Ralph Sturm begeisterte mit seinen Naturaufnahmen

Der Referent des Abends, Ralph Sturm, gehört zu den exzellenten bayerischen Naturfotografen. Seine Fotos erzählen einmalige Geschichten aus der Natur. - Foto: LBV
Der Referent des Abends, Ralph Sturm, gehört zu den exzellenten bayerischen Naturfotografen. Seine Fotos erzählen einmalige Geschichten aus der Natur. - Foto: LBV

 

 

15.03.2019 - Die LBV Kreisgruppe Cham lud im Rahmen ihrer Vortragsreihe am LBV-Zentrum Mensch und Natur in Nößwartling zu einem virtuellen Spaziergang durch die Streuobstwiese mit dem renommierte Naturfotografen Ralph Sturm <http://ralphsturm.de/>.

 

Die Bäume stehen zwar in Reih und Glied, doch liegt fauliges Obst am Boden und es sieht ein wenig unaufgeräumt aus im Kreisobstlehrgarten Neukirchen <https://neukirchen.net/kultur-und-natur/kreisobstlehrgarten.html>. Dort verbringt Ralph Sturm viele Viertelstunden ruhig unter Obstbäumen sitzend, wie er später im Gespräch verrät. In einem kurzen Einführungsfilm entdeckt das zahlreich erschiene Publikum keine Tiere. "Sehen wir was da ist?", fragt Ralph Sturm. Man muss sich Zeit nehmen, stillsitzen können und oft auch die Perspektive wechseln, um zu entdecken, welche regelrechten Dramen sich in Wiese und Bäumen abspielen. "Das Verborgene ist das Interessante", fügt er hinzu.

 

 

 

 

Erste Nahaufnahmen zeigen Rotkehlchen, Wacholderdrossel, Amsel und Co., die sich am Faulobst delektieren. Auch die kleinsten, die Fruchtfliegen, ernähren sich von Obstsäften.

Mit tollen Makroaufnahmen führt uns der Referent in die Welt der Gallischen Feldwespe ein, ein Insekt, das nicht bei Kaffekränzchen stört, wie seine Verwandten die Gemeine Wespe und die Hornisse. Gekonnt erzählt Ralph eine fotografische Geschichte: eine Hornisse dringt in den Bau der Feldwespe ein, überwältigt ein paar Wache stehende Arbeiterinnen der Wespen und dringt in deren Wochenstube vor, wo sie die Wespen der Brut beraubt. Was für eine Story, und dann auch noch dokumentiert in einmaligen Fotos!

Auch hübsche Schmetterlinge finden sich zum Obstschmaus am Streuobst. Den Rüssel in freudiger Erwartung des Nektars ausgestreckt, fliegt ein Schwalbenschwanz durchs Bild. Besonders im Frühling nutzen Schmetterlinge die Blüten als Nahrungsquelle. Das wissen auch viele Vögel wie uns Ralph im nächsten Bild zeigt: ein Star hat ein Schachbrett, den Schmetterling des Jahres 2019, gefangen und verfüttert ihn an seine Brut in der Höhle des Apfelbaumes.

Großartige Naturfotografie führt uns Szenen aus dem natürlichen Kreislauf, dem Fressen und Gefressen werden, vor Augen: eine Ameise melkt eine Blattlaus, mit der sie in Symbiose zusammenlebt; eine Marienkäferlarve delektiert sich an einer Blattlaus; ein Sperber erjagt einen Feldsperling; Fuchs und Mäusebussard teilen sich einen Rehkadaver. Und auch Regenwürmer, die wir buchstäblich mit Füßen treten, werden von Käfern sorgfältig filetiert und verspeist.

Manches mag den einen oder anderen Zuhörer überraschen: Was macht das Rebhuhn im Apfelbaum? Es richtet sich dort für die Nacht ein, ein gut gewählter Schlafplatz, sicher vor Bodenfeinden, erklärt Ralph. Auch Honigbienen und vor allem die 500 Arten von Wildbienen kommen in Ralph's Naturfotografie nicht zu kurz.

Eine Biene blickt in die Kamera. - Foto: Ralph Sturm
Eine Biene blickt in die Kamera. - Foto: Ralph Sturm
Eine Szene unter dem Makro-Objektiv des Referenten: eine Ameise melkt eine Blattlaus! - Foto: Ralph Sturm
Eine Szene unter dem Makro-Objektiv des Referenten: eine Ameise melkt eine Blattlaus! - Foto: Ralph Sturm
Was macht der Fasan im Apfelbaum? - Foto: Ralph Sturm
Was macht der Fasan im Apfelbaum? - Foto: Ralph Sturm
Ein Sperlingskauz hat es sich in einem Starenkasten gemütlich gemacht. - Foto: Ralph Sturm
Ein Sperlingskauz hat es sich in einem Starenkasten gemütlich gemacht. - Foto: Ralph Sturm

Vielleicht waren es diese Fotos und die Erinnerung an das erst kürzlich so erfolgreiche Volksbegehren "Rettet die Bienen", die im Anschluss eine Diskussion zur nachhaltigen Garten- und Landschaftspflege hervorriefen. Für all die kleinen, die wir nicht auf´s erste sehen, sowie die größeren Tiere ist es wichtig, dass wir den Mut haben, Stauden und Pflanzen stehenzulassen, nicht "z'samräumen", wie wir es so gerne tun, sondern uns die Zeit nehmen, das uns Unbekannte zu entdecken. Wir müssen stolz sein zu sagen "Da schaut's aus" und gleichzeitig wissen, dass wir Vielfalt erhalten und fördern. Und wo sich die Großen wie Greifvögel, Fuchs und Wiesel herumtreiben, finden wir auch die Kleinen, die Insekten und Würmer. Wir müssen halt nur genau hinschauen.

Der Vorsitzende der LBV Kreisgruppe Cham, Heinz Schindlatz, begrüßt den Referenten Ralph Sturm. - Foto: LBV
Der Vorsitzende der LBV Kreisgruppe Cham, Heinz Schindlatz, begrüßt den Referenten Ralph Sturm. - Foto: LBV
© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
zum Anfang
Mitglied werden
LBV Naturshop
LBV QUICKNAVIGATION