Ziel: Akzeptanz des Luchses fördern

 

Wie eine etwas überdimensionierte Schmusekatze mutet er nun wirklich nicht an, trotz des runden Kopfes mit den lustigen Pinselohren, und als lebendige, exotische Couchdekoration oder snobismusmotivierte Attraktion von Privatparks ist er gänzlich ungeeignet (obwohl öfter dazu missbraucht). So ganz ohne den majestätisch- souveränen Habitus des Löwen und die distanziert-furchteinflößende Arroganz des Tigers durchstreift er nach seiner Ausrottung im 19. Jahrhundert seit etlichen Jahren wieder die Wälder und Gebirge Mitteleuropas, immer noch angewiesen auf die Unterstützung und Akzeptanz des Menschen bei seiner endgültigen Beheimatung.

Um seine Akzeptanz zu fördern wurde der Tag des Luchses europaweit ins Leben gerufen. - Foto: Manfred Pichler
Um seine Akzeptanz zu fördern wurde der Tag des Luchses europaweit ins Leben gerufen. - Foto: Manfred Pichler

 

 

Einige Menschen haben dies erkannt, und eine Initiative ins Leben gerufen, die seitdem für Toleranz und Akzeptanz gegenüber dieser Tierart kämpft und es sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, durch sachlich und fachlich fundierte Aufklärung ein langfristiges, für alle Beteiligten zufriedenstellendes Miteinander von Mensch und Tier zu erreichen. Dies ist vor allem in Mitteleuropa und somit im Bereich Bayerns und der angrenzenden Gebiete und Länder wie der Tschechei und Österreich eine besondere Aufgabe, und ein intensiv bearbeitetes Anliegen aller, für die die artgerechte, akzeptierte Wiederansiedlung dieses außergewöhnlichen, gleichermaßen alten wie neuen Waldbewohners Programm ist. Auch WWF und EU haben Sinn und Notwendigkeit dieses Projektes erkannt und unterstützen dies.

 

Welchen Stellenwert die "Sorge" um den Luchs und seine suffiziente Wiedereingliederung in seinen angestammten Lebensbereich hat, zeigt auch die Etablierung des 11. Juni als EU-weit zelebrierten Tag des Luchses, an dem in den verschiedenen regional und grenzüberschreitend engagierten Gebieten Informationsveranstaltungen stattfanden. In Bayern hatte die Ortsgruppe Cham des Landesbundes für Vogelschutz E.V. eingeladen zu einem Treffen für Freunde des Luchses und Interessierte mit Informationsbedarf in die herrlichen Umgebung des bayrischen Waldes.

 

Die allgemeine Begrüßung und eine kurzen Einführung übernahm Markus Schwaiger, WWF-Beauftragter und Mitarbeiter des zugehörigen 3Lynx-Projektes, dessen Ziel es ist, dem Luchs als national und europaweit streng geschützter und in Mitteleuropa hochgefährdeter Art Achtung und Bleiberecht zu verschaffen und zu erhalten. Die Verbesserung der Zusammenarbeit relevanter Interessengruppen z.B. aus den Bereichen Jagd und Forst, Naturschutz und Wissenschaft sind dabei von großer Wichtigkeit und fördern nachhaltig die Akzeptanz des Luchses unter Berücksichtigung vieler Aspekte.

 

 

Nach der Begrüßung durch den LBV-Kreisvorsitzenden Karlheinz Schindlatz ...... - Foto: Manfred Pichler
Nach der Begrüßung durch den LBV-Kreisvorsitzenden Karlheinz Schindlatz ...... - Foto: Manfred Pichler
....... und einführenden Worten von Markus Schwaiger, Mitarbeiter des zugehörigen 3Lynx-Projektes, ...... - Foto: Manfred Pichler
....... und einführenden Worten von Markus Schwaiger, Mitarbeiter des zugehörigen 3Lynx-Projektes,  ...... - Foto: Manfred Pichler
....... hielt Sybille Wölfl, Leiterin des Luchsprojektes Bayern, einen emotional engagierten Bildervortrag. - Foto: Manfred Pichler
....... hielt Sybille Wölfl, Leiterin des Luchsprojektes Bayern, einen emotional  engagierten Bildervortrag. - Foto: Manfred Pichler

 

Sybille Wölfl, Leiterin des Luchsprojektes Bayern und Hauptreferentin hielt in einem, bei aller fachlichen Kompetenz und Sachlichkeit emotional engagierten Bildervortrag, ihr Plädoyer für den immer noch umstrittenen (Wieder-)Einwanderer in die bayrischen Wälder.

