Nächster Fall von Umweltkriminalität im Landkreis

 

Ein bislang einmaliger Fall in ganz Bayern: In einem eng begrenzten Gebiet von etwa einem Quadratkilometer südlich von Tasching, einem Ortsteil der Stadt Cham, wurden in einem Zeitraum von etwas mehr als einem Monat sechs Greifvögel tot aufgefunden. Dabei handelt es sich um drei Mäusebussarde und drei der sehr seltenen Rotmilane (Rote Liste 2).

Die chronologische Auflistung der Vorfälle:

 

 1. April: In der Nähe des Tierheims Cham finden Spiaziergänger, die dort Hunden ausführen, einen verletzten Mäusebussard. Sie bringen ihn in die Tierklinik nach Miltach. Die Verletzungen des Greifvogels sind aber zu groß. Er muss nach einigen Tagen eingeschläfert werden.

Zeitgleich werden zwei weitere tote Greifvögel, durch einen anderen "Gassigeher", entdeckt. Einer der beiden Vögel wird begraben der andere ist zum Großteil bereits verwest und wird liegen gelassen.

 

3. April: Der LBV wird darüber vom Chamer Tierheim und der Tierklinik in Miltach informiert und ein Termin vereinbart, um die beiden anderen ebenfalls zu bergen.

 

6. April: Die beiden vergrabenen Vögel werden exhumiert, bzw. geborgen. Wie sich herausstellte, handelt es sich bei diesen beiden Greifvögeln um einen weiteren Mäusebussard und um einen Rotmilan. Röntgenaufnahmen der Tierklinik Miltach belegen, dass die beiden Mäusebussarde eindeutig Schussverletzungen aufweisen. Der Rotmilan wird zur toxikologischen Untersuchung an die Ludwig-Maximilian-Universität München geschickt. Die LBV-Kreisgruppe erstattet Anzeige bei der Polizei.

Röntgenaufnahmen der Tierklinik Miltach belegen, dass die beiden Mäusebussarde eindeutig Schussverletzungen aufweisen. - Röntgenaufnahme Tierklinik Miltach
Röntgenaufnahmen der Tierklinik Miltach belegen, dass die beiden Mäusebussarde eindeutig Schussverletzungen aufweisen. - Röntgenaufnahme Tierklinik Miltach
Bei den hellen Punkten handelt es sich um Schrotkugeln - Röntgenaufnahme Tierklinik Miltach
Bei den hellen Punkten handelt es sich um Schrotkugeln - Röntgenaufnahme Tierklinik Miltach

 

 

Die Polizeidienststelle Cham nimmt die Ermittlungen auf. In unmittelbarer Nähe der Todfunde des Mäusebussards und des Rotmilans am 6. April werden leere Schrotpatronen gefunden.

Bei Untersuchungen vor Ort wird am 13. April von einem ermittelnden Polizeibeamten ein weiterer toter Mäusebussard gefunden. Er war bereits stark verwest und nicht mehr vollständig erhalten.

 

24. April: Wiederum in unmittelbarer Nähe wird ein weiterer toter Rotmilan gefunden. Er weist keine Schutzverletzungen auf. Da er sich in einem körperlich sehr guten Zustand befindet, kann man davon ausgehen, dass er keines natürlichen Todes starb. Die verkrampfte Haltung der Krallen deutet auf eine mögliche Vergiftung hin.

Die toxikologische Untersuchung des am 6. April aufgefundenen Rotmilans ergibt keinen Nachweis einer Vergiftung. Aber es gibt auch Gifte, die im Nachhinein nicht mehr festzustellen sind.

 

3. Mai: Der bislang letzte tote Greifvogel wird von einem Jäger gefunden und gemeldet. Es handelt sich wiederum um einen Rotmilan. Dieses Mal ist die Fundstelle in einem anderen Jagdrevier, aber wiederum in unmittelbarer Nähe.

