Doch kein Jägerlatein

Das Urteil ist rechtskräftig! Ein Lohberger Forstwirt und Jäger hat mindestens eine dieser Großkatzen getötet. - Foto: Dieter Renner
Das Urteil ist rechtskräftig! Ein Lohberger Forstwirt und Jäger hat mindestens eine dieser Großkatzen getötet. - Foto: Dieter Renner

 

 

16.09.2019 - Alle Ausreden halfen nichts! Weder die Story vom Jägerlatein, noch der fragwürdige Versuch, alles dem verstorbenen Vater in die Schuhe zu schieben. Auch die Behauptung des Beschuldigten, bei der mehr als 2m langen und knapp 1m hohen und breiten Falle würde es sich um eine Fuchsfalle handeln, war für Richter Andreas Lecker wenig glaubhaft. Die Aussagen von nahen Verwandten und eines guten Bekannten, die die Falle entweder noch nie gesehen hatten oder sie eher dem Vater des Angeklagten zuordneten, konnten den Angeklagten nicht entlasten. So war eine Verurteilung des Beschuldigten unvermeidlich.

 

Richter Andreas Lecker verhängte gegen den Lohberger Forstwirt und Jäger wegen des Besitzes eines verbotenen Nachtsichtgerätes und wegen eines Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz (Töten eines geschützten Tieres) eine Strafe von 120 Tagessätzen zu 25€. Darüber hinaus kommen auch noch die nicht unerheblichen Gerichtskosten mitsamt den umfangreichen Gutachterkosten auf ihn zu. Viel schwerwiegender für den leidenschaftlichen Jäger aber wird wohl sein, dass ihm sein Jagdschein entzogen wurde, er seine Waffen und seine Waffenbesitzkarte abgeben musste.

 

Ausschlaggebend für das Urteil waren im Wesentlichen die Aussagen zweier Jagdgäste, denen der Angeklagte unbedacht von der Erschießung zweier Luchse und eines Wolfes erzählte. Wie man das illegale Nachtsichtgerät verwendet, demonstrierte der Landwirt mit einem Schuss in eine angrenzende Wiese. Dabei musste das Gerät auf eine Waffe montiert werden. Darüber hinaus führte er ihnen die Funktionsweise der Lebendfalle vor, in der dann bei den polizeilichen Ermittlungen Haare und Knochenanteile von Rehwild sichergestellt werden konnten. An drei vermutlichen Luchshaaren konnte jedoch kein DNA-Nachweis erstellt werden, da die Haarwurzeln bereits verrottet waren.

 

Natürlich ist der Beschuldigte dabei arg aufs Glatteis geführt worden, da der Hauptbelastungszeuge einen Beratervertrag mit dem Bayerischen Rundfunk hatte und nach der aufsehenerregenden Tötung der beiden Luchse Leo und Leonie gezielt auf mögliche Täter im Lamer Winkel angesetzt wurde. Dabei quartierte er sich bei einem Onkel des Angeklagten ein und kam, nachdem er sich darüber beschwert hatte, dass das Revier ja leergeschossen sei, mit dem nun verurteilten Lohberger Jäger in Kontakt.

Negativ wirkte sich auf den Forstwirt auch aus, dass auf seinem Computer gezielt nach Möglichkeiten gesucht wurde, Luchse zu fangen und zu töten.

 

 

Seltene Medienaufmerksamkeit in einem Chamer Gerichtssaal

Die Bank der Naturschützer! Ganz vorne die LBV-Vertreter KG-Vorsitzender Karlheinz Schindlatz, Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger und der Landesfachbeauftragte Dr. Andreas von Lindeiner aus Hilpoltstein. Foto: Dieter Renner
Die Bank der Naturschützer! Ganz vorne die LBV-Vertreter KG-Vorsitzender Karlheinz Schindlatz, Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger und der Landesfachbeauftragte Dr. Andreas von Lindeiner aus Hilpoltstein. Foto: Dieter Renner
Drei Kamerateams im Gerichtssaal! Das Medieninteresse war gewaltig. - Foto: Dieter Renner
Drei Kamerateams im Gerichtssaal! Das Medieninteresse war gewaltig. - Foto: Dieter Renner

 

 

Einen solchen Ansturm auf eine Gerichtsverhandlung hat das Chamer Amtsgericht selten erlebt. Um überhaupt einen Platz zu ergattern, musste man eine Platzkarte ziehen. Neben einigen Jägern, wohl aus dem Lamer Winkel, und den Vertretern der Naturschutzverbände - auf LBV-Seite waren neben KG-Vorsitzenden Karlheinz Schindlatz und Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger sogar der Landesfachbeauftragte Dr. Andreas von Lindeiner aus Hilpoltstein angereist - waren Pressevertreter der regionalen Zeitungen und auch Kamerateams des regionalen Fernsehsenders TVA, des Bayerischen Rundfunks und sogar von RTL vor Ort. Das allein spiegelt die große Bedeutung des Prozesses für alle am Naturschutz interessierten Bürger wider.

 

Die Sendungen und Pressemitteilungen vom BR und TVA können Sie sich anschauen, indem Sie auf den entsprechenden Sender klicken!

 

 

Wie viel ist ein toter Luchs wert?

 

 

Obige Frage ist schnell beantwortet: 3.000€! Wenn man davon ausgeht, dass der verurteilte Jäger gegenüber dem Hauptbelastungszeugen mit der Tötung zweier Luchse sowie eines Wolfes und mindestens eines Fischotters geprahlt hatte, kommt man auf einen Betrag von um die 1.000€.

