Vortrag von LBV-Projektleiterin Martina Gehret

 

28.03.2019 - Am Freitagabend konnte der Kreisgruppenvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) Heinz Schindlatz zahlreiche Igelfreunde zum Vortrag "Igel im Garten - Was ihnen wirklich hilft" im LBV-Zentrum Mensch & Natur in Nößwartling begrüßen. Sein besonderer Gruß galt Diplom-Forstingenieurin (FH) Martina Gehret von der LBV-Landesgeschäftsstelle in Hilpoltstein, wo sie sich als Projektleiterin für die Bürgerbeteiligung bei den Aktionen "Stunde der Wintervögel" (Anfang Januar), "Stunde der Gartenvögel (10. bis 12. Mai 2019) und "Igel in Bayern" (www.igel-in-bayern.de) verantwortlich zeichnet.

 

 

Dank an Konrad Bierlmeier

 

Ebenfalls herzlich willkommen hieß Schindlatz den nach jahrzehntelanger Tätigkeit bei der Unteren Naturschutzbehörde am 1. März in den Ruhestand getretenen Konrad Bierlmeier. Zusammen mit LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schmidberger nutzte er den Rahmen der Veranstaltung, um ihn öffentlich für sein großes berufliches Engagement für den Natur- und Artenschutz besonders zu würdigen. "Bierlmeier war der erste hauptamtliche Mitarbeiter in der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Cham und hat ein unglaubliches Herz für die Natur. Er hat es verstanden, im Sinne der Natur zu wirken und den besonderen Stellenwert des Naturschutzes und der Naturschutzgesetze zu vermitteln", lobte Schindlatz und fuhr fort: "So manche Straße wäre ohne ihn so nicht gebaut worden, so manches Biotop nicht erhalten geblieben und so mancher Baum würde ohne seinen Einsatz nicht mehr stehen!"

 

LBV-Kreisgruppenvorsitzender Heinz Schindlatz (rechts) und LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schönberger (links) würdigten das Engagement von Konrad Bierlmeier für den Naturschutz in seiner Tätigkeit in der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Cham. - Foto: Johann Gruber
LBV-Kreisgruppenvorsitzender Heinz Schindlatz (rechts) und LBV-Geschäftsstellenleiter Markus Schönberger (links) würdigten das Engagement von Konrad Bierlmeier für den Naturschutz in seiner Tätigkeit in der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Cham. - Foto: Johann Gruber

Veränderte Landschaft

 

Die Referentin wies darauf hin, dass es Igel erdgeschichtlich schon seit etwa 50 Millionen Jahren gibt. In Bayern kommen zwei Arten von Igeln vor, wobei fast ausschließlich der Braunbrustigel im ganzen Land verbreitet ist. Er lebt als Einzelgänger und gehört wie Spitzmäuse und Maulwürfe zu den Insektenfressern. Früher lebten Igel in gegliederten Landschaften mit Hecken, Waldrändern und Gärten. "Das hat sich geändert!" stellte Gehret fest. Sie habe sich vor Kurzem an mehreren Tagen aufgemacht, um nach Igeln in der freien Landschaft Ausschau zu halten, und sie habe dabei keinen einzigen zu Gesicht bekommen. Nach über vier Jahren intensiver Arbeit im Forschungsprojekt "Igel in Bayern" und der Datenerhebung lebender und toter Igel durch engagierte Bürger und am Projekt beteiligte Pendler zeichnet sich ab, dass unsere Igel zunehmend Probleme damit haben, gute Reviere zu finden, in denen sie gesund leben, satt werden und den Winterschlaf störungsfrei überleben können.

Zur Artenvielfalt im Garten hatte die Diplom-Forstingenieurin (FH) Martina Gehret, die auch ein Buch über die stacheligen Gartenbewohner geschrieben hat, in ihrem Vortrag zahlreiche Tipps parat. - Foto: Johann Gruber
Zur Artenvielfalt im Garten hatte die Diplom-Forstingenieurin (FH) Martina Gehret, die auch ein Buch über die stacheligen Gartenbewohner geschrieben hat, in ihrem Vortrag zahlreiche Tipps parat. - Foto: Johann Gruber

Igel auf der Vorwarnliste

 

In der zum Jahresende 2017 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) veröffentlichten aktualisierten Roten Liste für Bayerns Säugetiere steht der Igel schon auf der sogenannten Vorwarnliste. Er gilt zwar noch als häufig, seine negative Bestandsentwicklung setzt sich aber durch die strukturelle Verarmung der Landschaft und den Einsatz von Chemie in der Agrarlandschaft auf beunruhigende Weise fort. Dass er auf der bayerischen Vorwarnliste steht, sei ein deutliches Warnsignal. Der Igel leide sehr unter dem extremen Rückgang von Insekten. Aber es fehlt ihm nicht nur an Nahrung, sondern auch an geeigneten Nischen wie Hecken, in denen er Tagesschlafplätze findet und Winterquartiere anlegen kann. 

