Zwei Mäusebussarde und ein ganzer Starenschwarm wurden vergiftet.

 

 

18.04.2019 - Ist der Landkreis Cham ein Schwerpunkt der Umweltkriminalität? Diese Frage warf Dr. Andreas von Lindeiner, Artenschutzreferent der Landesgeschäftsstelle in Hilpoltstein bei der Pressekonferenz in der "Alten Mühle" in Nößwartling in den Raum.

 

Nach den spektakulären Luchsmorden ist die LBV-Kreisgruppe seit geraumer Zeit mit der illegalen Tötung von Vögeln befasst. Das setzt sich nun auch im Jahr 2019 in gesteigertem Maße fort.

Dieses Mal hat es neben zwei Mäusebussarden auch einen ganzen Starenschwarm getroffen. Die Stare wurden in einem Garten im Chamer Ortsteil Janahof tot aufgefunden. Nachdem der Besitzer schon einige Vögel vergraben hatte, kam ihm die Sache dann doch etwas eigenartig vor, da ja Vögel nicht einfach so tot vom Baum fallen, und er meldete den Vorfall bei der LBV-Kreisgruppe. 35 tote Stare konnten noch eingesammelt werden. Drei von ihnen wurden zur toxikologischen Untersuchung an ein Labor der Ludwig-Maximilian-Universität München eingeschickt. Das eindeutige Ergebnis: Die Vögel kamen durch Carbofuran ums Leben, ein seit 2007 in Deutschland und in der EU verbotenes hochtoxisches Kontaktgift.

Zwei der toten Mäusebussarde wurden von einem Landwirt aus Kalsing, südlich von Roding gefunden und gemeldet. Auch hier ist die Todesursache durch Laboruntersuchungen belegt: das Gift Carbofuran.

Zu den nachgewiesenen Fällen kommt noch ein weiterer Mäusebussard, bei dem allerdings die Verwesung schon so weit vorangeschritten war, dass die Todesursache nicht mehr zweifelsfrei festgestellt werden konnte.

 

 

Ein wahrhaft schauderlicher Anblick, den die LBV-Kreisgruppe den anwesenden Medienvertreter bei der Pressekonferenz im LBV-Zentrum nicht ersparen konnten: 35 tote Stare und drei ebenso vergiftete Mäusebussarde! - Foto: Dieter Renner
Ein wahrhaft schauderlicher Anblick, den die LBV-Kreisgruppe den anwesenden Medienvertreter bei der Pressekonferenz im LBV-Zentrum nicht ersparen konnten: 35 tote Stare und drei ebenso vergiftete Mäusebussarde! - Foto: Dieter Renner

Auch ein seltener Schwarzmilan unter den Opfern?

 

Besonders tragisch: Auch einer der in unserer Gegend absolut seltenen Schwarzmilane - Brutnachweise im Landkreis Cham gibt es nur höchst selten - hat mit großer Wahrscheinlichkeit von einem vergifteten Köder gefressen. Er wurde am vergangenen Wochenende bei Ried am Pfahl mit Lähmungserscheinungen und stark verkrampften Krallen aufgefunden. Seit dem versucht man ihn im LBV-Zentrum in Nößwartling wieder gesund zu pflegen. Erste geringfügige Verbesserungen des Gesundheitszustandes sind erkennbar. Das ist möglicherweise auf die nach tierärztlichem Rat erfolgte Verabreichung eines Gegengiftes zurückzuführen, aber auch das ist wiederum ein Hinweis auf eine Vergiftung durch Carbofuran. Aber ob der Schwarzmilan überlebt, ist noch sehr fraglich.

 

Der stellvertretende Kreivorsitzende Tino Gmach, Artenschutzreferent der Landesgeschäftsstelle in Hilpoltstein Dr. Andreas von Lindeiner und Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger berichteten über die aktuellen Vogeltötungen im Landkreis Cham. - Foto: Dieter Renner
Der stellvertretende Kreivorsitzende Tino Gmach, Artenschutzreferent der Landesgeschäftsstelle in Hilpoltstein Dr. Andreas von Lindeiner und Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger berichteten über die aktuellen Vogeltötungen im Landkreis Cham. - Foto: Dieter Renner
Nicht zum ersten Mal mussten die örtlichen und überörtlichen Pressevertreter wegen der Greifvogeltötungen dem LBV-Zentrum einen Besuch abstatten. - Foto: Dieter Renner
Nicht zum ersten Mal mussten die örtlichen und überörtlichen Pressevertreter wegen der Greifvogeltötungen dem LBV-Zentrum einen Besuch abstatten. - Foto: Dieter Renner
Markus Schmidberger präsentierte auf einer Landkreiskarte die durch rote Punkte gekennzeichneten Fundstellen der getöteten Vögel, in den überwiegenden Fällen im Raum südlich der Stadt Cham. - Foto: Dieter Renner
Markus Schmidberger präsentierte auf einer Landkreiskarte die durch rote Punkte gekennzeichneten Fundstellen der getöteten Vögel, in den überwiegenden Fällen im Raum südlich der Stadt Cham. - Foto: Dieter Renner

 

 

Die aktuellen Fälle wurden bereits bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Die ermittelt nun wieder wie im Vorjahr wegen Verstoßes gegen den Artenschutzgesetz und das Jagdrecht.

Die Parallelen zu den Fällen der vergangenen Jahre sind eindeutig: Mit Carbofuran vollgepumpte Köder, z.B. Krähen werden als Köder ausgelegt. Greifvögel oder auch im aktuellen Fall Stare fressen davon und sterben einen qualvollen Vergiftungstod. Das Ganze spielt sich im Wesentlichen im Raum südlich von Cham ab.