 

Da stellt sich dann doch gleich die Frage, ob das Töten eines von etwa 75 in Bayern, 130 in Deutschland und rund 10.000 in Europa lebenden Luchsen nicht mehr wert ist. Wenn der Jäger Zimmermann und sein Jagdpartner Kühn sich auf die Anwerbversuche des Jägers mit Eigenjagd aus Lohberg eingelassen hätten, hätten die 1000€ für einen Luchs vermutlich bei weitem nicht gereicht.

 

Die Naturschutzverbände einschließlich des LBV begrüßen das Urteil. Besonders erfreulich: Auch der Bayerische Jagdverband stellt sich eindeutig hinter das Urteil und möchte keinen solchen Jäger in seinen Reihen haben.

 

Natürlich kann man froh sein, dass überhaupt einmal ein Luchsmörder ertappt und verurteilt wurde. Aber der überwiegende Teil der Kommentare in den sozialen Medien lässt erkennen, dass sich viele eine noch höhere Strafe gewünscht hätten. Für die LBV-Kreisgruppe ist vor allem wichtig, dass seit der Anklageerhebung im Bayerischen Wald keine weiteren Luchstötungen bekannt wurden. Das lässt hoffen, dass die Bemühungen des LBV, dass Luchse langfristig im Bayerischen Wald einen gesicherten Lebensraum vorfinden werden, allmählich Früchte tragen.

 

 

Leserbriefschreiber finden das Urteil nicht angemessen

 

 

24.10.2019 - Mittlerweile wurden zum Gerichtsurteil in den regionalen Zeitungen "Bayerwaldecho", "Chamer Zeitung", "Kötztinger Zeitung" und "Kötztinger Umschau" auch zwei Leserbriefe veröffentlicht, die die mehrheitliche Meinung der LBV-Kreisgruppe und vermutlich vieler Teile der Bevölkerung widerspiegeln. Wir wollen unseren Lesern diese Leserbriefe natürlich nicht vorenthalten und drucken sie nachstehend mit Einverständnis der Verfasser ab:

 

Leserbrief zum Prozess gegen den Luchstöter!

 

"Ich habe am 12. September den Hauptverhandlungsterminn im Prozess gegen den Luchstöter aus Lohberg verfolgt. Dabei wurde verhandelt: illegaler Waffenbesitz, illegaler Fallenbesitz, das Nachstellen und Töten von nachgewiesen mindestens zwei Luchsen, illegale Wolfstötung, bestialisches Töten eines Fischotters in einer Metall-Zackenrohrfalle (Geständnis gegenüber zwei Zeugen: "Zuerst spießt sich der Fischotter an den Eisenzacken auf und dann ersäuft er jämmerlich in der Unterwasserfalle.") Alle sind streng geschützte und wunderschöne Tiere.

Das Urteil für so einen Menschen für diese Verbrechen ist aus meiner Sicht lächerlich und absolut respektlos gegenüber unseren (wieder) heimischen Tieren. Die Frau Oberstaatsanwältin spricht in ihrem Plädoyer von der Höchststrafe von fünf Jahren Freiheitsstrafe, hat aber dann doch nicht das Rückgrat, diese auch zu fordern, sondern eine lächerliche Geldstrafe im Tagessatzbereich, in Summe 3.125 Euro für "den armen Großwaldbesitzer" (geschätzt ca. 200 Hektar), welche dann auch noch vom Richter auf 3.000 Euro "abgerundet" wird. Nicht einmal eine Bewährungsstrafe wurde verhängt.

Der Angeklagte lügt sich durch den Prozess und macht auch kein Geständnis. Ihm gelingt es sogar, dem Gericht weiszumachen, dass er von einem Kredit lebt. Daraufhin wird sein Strafmaß auf das eines Sozialhilfeempfängers abgestuft. Wenn man bei diesem Verbrechensausmaß angeblich nichts zahlen kann, warum gibt es dann ersatzweise keine Haft? Allein wenn der Angeklagte ein Hektar von seinem großen Waldbesitz verkauft, hat er mindestens 40.000 Euro zur Verfügung.

Alle Nachahmer, welche Luchs, Wolf und Fischotter nicht wohl gesonnen sind, haben ab jetzt nichts mehr zu befürchten, außer eine geringe Geldstrafe. Das kann für das Ziel der Wilderei-Bekämpfung nicht förderlich sein.

Eine Frage bleibt offen, was muss jemand streng geschützten Tieren noch antun, dass die Höchststrafe, nämlich fünf Jahre Gefängnisstrafe, verhängt wird."

 

Josef Graf, Cham

 

 

Urteil zum getöteten Luchs ist ein Witz

 

Guten Tag an alle, denen dieses Urteil nicht reicht, denn dieses ist der Witz des Jahrtausends. Wir alle haben die Pflicht, unsere Natur zu schützen und uns zu wehren gegenüber solchen Menschen, und mir fällt es extrem schwer, sowas als menschlich zu titulieren. Die Falle hat dann wohl der tote Großvater in den Wald gebracht und der Luchs hat sich dann wohl die Pfoten selber abgeschnitten! Dieses Urteil zeigt mal wieder, dass der Glaube an Recht in diesem Land ein Irrglaube ist, z. B. Bierschmuggler bekommen mehrjährige Haftstrafen, da muss man sich schon fragen, wo da noch die Relation ist? Die Rechtsprechung sollte die Natur und die Lebewesen schützen, denn ein gesundes Ökosystem ist klimarelevant, da gehören auch der Luchs und der Wolf dazu, wir alle haben ein Grundrecht darauf, in einer intakten Umwelt zu leben. Ich sehe bei diesem Urteil nicht, dass dieses Recht eingehalten wurde.

 

Andrea Fischer-Hartenberger, Wald

 

 

 

 

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