 

Durst nach dem Aufwachen

 

In Bayern gibt es rund 140.000 Hektar Gartenflächen, die nicht versiegelt sind und als Lebensraum für die Igel zunehmende Bedeutung erhalten. Jetzt im Frühjahr wecken die Sonnenstrahlen bereits die ersten Igel aus dem Winterschlaf auf. Auch wenn es momentan nur wenig Futter gibt, ist dieses Verhalten normal. Viele Igel wechseln einfach auch nochmal ihr Winterquartier, andere beginnen dagegen schon aktiv mit der Futtersuche. Alle aufgewachten Langschläfer verspüren zunächst großen Durst. Gartenbesitzern, die ein Herz für die stacheligen Tiere haben, können ihnen in ihrem Garten mit einer Tränke Gutes tun. Wer keinen Platz für einen Teich hat, kann eine Flache Schale oder einen stabilen Topfuntersetzer aufstellen. Die LBV-Igelexpertin wies darauf hin, dass es sehr wichtig sei, die Tränke sauber zu halten und täglich frisches Wasser nachzufüllen.

Eine von Frühjahr bis Herbst täglich mit frischem Wasser gefüllten Wasserstelle wäre ein sehr gutes Werk für die Igel in einem Garten. - Foto: Johann Gruber
Eine  von Frühjahr bis Herbst täglich mit frischem Wasser gefüllten Wasserstelle wäre ein sehr gutes Werk für die Igel in einem Garten. - Foto: Johann Gruber
Es bedarf viel Geduld und Liebe, um einen kleinen Igel aufzupäppeln. - Foto: Johann Gruber
Es bedarf viel Geduld und Liebe, um einen kleinen Igel aufzupäppeln. - Foto: Johann Gruber

 

Igel sind reviertreue nachtaktive Einzelgänger. Auf ihrem Speiseplan stehen Laufkäfer, Schmetterlingslarven, Regenwürmer, Ohrwürmer, Kellerasseln, Mücken und Fliegen. So tragen die Igel auch zum biologischen Gleichgewicht bei. Gehret riet davon ab, Igeln das ganze Jahr über Futter anzubieten. Für eine kurzfristige Igelfütterung, zum Beispiel im Spätherbst oder während langer Trockenperioden im Sommer, ist hochwertiges Katzen- oder Hundefutter als Basisfutter geeignet. Das Einfachste, etwas für unsere Igel zu tun, ist ein wildtierfreundlicher Garten mi Insektenhotels, Holzstapeln, Totholz und Futterpflanzen für Insekten. Von einem Minilaubhaufen im Garten kann sich der Igel trockene Blätter für seine Unterkunft besorgen. Von Heu für ein Igelheim riet Gehret ab, weil Heu Feuchtigkeit zieht. Die Referentin zeigte eine Fülle von tollen Tier- und Pflanzenfotos sowie mehrere mit Nachtsichtkameras aufgenommene Videos von nächtlichen Aktivitäten der Igel in unseren Gärten.

 

Die LBV-Igelexpertin Martina Gehret (links) stellte die „Igelmama“ Antje Weichmann der LBV-Kreisgruppe Cham vor. - Foto: Johann Gruber
Die LBV-Igelexpertin Martina Gehret (links) stellte die „Igelmama“ Antje Weichmann der LBV-Kreisgruppe Cham vor. - Foto: Johann Gruber

 

Igel sind nachtaktive Tiere. Wenn man sie am Tag im Garten sieht, müssen sie nicht gleich krank sein, sie wurden vielleicht nur aufgeschreckt. Wer den Eindruck hat, dass ein Igel krank ist, kann sich bei der "Igelmama" Antje Weichmann der LBV-Kreisgruppe Cham, die von Martina Gehret vorgestellt wurde, telefonisch Rat holen (Kontakttelefon LBV 09977/8227). Weichmann nimmt, falls erforderlich, ein krankes Stacheltier gerne in Pflege.

 

Bürgerprojekt „Igel in Bayern“

 

Um die Igelvorkommen wissenschaftlich auswerten zu können, appellierte Gehret an alle, die einen Igel sichten oder einen toten Igel finden, die Funddaten im Rahmen des Bürgerprojekts www.igel-in-Bayern.de an den LBV zu melden. Ein tot gefundener Igel sollte im LBV-Zentrum Mensch & Natur in Nößwartling abgegeben werden, denn jeder abgegebene tote Igel wird wissenschaftlich untersucht.

 

Rasenmähroboter sind eine nicht zu unterschätzende Gefahr für Igel und andere Gartentiere, merkte die Referentin abschließend noch an. Bei einer automatisierten Rasenpflege haben Blühpflanzen, Insekten, Amphibien und Spinnentiere im Garten keine Chance und entziehen darüber hinaus dem Igel zusätzlich seine Nahrungsgrundlagen. So ist er auch noch gezwungen, längere und gefährlichere Wege auf der Suche nach Nahrung zurücklegen oder er kann sich nicht genügend Fettreserven für seinen Winterschlaf anfressen. Ideal wäre es, dem Igel eine Blühwiese zu bieten oder zumindest Blühstreifen im Garten zu belassen, die nicht gemäht werden. Im Anschluss an den Vortrag ergab sich noch eine intensive Diskussion, bei der die Referentin noch viele Fragen beantworten konnte.

 

Bericht: Johann Gruber

 

 

 

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