Pilzfachberater Dieter Henker führte in die Welt der Pilze ein

 

Stamsried. Auf großes Interesse stieß die Einladung des Landesbundes für Vogelschutz zu einer Pilzexkursion rund um den Haidberg bei Stamsried (rund um die Kürnburg) am vergangenen Sonntag mit dem anerkannten Pilzberater Dieter Henker, der auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Mykologie ist und daher befugt, solche Beratungen durchzuführen. Monika Kerner vom LBV konnte dazu neben dem Pilzfachberater aus Walderbach fast 70 Schwammerlfreunde, darunter acht Kinder, willkommen heißen. Sie machten sich zunächst für rund zwei Stunden auf den Weg in die Wälder, um anschließend ihr Sammelgut zur Bestimmung zurück zum Ausgangspunkt bei der Volksmusikantengedächtnisstätte zu bringen. Mit zwei Sammelgefäßen, eins für die bekannten, guten Speisepilze, das andere für unbekannte Pilze ging`s los. Zur Zeit ist vermutlich aufgrund der kalten Witterung das Schwammerlwachstum etwas rückläufig. Die Herbstpilze kommen erst noch, so Dieter Henker. Welche Pilze kann man denn essen? Dies war die wichtigste Frage aller Teilnehmer. Welche sind besonders schmackhaft und von welchen sollte man besser die Finger lassen? Auf all diese Fragen hatte Henker eindeutige Antworten. Ausführlich erklärte er alle vorgelegten Pilze, das Sammeln, Aufbewahren, die Verwendung der Pilze. Beim Sammeln geht die größte Gefahr von Doppelgängern aus. Giftige Pilze sehen oft genießbaren Exemplaren zum Verwechseln ähnlich. Dieter Henker beantwortete alle Fragen der Schwammerlsucher aufgrund seines fundierten Fachwissens ausführlich. Er erklärte alles Wichtige wie Aussehen, Eigenschaften, Zubereitung, Aufbewahrung und mögliche Doppelgänger. Anschaulich erläuterte Dieter Henker die Unterschiede der Pilzarten. Neben den bekannten essbaren Pilzen gibt es viele unscheinbare Pilze, die für die Ökologie sehr wichtig sind.

 

 

Pilzfachberater Henker erwies sich als fachkundiger Pilzkenner. - Foto: Jakob Moro
Pilzfachberater Henker erwies sich als fachkundiger Pilzkenner. - Foto: Jakob Moro

Achtsam sammeln

Vermeintliche Wiesenchampignons stellten sich als Giftchampignons heraus. - Foto: Jakob Moro
Vermeintliche Wiesenchampignons stellten sich als Giftchampignons heraus. - Foto: Jakob Moro

 

 

Luftdurchlässige Körbe eignen sich am besten. Tabu sind Plastiktüten. "Unbekannte Pilze, alte und madige Pilze nicht mitnehmen!" empfahl Henker. Ein guter Speisepilz fühlt sich frisch und knackig an. So schonend wie möglich sammeln. Bekannte Pilze für die Zubereitung kurz über dem Boden abschneiden oder vorsichtig herausdrehen. Unbekannte Pilze für die Bestimmung aus dem Boden drehen, damit alle Merkmale sichtbar sind - und - getrennt von Speisepilzen im Korb lagern. Wichtig: "Nicht mehr sammeln, als am gleichen Tag verarbeitet werden kann", sagte Henker. Schnell füllte sich nach rund zwei Stunden ein großer Tapeziertisch, als die Teilnehmer ihre gefüllten Körbe leerten. Da lagen sie nun, ein Hexenei, ein grüner Knollenblätterpilz (tödlich giftig), ein spitzhütiger weißer Knollenblätterpilz (tödlich giftig), ein violetter Haarschleierling (sehr selten), ein Bovist (Boviste sind im jungen Zustand essbar und können in Butterschmalz angebraten ein wunderbares Pilzgericht ergeben), ein Hexenei (im geschlossenen Zustand essbar), ein Pfefferröhrling (ein Gewürzpilz zum Trocknen, der dann im Winter als Speisewürze verwendet werden kann). Die ersten Herbstpilze wie der Grünblättriger Schwefelkopf und der Graublättrige Schwefelkopf sind schon da. Hier besteht eine große Verwechslungsgefahr. Der eine ist giftig, der andere essbar. Und da sind wir schon bei der schwierigsten Frage: Was ist essbar und was ist giftig, so Henker. Eine Teilnehmerin brachte von zuhause ein ganzes Körbchen von vermeintlichen Wiesenchampignons mit. Die Enttäuschung war groß, als Dieter Henker ihr sagen musste, dass es Giftchampignons, sogenannte Karbolegerlinge seien, die ungenießbar sind.