 

In Bayern galt diese Tierart ab Mitte des 19. Jahrhunderts als ausgerottet, im unzugänglichen Böhmerwald konnte er noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts überleben - zunächst zurückgedrängt in schwer zugängliche Gebiete, und als der Mensch sich auch diese Rückzugsorte nutzbar machte für Viehhaltung und auf Waldweiden und Almen gezielt gejagt, um Übergriffe auf das Nutzvieh zu verhindern, was sein Schicksal vorerst besiegelte. Scheinbar aber nur, denn seit den 50er/60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden nach und nach Sichtungen bekannt, was den Schluss auf mehrere Gründe zulässt: entweder existierte eine Restpopulation bis dahin verborgen in unzugänglichen Grenzwäldern oder sie wanderten nach und nach aus den Karpaten zu. Aus den 70ern sind dann Einsetzungen nicht eruierbaren, aber wahrscheinlich östlichen Ursprungs, ebenfalls aus den Karpaten, bekannt.

 

Einiges Nicht- und Halbwissen konnte Sybille Wölfl mit ihrem Vortrag bei den Zuhörern aufarbeiten, besonders, was Lebensweise und Jagdverhalten des scheuen Waldbewohners anbelangt. So hat zwar der Kuder, das männliche Tier, ein relativ großes Aktionsfeld, sein Revier ist aber ÜBER das von 2-3- weiblichen Tieren, den Katzen, gelegt. Dies bedeutet, dass 3-4 Luchse sich innerhalb eines Gebietes aufhalten können, was das Argument von zu großem Raumanspruch in unserer heutigen kleingekammerten Kulturlandschaft weitestgehend widerlegt. Ein männlicher Luchs beansprucht hierbei ein Revier von im Schnitt bis zu 400 qkm (im Einzelfall auch mehr) wobei er in diesem Aktionsraum jährlich ca. 50 Rehe erbeutet. Zum Vergleich: auf der gleichen Fläche erlegen Jäger etwa die 15-20fache Anzahl.

Anhand der Pyramide der Trophieebenen wurde das ökologische Prinzip der Selbstregulation in der Natur deutlich. Dieses Prinzip sorgt für eine an den Lebensraum angepasste Luchsdichte. Nur wo Rehe sind, kann der Luchs überleben. Sein Bestand hängt vom Bestand seiner Hauptbeute dem Rehwild ab. Die Großkatze zieht also nicht blutrünstig und wahllos reißend durch Wald und Flur, sondern verbleibt zuverlässig in dem Revier, das ihr optimale Konditionen für Fortpflanzung und Ernährung bietet.

 

Intensiv - engmaschig praktiziertes Monitoring belegt inzwischen in den diversen Revieren Bewegungsmuster, erfolgreiche Jungenaufzucht, gibt Abstammungsnachweise und liefert aussagestarkes Material bezüglich artenspezifischem Verhalten und Tages-, bzw. weil nachtaktiv, nächtlichen Aktivitäten. Darüber hinaus beeindrucken nebenbei auf den gewonnenen Bildern zauberhafte und bewegende Impressionen aus dem Leben der sonst fast unsichtbaren Katzen und anderer Naturgeschöpfe, denn auf das Posing vor der Kamera haben auch Luchse kein Exklusivrecht. Ohne die zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre die zuverlässige Durchführung dieser Maßnahme schlicht unmöglich, wofür Sybille Wölfl sich herzlich und anerkennend bedankte. Auch Vorurteile gegenüber Jägern bezüglich ihrer Einstellung zum Luchs konnten relativiert und auch ausgeräumt werden. Mittlerweile ist unter ihnen ein relativ hoher Prozentsatz an der Wiedereingliederung des Tieres aktiv beteiligt, beim Rest herrscht zumindest meist Akzeptanz und die schwarzen Schafe unter ihnen, die sich noch immer mit verbotenen Abschüssen brüsten, sind inzwischen oft polizeibekannt und stehen unter intensiver Beobachtung. Wohl wissend, dass diesbezügliches Fehlverhalten zumindest sehr hohe Geldstrafen und den Verlust des Jagdscheines mit sich bringt - vom gerechtfertigten Ehrverlust ganz zu schweigen.

 

In der anschließenden Frage- und Gesprächsrunde wurde klar, dass zumindest unter den interessierten Anwesenden aus allen Gesellschafts- und Berufsschichten hoher Informationsbedarf und eine durchaus positive Einstellung zum Thema Luchs besteht. Unter entspannten, sowohl themabezogenen als auch anderen intensiven Gesprächen klang die Veranstaltung bei einer gemütlichen Brotzeit aus.

 

Bericht: Anne Wölle

 

 

 

Bei intensiven themenbezogenen Gesprächen und einer gemütlichen Brotzeit klang die Veranstaltung aus. - Foto: Manfred Pichler
Bei intensiven themenbezogenen Gesprächen und einer gemütlichen Brotzeit klang die Veranstaltung aus. - Foto: Manfred Pichler
© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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