück. - Foto: Dieter Renner
Selbstverständlich erhielt die Höllenotter "nach getaner Arbeit" in ihrem ursprünglichen Lebensraum im Lamer Winkel wieder ihre Freiheit zurück. - Foto: Dieter Renner

 

Für alle Naturliebhaber und Schlangenfreunde bietet die Nationalparkverwaltung am 9. November einen Vortrag von Paul Hien zum Thema Kreuzottern an. Der Naturfilmer, der an der Exkursion im Arracher Moor teilnahm, hat gemeinsam mit Markus Schmidbauer einen Film mit dem Titel "Achtung Kreuzottern" gedreht, der bereits im BR in der Sendereihe Bayern erleben ausgestrahlt wurde und voraussichtlich am 11. November wiederholt wird. Wenn Sie so lange nicht warten wollen, klicken Sie hier!

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