 

 

 

 

Hände weg von rohen Pilzen

 

Pilze ausreichend garen (20 Minuten)! Roh sind außer den Zucht-Champignons fast alle Arten unbekömmlich oder sogar giftig. Übrig gebliebene Pilze können kühl gelagert einmal wieder aufgewärmt werden. Nur stark verschmutzte Pilze waschen, sie verlieren dabei wertvolle Geschmackstoffe und saugen sich mit Wasser voll.

 

 

Den ganzen Stiel ernten

Vor ihm wird gewarnt: dem Grünen Knollenblätterpilz! Er ist hochgradig giftig. - Foto: Jakob Moro
Vor ihm wird gewarnt: dem Grünen Knollenblätterpilz!  Er ist hochgradig giftig. - Foto: Jakob Moro

 

Wenn man sich bei der Pilzbestimmung nicht hundertprozentig sicher sei, sollte man unbedingt eine Pilzberatungsstelle aufsuchen, um eventuell giftige Funde aussortieren zu können, so Henker. Dazu sei es aber wichtig, den ganzen Stiel mit zu ernten, denn schließlich findet sich der Unterschied zwischen essbaren und giftigen Sorten oft "unterirdisch". Die Knolle der giftigen Knollenblätterpilze befinde sich meist im Boden. Der obere Teil werde immer wieder mit dem Champignon verwechselt. Und wenn es trotz aller Vorsicht einmal passieren sollte, dass man nach dem Verzehr eines Pilzgerichtes Übelkeit, Rauschzustände oder gar Vergiftungserscheinungen verspürt, sollte man unverzüglich einen Arzt aufsuchen und die Essensreste, wie auch die Pilzabfälle mitnehmen, erklärte der Pilzexperte.

 

 

Was ist ein Pilzsachverständiger?

 

Ein Pilzsachverständiger  ist ein von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie geprüfter Pilzkenner. Er kann ihm vorgelegte Pilze erkennen und bestimmen sowie ihren Speisewert einschätzen. Er kennt die Grundlagen der Mykologie, ökologische Zusammenhänge, Schutzbestimmungen und Gesetzesgrundlagen. Der Pilzsachverständige klärt Pilzsammler und Interessierte über Schutzbestimmungen, ökologische Zusammenhänge und einzelne Pilzarten auf. Er berät ratsuchende Pilzsammler und Kliniken in Fragen der Giftigkeit oder Essbarkeit von Pilzarten. Er organisiert und leitet Pilzlehrwanderungen und –ausstellungen. Die Tätigkeit eines Pilzsachverständigen umfasst die Beratung von Pilzsammlern hinsichtlich spezieller Verwendungsmöglichkeiten einzelner Pilzarten für Speisezwecke und naturschutzgerechtem Verhalten im Wald. Um die Tätigkeit ausüben zu dürfen ist eine Prüfung mit einem schriftlichen und einem mündlichem Teil abzulegen. Jährlich werden von der DGfM anerkannte Weiterbildungsveranstaltungen in verschiedenen Regionen und von unterschiedlichen Veranstaltern angeboten. Um Ihren Status als Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie aufrechtzuerhalten, müssen Pilzsachverständige mindestens alle 5 Jahre an einer anerkannten PSV-Weiterbildungsveranstaltung teilnehmen.

Die Veranstaltung endete mit einem guten Mittagessen im Hotel Pusl in Stamsried.

 

Bericht: Jakob Moro

 

 

Diesen Pilz kannten alle: den Fliegenpilz! Er ist neben dem Knollenblätterpilz einer der giftigsten Pilze. - Foto: Jakob Moro
Diesen Pilz kannten alle: den Fliegenpilz! Er ist neben dem Knollenblätterpilz einer der giftigsten Pilze. - Foto: Jakob Moro
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