Laichzug statt Leichenzug

Zigtausende Erdkröten werden jedes Jahr auf Deutschlands Straßen überfahren. Foto: Dieter Renner
Zigtausende Erdkröten werden jedes Jahr auf Deutschlands Straßen überfahren. Foto: Dieter Renner
Das wäre meist das Ergebnis ohne die Hilfe der Amphibienzaunbetreuer. Foto: Dieter Renner
Das wäre meist das Ergebnis ohne die Hilfe der Amphibienzaunbetreuer. Foto: Dieter Renner

 

 

Die Problematik ist bekannt: Jedes Jahr in den Monaten März und April wandern Amphibien in warmen Frühlingsnächten in ihre Laichgewässer. Dabei müssen sie häufig viel befahrene Straßen überqueren. Da sich Frösche, Molche und Kröten eher behäbig fortbewegen und zudem gerne auf dem warmen Asphalt verweilen, sind die Chancen die andere Straßenseite unbeschadet zu erreichen, eher gering. Aus diesem Grund werden im Landkreis Cham vom Straßenbauamt, vom Kreisbauhof und von den Gemeindebauhöfen alljährlich zirka 25 Amphibienzäune aufgestellt, die dann natürlich auch betreut werden müssen. Neben anderen Naturschutzorganisationen wie Bund Naturschutz, Bergwacht und auch einigen Privatpersonen ist selbstverständlich auch die Kreisgruppe des LBV in diese wichtige Artenschutzmaßnahme mit eingebunden.

 

 

 

Ehrenamtliche LBV-Mitglieder betreuen sieben Amphibienzäune

Seit fünfundzwanzig Jahren kümmert sich Manfred Renner um die Amphibienzäune im Raum Miltach. Foto: Dieter Renner
Seit fünfundzwanzig Jahren kümmert sich Manfred Renner um die Amphibienzäune im Raum Miltach. Foto: Dieter Renner

 

Seit fünfundzwanzig Jahren kümmert sich der LBV-Delegierte Manfred Renner um die Amphibienzäune im Raum Miltach. Im Raum Oberndorf/Flammried befinden sich gleich zwei Weiher, die vor allem von Erdkröten und wenigen Grasfröschen als Laichgewässer genutzt werden. Im Zuge des Ausbaus der Kreisstraße Miltach - Zandt wurde bei Flammried eine Amphibienleiteinrichtung errichtet (Betonsockel auf beiden Seiten der Fahrbahn, die die Kröten und Frösche nicht überwinden können) und ein Ersatzlaichgewässer angelegt. Amphibien, die an dieser Stelle die Straße in Richtung Flammrieder Weiher überqueren wollen, werden in den neuen Weiher gebracht, in dem sie dann ablaichen sollen. Der Zaun bei Blaibach an der Kreisstraße nach Bärndorf ist mit knapp 200 Amphibien nicht sonderlich stark frequentiert, aber dort finden sich ab und zu auch Berg- und Teichmolche in den Eimern. Fast 700 Erdkröten und ein paar wenige Grasfrösche mussten in diesem Jahr in Roßberg in der Gemeinde Chamerau über die Straße getragen werden.

 

Die Verantwortung für die beiden Zäune in Weihermühle und Dietersdorf hat LBV-Mitarbeiterin Monika Kerner übernommen. Foto: Dieter Renner
Die Verantwortung für die beiden Zäune in Weihermühle und Dietersdorf hat LBV-Mitarbeiterin Monika Kerner übernommen. Foto: Dieter Renner

 

Ein nicht nur landkreis- sondern sogar regierungsbezirkübergreifender Zaun befindet sich bei Weihermühle an der Gemeindegrenze zwischen Zandt (Oberpfalz) und Konzell (Niederbayern). Mehr als 1400 Amphibien werden an dieser Stelle alljährlich vor dem Verkehrstod bewahrt. Auch von der Artenvielfalt kommt dieser Stelle eine besondere Bedeutung zu. So finden sich in den Eimern neben Erdkröten und Grasfröschen auch Berg- und Teichmolche und hin und wieder auch eine Blindschleiche. Betreut wird dieser Zaun von der LBV-Mitarbeiterin Monika Kerner, die an Wochenenden und in den Ferien von einer ortsnah wohnenden naturbegeisterten Familie unterstützt wird. Auch um den Amphibienzaun bei Dietersdorf in der Gemeinde Zandt mit einer Erfassung von etwa 450 Erdkröten hat Monika Kerner die Verantwortung übernommen. Hier unterstützt eine weitere ortsansässige Ehrenamtlerin, Frau Brigitte Gründl aus Dietersdorf, die Betreung des Amphibienzaunes.