Die Karte zeigt die Fundstellen der Greifvögel. Das ganze Gebiet ist nur etwa einen Quadratkilometer groß. - Google-Maps - LBV-Geschäftsstelle
Die Karte zeigt die Fundstellen der Greifvögel. Das ganze Gebiet ist nur etwa einen Quadratkilometer groß. - Google-Maps - LBV-Geschäftsstelle

Bei einem Pressetermin für die örtlichen und auch überörtlichen Medien im LBV-Zentrum Mensch und Natur wurde vom LBV-Kreisvorsitzenden Karl-Heinz Schindlatz und LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger der Sachverhalt dargestellt. Bei zwei Mäusebussarden sind die Verletzungen durch Schrotmunition nachgewiesen. Da bei den Rotmilanen die Fundstellen und der enge örtliche und zeitliche Zusammenhang einen natürlichen Tod mehr oder weniger ausschließen, geht der LBV auch hier von einer illegalen Tötung und kriminellen Machenschaften aus. Greifvögel kämen allenfalls an Fensterscheiben, an Stromleitungen oder im Straßenverkehr zu Tode. Sie lägen nicht einfach so in der Natur herum.

 

Bei einem Pressetermin legen der LBV-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Schindlatz ... - Foto: Dieter Renner
Bei einem Pressetermin legen der LBV-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Schindlatz ... - Foto: Dieter Renner
und LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger der Sachverhalt dar. - Foto: Dieter Renner
und LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger der Sachverhalt dar. - Foto: Dieter Renner

Schon 2013 drei tote Greifvögel im gleichen Gebiet

 

Markus Schmidberger berichtete, dass bereits im Jahr 2013 in der Nähe der jetzigen Fundstellen zwei verletzte Rotmilane und ein toter Mäusebussard gefunden wurden. Im Zusammenhang mit den diesjährigen Funden wiederum ein Hinweis, dass in diesem Bereich regelmäßig Greifvögeln nachgestellt wird. Leider habe man damals die Sachlage möglicherweise falsch eingeschätzt und nicht an illegale Tötungen gedacht.

 

 

Die besondere Verantwortung Deutschlands für Rotmilane

 

 

Besonders bedauerte Schmidberger den Verlust der drei Rotmilane. Bei diesen handelt es sich um eine Rote Liste 2-Art - stark gefährdet. Weltweit gibt es nach letzten Untersuchungen nur noch maximal 29.000 Brutpaare. Da mehr als 50% davon in Deutschland brüten, trägt unser Land eine besondere Verantwortung zum Erhalt dieser Art. Die Further Senke ist Zugvogelschneise, auch für Rotmilane. Ein lokales Brutvorkommen vor Ort ist dem LBV nicht bekannt, kann aber nicht ausgeschlossen werden, da immer wieder sporadisch einzelne Rotmilane im Landkreis Cham brüten.

Die beiden zuletzt gefunden Rotmilane werden nun wiederum von der LMU München toxikologisch untersucht. Sollte eine Vergiftung nachgewiesen werden, wird der LBV eine Belohnung aussetzen.

 

 

Auch die beiden zuletzt getöteten Rotmilane (rechts im Bild) werden jetzt toxikologisch untersucht. - Foto: Dieter Renner
Auch die beiden zuletzt getöteten Rotmilane (rechts im Bild) werden jetzt toxikologisch untersucht. - Foto: Dieter Renner
Beim Mäusebussard kann man die Schussverletzung am Bein erkennen. - Foto: Dieter Renner
Beim Mäusebussard kann man die Schussverletzung am Bein erkennen. - Foto: Dieter Renner

Polizei und LBV bitten um Hinweise

 

Für eine Belohnung spricht sich auch die Polizeidienststelle Cham aus. Bei Schrotmunition ist es nicht möglich, die Munition einem bestimmten Gewehr zuzuordnen. Da die Spurenlage im vorliegenden Fall noch sehr dünn ist, ist man auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Auch anonyme Hinweise können hilfreich sein und werden gerne von der Polizei und der LBV-Geschäftsstelle (09977-8227) entgegengenommen.

 

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