Neue Chance für die Gelbe Skabiose!?

Die Gelbe Skabiose - Rote Liste Bayern, vom Aussterben bedroht - Foto: Dieter Renner
Die Gelbe Skabiose - Rote Liste Bayern, vom Aussterben bedroht - Foto: Dieter Renner

30.10.2015 - Die Gelbe Skabiose (Scabiosa ochroleuca) ist in Bayern eine äußerst seltene und hoch bedrohte Pflanze aus der Familie der Kardengewächse. Im Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns aus dem Jahr 1990 finden sich nur noch fünf magere Einträge. Im restlichen Deutschland fehlt die Pflanze gänzlich. Genau diese Blume hatte im letzten Jahrhundert im Landkreis Cham noch zwei Standorte. Schon das verdeutlicht, dass der Landkreis Cham und die Stadt Cham eine besondere Verantwortung für die Gelbe Skabiose hat. Das Vorkommen am Galgenberg bei Cham ist Mitte der 90er-Jahre erloschen. Am zweiten Standort am Bahndamm bei Katzbach fanden sich 2010 noch vier Pflanzen, in diesem Jahr nur noch eine einzige. Diese prekäre Situation war für den Botanischen Arbeitskreis des LBV Anlass, aktiv zu werden. Bernhard Bauer, Gymnasiallehrer am Fraunhofergymnasium Cham, und Anton Weidner, führendes Mitglied der botanischen Arbeitsgemeinschaft der LBV-Kreisgruppe, nahmen sich der Sache an. Aus den Samen der letzten vier Pflanzen vom Katzbacher Bahndamm wurden im LBV-Zentrum Mensch und Natur und im Garten von Josef Bauer, Naturschützer der ersten Stunde im Landkreis Cham, zahlreiche Exemplare nachgezogen und - mit Genehmigung der Oberen Naturschutzbehörde in Regensburg - bereits etwa 100 Stück wieder am Galgenberg ausgebracht.

 

 

Gelbe Skabiose - 100 Pflanzen wurden auf dem Galgenberg ausgebracht. - Foto: Dieter Renner
Gelbe Skabiose - 100 Pflanzen wurden auf dem Galgenberg ausgebracht.  - Foto: Dieter Renner

Dieser Standort ist deshalb für die Gelbe Skabiose so geeignet, weil die Pflanze kalkhaltigen Böden benötigt und weil diese Voraussetzung am Galgenberg gegeben ist, vermutlich, weil sich hier eine frühmittelalterliche Reichsburg befand und in unmittelbarer Nähe eine Mörtelkalkgrube. Für eine ausreichende Kalkdüngung war also gesorgt. Weiter ist die geschützte Pflanze extrem Wärme liebend. Auch das traf für den Galgenberg zu: Ein sonnenexponierter Südhang, frei von Bäumen und Feldgehölzen. Heimisch auf dem Galgenberg ist die Gelbe Skabiose, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in Südosteuropa und im westlichen Asien hat, vermutlich durch menschlichen Einfluss. Es wird gemutmaßt, dass der Samen über alte Handelswege aus Böhmen auf den Galgenberg gelangte. Auf der Roten Liste Bayerns wird der Gefährdungsgrad mit N 1 angegeben - Neophyt, vom Aussterben bedroht. Mittlerweile hat sich die Situation vor Ort entscheidend negativ verändert. Der gesamte Hang vom Bahndamm bis weit nach oben hat sich zu einer Heckenlandschaft entwickelt. Teilweise kann man da schon von einem Wald sprechen. Vom früheren Magerrasen ist kaum noch etwas zu finden. Ob die Gelbe Skabiose unter diesen Voraussetzungen überhaupt eine Chance hat, muss zumindest stark in Frage gestellt werden.