 

Mittlerweile sind es bereits mehr als 60 Vögel, die seit 2017 durch Vergiften oder auch vereinzelt durch Erschießen mit Schrot ein Ende fanden. Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger kann alle Fälle an Hand einer Landkreiskarten belegen. Im Vorjahr waren darunter fünf Mäusebussarde, drei Rotmilane und eine Waldohreule, allesamt geschützte Arten, die zum Teil auch auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten zu finden sind.

Da fliegt ein ganzer Starenschwarm von Südeuropa bis in den Bayerischen Wald, um hier vergiftet zu werden. Unglaublich, aber wahr! - Foto: Dieter Renner
Da fliegt ein ganzer Starenschwarm von Südeuropa bis in den Bayerischen Wald, um hier vergiftet zu werden. Unglaublich, aber wahr! - Foto: Dieter Renner
Der Mäusebussard ist einer der häufigeren Greifvögel im Landkreis. Demzufolge ist er auch häufiger unter den Giftopfern zu finden. - Foto: Dieter Renner
Der Mäusebussard ist einer der häufigeren Greifvögel im Landkreis. Demzufolge ist er auch häufiger unter den Giftopfern zu finden. - Foto: Dieter Renner
Der Schwarzmilan ist im Landkreis Cham eine absolute Rarität. Brutnachweise gibt es nur höchst selten. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit hat er auch von vergifteten Ködern gefressen. - Foto: Dieter Renner
Der Schwarzmilan ist im Landkreis Cham eine absolute Rarität. Brutnachweise gibt es nur höchst selten. Aber mit großer Wahrscheinlichkeit hat er auch von vergifteten Ködern gefressen. - Foto: Dieter Renner
Gleich drei Rotmilane kamen im letzten Jahr durch Carbofuran ums Leben. Wer kann Interesse am Töten dieser wunderschönen und stolzen Greifvögel haben? - Foto: Dieter Renner
Gleich drei Rotmilane kamen im letzten Jahr durch Carbofuran ums Leben. Wer kann Interesse am Töten dieser wunderschönen und stolzen Greifvögel haben? - Foto: Dieter Renner

 

Wer kommt für die Greifvögeltötungen als Täter in Frage? Die Tötungen der Stare betrachten auch die LBV-Verantwortlichen als unbeabsichtigte Begleiterscheinung. Natürlich kann man Mutmaßungen anstellen, in welchen Kreisen der oder die Täter zu suchen sind. Denkbar seien Jäger oder auch Taubenzüchter. Oder auch nur jemand, der Freude am Töten von Vögeln und anderen Tieren hat, wie der stellvertretende Kreisvorsitzende Tino Gmach einfließen ließ. Aber solange nichts bewiesen werden kann, dürfe man auch keine Verdächtigungen aussprechen. Gerade von den Jägern, so war Dr. von Lindeiner überzeugt, lehne der allergrößte Teil solche Vorkommnisse genauso entschieden ab, wie Naturschützer.

 

1000€ Belohnung

Mitarbeiter des LBV-Zentrums in Nößwartling fassen die mit Carbofuran getöteten Vögel nur mit Handschuhen an. Zu gefährlich ist das Gift auch füt Menschen. - Foto: Dieter Renner
Mitarbeiter des LBV-Zentrums in Nößwartling fassen die mit Carbofuran getöteten Vögel nur mit Handschuhen an. Zu gefährlich ist das Gift auch füt Menschen. - Foto: Dieter Renner

 

 

Und in diesen Fällen etwas zu beweisen, ist höchst kompliziert. Der LBV hofft dabei auf Kommissar Zufall. Vielleicht gelingt es ja doch, einen Täter beim Auslegen eines Köders in flagranti zu ertappen. Die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, auch das sei ein Ziel dieser Pressekonferenz. Um diese Sensibilität noch zu erhöhen, hat der LBV gemeinsam mit der Louisoder-Umweltstiftung eine Belohnung vom 1000€ ausgesetzt für Hinweise, die zur Ergreifung eines Täters führen.

Es gab im Vorjahr auch bereits einen Hinweis aus der Bevölkerung, der aber wohl zu wenig konkrete Angaben enthielt und deshalb nicht zielführend war.

 

Dass es allerhöchste Zeit wird, den oder die Täter zu fassen oder wenigstens von seinem schändlichen Tun abzubringen, darauf wies Markus Schmidberger hin. Carbofuran ist zwar verboten, kann aber im Internet relativ problemlos gekauft werden. Es ist aber nicht nur für Vögel hoch gefährlich, sondern auch für Säugetiere wie zum Beispiel Hunde und natürlich auch für Menschen. LBV-Mitarbeiter berühren deshalb mit Carbofuran infizierte Vögel nur mit Handschuhen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass die beiden in den Chamer Ortsteilen Michelsdorf und Altenmarkt vergifteten Hunde auch durch das gleiche Kontaktgift ums Leben kamen. Deshalb rät die LBV-Kreisgruppe dringend dazu, Hunde in den Bereichen südlich von Cham und Roding unbedingt an der Leine zu führen. Auch Kinder sollen dazu angehalten werden, tote Tiere nicht anzufassen.

 

Weitere Informationen zum aktuellen Fall von Umweltkriminalität im Landkreis Cham können sie einem rund dreiminütigen Videobericht entnehmen, den der regionale Fernsehsender TVA - Fernsehen für Ostbayern ausgestrahlt hat. Klicken Sie hier!

 

 

 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
zum Anfang
Mitglied werden
LBV Naturshop
LBV QUICKNAVIGATION