Kleiner Beitrag gegen das Insektensterben

 

09.05.2019 - Einen kleinen Beitrag gegen das Insektensterben leistete die LBV-Kreisgruppe mit einem Workshop zum Bau von Insektennisthilfen im Rahmen der LBV-KreativMühle im Zentrum für Mensch und Natur in Nößwartling. Erika Babl, Vorsitzende des OGV Chammünster und LBV-Mitarbeiter Clemens Buchhorn führten die Teilnehmer in die Welt der Insekten ein und erklärten, wie man besonders Wildbienen im eigenen Garten bei der Fortpflanzung helfen kann.

 

Erika Babl gab einen kleinen Überblick über die Welt der Insekten. - Foto: Angelika Nelson
Erika Babl gab einen kleinen Überblick über die Welt der Insekten. - Foto: Angelika Nelson

 

560 Arten von Wildbienen gibt es Deutschland, die meisten davon auch in Bayern, erklärt Erika Babl. Mit dem Wort Biene assoziieren wir oft die Honigbiene, die von Imkern gepflegt und gehegt wird, doch gibt es viele wilde Verwandte. Wildbienen haben einen anderen Lebenszyklus als die schwarmlebende Honigbiene: sie leben solitär und jedes Weibchen, nicht nur die Königin, legt Eier. Typischerweise sucht sich die weibliche Wildbiene einen geeigneten Nistplatz, legt ein Ei und trägt Pollen als Nahrung für die Larven in diese Brutzelle. Die Zelle wird dann mit Baumaterial verschlossen und die Biene sucht sich die nächste Brutzelle. Der Futtervorrat reicht für die gesamte Entwicklung vom Ei über die Larve bis zur fertigen Biene - wenn alles gut geht. Denn es gibt auch Parasiten, sogenannte Kuckucksbienen, die Eier fressen und sich als Larven selbst von den hinterlegten Pollen ernähren. Blattschneiderbiene, Rotbeinige Lockensandbiene, Sägehornbiene, Schneckenhaus-Mauerbiene (raten Sie mal, wo diese Art ihre Eier abglegt) und Scherenbiene sind nur einige der Arten, die die Vielfalt der heimischen Wildbienen deutlich machen. Einige von ihnen sind Spezialisten, d.h. sie sind auf eine ganz bestimmte Futterpflanze angewiesen, anderen stehen eine breitere Auswahl an Pflanzen zur Verfügung. So findet man die Scherenbiene am Hahnenfuß, die Knautien-Sandbiene auf der Ackerwitwenblume Knautia arvensis und die Holzbiene - mit bis zu 3 cm Körperlänge unsere größte heimische Art - an Lippenblütlern, Korbblütlern, Raublattgewächsen und Schmetterlingsblütlern.

Insekten, die im kurzen Einführungsreferat vorgestellt wurden: Gemeine Sandwespe - Foto: Dieter Renner
Insekten, die im kurzen Einführungsreferat vorgestellt wurden: Gemeine Sandwespe - Foto: Dieter Renner
Blaue Holzbiene - mit bis zu 3 cm Körperlänge unsere größte heimische Wildbienenart - Foto: Dieter Renner
Blaue Holzbiene - mit bis zu 3 cm Körperlänge unsere größte heimische Wildbienenart - Foto: Dieter Renner
Allseits bekannt: die Hornisse - Foto: Dieter Renner
Allseits bekannt: die Hornisse - Foto: Dieter Renner
Ein Vertreter der Schwebfliegen - Foto: Dieter Renner
Ein Vertreter der Schwebfliegen - Foto: Dieter Renner
Gemeine Breitstirnblasenkopffliege - oft sieht man sie bei der Paarung - Foto: Dieter Renner
Gemeine Breitstirnblasenkopffliege - oft sieht man sie bei der Paarung - Foto: Dieter Renner
Hummel an einem Klebrigen Salbei - Foto: Dieter Renner
Hummel an einem Klebrigen Salbei - Foto: Dieter Renner

 

Im Anschluss an den Vortrag durften sich die Teilnehmer selbst an die Herstellung eines Insektenhotels machen. Als Vorlage diente ein Eichenstamm, der im Vorjahr beim Zeltlager der NABU-Naturschutzjugend auf der Drahtinsel angefertigt wurde und direkt neben dem "Bunten Meter für den Stieglitz" steht. Diese Insektennisthilfe zeigt, dass die Löcher, in die die Bienen zur Eiablage angelockt werden, nicht in Reih und Glied liegen müssen. Künstlerische Freiheit ist gefragt, so darf man gerne eine Blume, Girlande oder sogar Gesicht mit den gebohrten Löchern zeichnen. Wichtig ist nur, dass die Kanten der Löcher abgeschliffen werden, damit sich die Bienen nicht verletzen. Verschiedene Bienenarten benötigen unterschiedliche Lochgrößen, abhängig von ihrer Körpergröße. Und natürlich sollten die Löcher und das Material der Nisthilfe keine Fressfeinde der Bienen anlocken. Ohrwürmer, zum Beispiel, bevorzugen Holzwolle zur Überwinterung und verschmähen auch keine Bienenbrut. Die Teilnehmer stellten bald fest, dass Insektennisthilfen wohl nicht nur den Bienen zu Gute kommen werden, sondern auch den Vögeln, die sich bei vielen bereits im Garten tummeln, denn für diese sind Bienen und Insekten allgemein ein gefundenes Fressen. Nisthilfen alleine reichen natürlich nicht aus, auch der Lebensraum für die Insekten in Form eines naturnahen Gartens mit möglichst vielen unterschiedlichen heimischen Wildblumen sollte vorhanden sein.

Jede/r Teilnehmer/in ging mit einem eigenen kunstvoll gestalteten Insektenhotel zum Aufbau im Garten oder am Balkon nach Hause.

 

Bericht: Angelika Nelson

Das Insektenhotel, das im Vorjahr beim NABU-Zeltlager auf der Drahtinsel angefertigt wurde, diente als Anschauungsobjekt. - Foto: Angelika Nelson
Das Insektenhotel, das im Vorjahr beim NABU-Zeltlager auf der Drahtinsel angefertigt wurde, diente als Anschauungsobjekt. - Foto: Angelika Nelson
Bohrlöcher in Form einer Efeuranke fertigte diese Teilnehmerin an. - Foto: Dieter Renner
Bohrlöcher in Form einer Efeuranke fertigte diese Teilnehmerin an. - Foto: Dieter Renner
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