 

 

Bürgermeisterin Karin Bucher soll helfen

Die Gelbe Skabiose ist kalkhold und wärmeliebend. - Foto: Dieter Renner
Die Gelbe Skabiose ist kalkhold und wärmeliebend. - Foto: Dieter Renner

Aus diesem Grund luden die LBV-Naturschützer die Chamer Bürgermeisterin Karin Bucher vor Ort zu einem Gespräch ein. LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger und Bernhard Bauer stellten die bisher durchgeführten Wiederansiedlungsmaßnahmen vor und schildert die für die Gelbe Skabiose wenig befriedigende Situation. Karin Bucher sicherte zu, einen "runden Tisch" mit den Grundstückbesitzern anzuberaumen, bei dem nach Möglichkeiten gesucht werden soll, die Heckensträucher weitgehend wieder zu entfernen. Dadurch soll die Gelben Skabiose den notwendigen Platz zum Überleben erhalten.

 

 

Weitere botanische Raritäten sind verschollen

Kam auch auf dem Galgenberg vor: Das Schwarze Bilsenkraut - Foto: Dieter Renner
Kam auch auf dem Galgenberg vor: Das Schwarze Bilsenkraut - Foto: Dieter Renner

Mit vor Ort war auch Johannes Götz, ehemaliger Schüler des Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums, der im Jahr 2012 auf Anregung seines Biologie-Lehrers Bernhard Bauer im Rahmen einer Facharbeit umfangreiche Vegetationsaufnahmen des Galgenbergs erstellte und seine Ergebnisse mit der Flora und Fauna im Jahr 1970 verglich. Damals kamen am Galgenberg auch noch weitere hoch bedrohte Arten vor, die das Herz eines jeden Naturfreundes höher schlagen ließen: Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata), Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), Männliches Knabenkraut (Orchis mascula), Kleines Knabenkraut (Orchis morio), Wermut (Artemisia absinthium), Sprossende Felsennelke (Tunica prolifera), Schwarzes Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) - in unserem Raum alles botanische Raritäten ersten Ranges! Eine ernüchternde Bilanz!

 

Kann dem Schwarzen Bilsenkraut geholfen werden?

Schwarzes Bilsenkraut -Auf der Burgruine Runding kommt es vor. - Foto: Dieter Renner
Schwarzes Bilsenkraut -Auf der Burgruine Runding kommt es vor. - Foto: Dieter Renner

Was das Schwarze Bilsenkraut betrifft: Auch bei dieser Pflanze handelt es sich um eine sehr seltene bedrohte Art (in Bayern Rote Liste 3), die wohl auf ähnliche Art auf dem Galgenberg heimisch geworden war, wie die Gelbe Skabiose. Als in den 90er-Jahren auf der nahen Burgruine Runding von den Burgfreunden erste Erhaltungsmaßnahmen begonnen wurden und in diesem Zusammenhang das Erdreich im Burghof aufgerissen wurde, tauchte an dieser Stelle im Jahr darauf das Schwarze Bilsenkraut in wirklich sehr großer Anzahl auf. Da dieser Standort für das Schwarze Bilsenkraut bislang völlig unbekannt war, könnte man daraus den Schluss ziehen, dass der Samen dieser Pflanze in der Lage ist, wirklich sehr lange im Erdreich zu überdauern. Wenn man also auf dem Galgenberg "ähnliche Erdarbeiten" wie auf der Burgruine Runding durchführen würde, wäre es durchaus möglich, dass ma auch hier das Schwarze Bilsenkraut wieder zum Leben erwecken könnte.

Bürgermeisterin Karin Bucher pflanzt eine Gelbe Skabiose ein. - Foto: Dieter Renner
Bürgermeisterin Karin Bucher pflanzt eine Gelbe Skabiose ein. - Foto: Dieter Renner

 

Zum Abschluss der Zusammenkunft pflanzte die Bürgermeisterin noch eine Gelbe Skabiose am Wegrand ein. Ob sie in zehn Jahren auch noch an dieser Stelle blühen wird, hängt dann wohl davon ab, in wie weit es gelingt, auf dem Galgenberg frei Flächen zu schaffen.

 

Bericht: Dieter Renner

 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
zum Anfang
Mitglied werden
LBV Naturshop
LBV QUICKNAVIGATION