Wendelin Leitermann betreut die beiden Zäune bei Ransried. Foto: Dieter Renner
Wendelin Leitermann betreut die beiden Zäune bei Ransried. Foto: Dieter Renner

Ein besonders engagierter Amphibienzaunbetreuer ist unser LBV-Vorstandsmitglied Wendelin Leitermann. Er kümmert sich seit etlichen Jahren in vorbildlicher Weise um zwei Zäune bei Ramsried im Bereich der Stadt Bad Kötzting. Allerdings kann auch das nicht verhindern, dass hier die Individuenanzahl in den Eimern leicht rückläufig ist.

Auf Initiative des ehemaligen LBV-Kreisvorsitzenden Heribert Mühlbauer wird seit der Flutung des Drachensees bei Furth im Wald ein etwa ein Kilometer langer Amphibienzaun errichtet, der von der Bergwachtsektion Furth im Wald und engagierten Privatpersonen betreut wird. Über 1600 Erdkröten, Grasfrösche, Teich- und Bergmolche wurden so in diesem Jahr gerettet. Ziel dieser Aktion ist es, die Amphibien von ihren angestammten Laichgewässern in der Nähe des Diebergs, die durch die Flutung des Drachensees verloren gingen, in ihre neuen Laichtümpel in der Ökozone des Drachensees umzusiedeln.

Das Erdkrötenmännchen klammert sich an das Weibchen und lässt sich so bis zum Laichgewässer tragen. Foto: Dieter Renner
Das Erdkrötenmännchen klammert sich an das Weibchen und lässt sich so bis zum Laichgewässer tragen. Foto: Dieter Renner
Gelegentlich kann man dieses Verhalten auch bei Grasfröschen beobachten. Foto: Dieter Renner
Gelegentlich kann man dieses Verhalten auch bei Grasfröschen beobachten. Foto: Dieter Renner
Gelegentlich findet sich in den Eimern auch ein Bergmolch.... Foto: Dieter Renner
Gelegentlich findet sich in den Eimern auch ein Bergmolch.... Foto: Dieter Renner
... oder ein Teichmolch. Foto: Dieter Renner
... oder ein Teichmolch. Foto: Dieter Renner

Umweltpreis 2014 für die Amphibienzaunbetreuer

Die Amphibienzaunbetreuer erhielten den Umweltpreis des Landkreises Cham 2014.
Foto: LBV-Archiv
Die Amphibienzaunbetreuer erhielten den Umweltpreis des Landkreises Cham 2014. 
Foto: LBV-Archiv

Das oft jahrelange Engagement der Amphibienzaunbetreuer für den Artenschutz würdigte der Landkreis Cham durch die Verleihung des Umweltpreises 2014. In einer Feierstunde im LBV-Zentrum Mensch und Natur lobte Landrat Franz Löffler den ehrenamtlichen Einsatz der rund 40 Naturschützer aus den verschiedenen Umweltverbänden: Dort ist laut Löffler "Menschenhand mit großem Herz am Werk".

Amphibienbestände rückläufig

Nicht verschwiegen werden darf, dass trotz des intensiven Einsatzes der Naturschützer die Individuenzahl der Amphibien in Bayern weiter zurückgeht. Die Ursachen dafür sind vielfältig: die immer intensivere Landwirtschaft, die ungebremste Flächenüberbauung, die Landschaftszerschneidung durch Straßen, das Verschwinden der Laichgewässer. Dass die Errichtung von Amphibienzäunen nicht immer und überall zu dem gewünschten Erfolg führt, zeigt ein Beispiel aus dem Raum Miltach an der B 85. Dort fanden sich Anfang der 1990er-Jahre jährlich mehr als 2000 Erdkröten in den Eimern. Da die Amphibien aber nach dem Ablaichen irgendwann auf dem Rückweg erneut die Straße überqueren müssen, dies aber ungesichert, schaffen das besonders an stark befahrenen Straßen zu wenige Individuen. So sank die Anzahl der Kröten innerhalb weniger Jahren auf unter 50 Exemplare. Ein Amphibienzaun an dieser Stelle hat sich damit erübrigt.

Weitere Amphibienzaunbetreuer gesucht

Dass noch nicht an allen Straßen, wo dies notwendig ist, Amphibienzäune errichtet werden, zeigt ein Beispiel aus dem Bereich der Ortschaft Altrandsberg. Dort wurden im vergangenen Jahr in einer einzigen Nacht bei idealen Wanderbedingungen - leichter Regen, Temperaturen von deutlich über 5 Grad - auf einer Strecke von zirka 800 Metern um die 200 Kröten überfahren. Der Grund, warum in diesem Jahr an dieser Stelle noch kein Amphibienzaun errichtet wurde, liegt aber weniger an der zuständigen Kommune sondern daran, dass bislang noch kein Betreuer für diesen Zaun gefunden werden konnte.

Foto: Dieter Renner
Foto: Dieter Renner
Foto: Dieter Renner
Foto: Dieter Renner
Foto: Dieter Renner
Foto: Dieter Renner
© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
zum Anfang
Mitglied werden
LBV Naturshop
LBV QUICKNAVIGATION