Kompetenz in der LBV-Kreisgruppe

Unsere stellvertretende KG-Vorsitzende hat sich als Entomologin einen Namen gemacht. - Foto: LBV
Unsere stellvertretende KG-Vorsitzende hat sich als Entomologin einen Namen gemacht. - Foto: LBV

 

 

Die Dramatik des Insektensterbens ist mittlerweile in der breiten Bevölkerung angekommen. Nahezu in allen Medien wurde darüber ausführlich berichtet. Vor kurzem hat auch das Bundesamt für Naturschutz in Bonn die besorgniserregenden Erkenntnisse einer Studie von Forschern der Entomologischen Gesellschaft Krefeld voll umfänglich bestätigt. 75% der Biomasse der Insekten seien seit 1990 verschwunden. Und: Es handelt sich nicht nur um ein Problem in Niedersachsen, sondern um einen bundesweiten Trend.

 

Beim LBV und besonders in unserer Kreisgruppe ist das Verschwinden der Insekten aber schon lange ein Thema. Das ist im Wesentlichen auf unsere Stellvertretende Kreisvorsitzende Frau Dr. Gisela Merkel-Wallner zurückzuführen. Sie ist eine namhafte Entomologin, unter anderem aktives Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Entomologen und auch Mitarbeiterin am Tagfalteratlas in Bayern. Von 1990 Bis 2014 war sie in der Landesvorstandschaft des LBV in Hilpoltstein tätig und dort für das Mitgliedermagazin VOGELSCHUTZ verantwortlich. Seit vielen Jahren beteiligt sie sich an wissenschaftlichen Forschungen zu Insekten mit dem Schwerpunkt Schwebfliegen.

 


 

 

 

Bei ihren Insektenexkursionen auf Kreisebene - unter anderem in den Gstettenwiesen bei Roding oder bei den Trockenhängen in Lixenried - wies sie nachdrücklich auf den Rückgang der Insekten hin.

Nun hat sie im aktuellen Mitglieder Magazin VOGELSCHUTZ einen Artikel zum Insektensterben veröffentlicht, den wir unseren Lesern natürlich nicht vorenthalten wollen:

Frau Dr. Merkel-Wallner bei einer LBV-Exkursion in den Gstettenwiesen bei Roding! - Foto: Dieter Renner
Frau Dr. Merkel-Wallner bei einer LBV-Exkursion in den Gstettenwiesen bei Roding! - Foto: Dieter Renner

Wo sind die Schmetterlinge geblieben?

 

Im Sommer vor zwei Jahren machte ich eine Insektenuntersuchung auf einer LBV-Fläche im "Naturschutzgebiet Regentalaue", dem größten Naturschutzgebiet der Oberpfalz. Neben einem Auwald finden sich dort Mädesüßbestände, die eigentlich gerne von Insekten besucht werden. Typischerweise fliegt dort u.a. der Mädesüßperlmutterfalter. Aber es waren kaum Insekten zu beobachten - keine Schmetterlinge, keine Wildbienen, keine Schwebfliegen. Dieses Jahr das gleiche Bild: auf den blühenden Bäumen und Sträuchern finden sich nur wenige Insekten.

 

Mädesüßbestände werden gerne von Insekten besucht. - Foto: Dieter Renner
Mädesüßbestände werden gerne von Insekten besucht.  - Foto: Dieter Renner
Unter anderem leben dort die Raupen des Mädesüß-Permuttfalters. - Foto: Dieter Renner
Unter anderem leben dort die Raupen des Mädesüß-Permuttfalters. - Foto: Dieter Renner

 

Dass die Insekten immer weniger werden, ist unter Fachleuten schon lange bekannt. Doch erst seit kurzem wird das auch in der Öffentlichkeit diskutiert und in den Medien thematisiert. Dabei hat jeder, der mit offenen Augen durch unsere Landschaft geht, schon länger sehen können, dass z.B. immer weniger Schmetterlinge umherfliegen. Langjährige Untersuchungen in Nordrhein-Westfahlen, Rheinland-Pfalz und Brandenburg haben mit einer standardisierten Untersuchungsmethode einen dramatischen Rückgang der Insekten belegt.

 

 

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Schwebfliegen auf einem Doldenblütler! - Foto: Dr. Gisela Merkel-Wallner
Ein Bild aus vergangenen Tagen: Schwebfliegen auf einem Doldenblütler! - Foto: Dr. Gisela Merkel-Wallner

 

Was sind die Ursachen? Die Hauptursache ist wohl die zunehmend intensive Landnutzung. Statt blütenreicher Wiesen herrschen Intensivgrünland und großflächige Ackernutzung vor. Hecken sowie extensive Randstreifen an Wäldern, Feldwegen und Straßen gibt es kaum noch. Entlang von Gewässern sollten fünf Meter breite Uferstreifen ungenutzt bleiben. In anderen Bundesländern ist das Pflicht, in Bayern leider nur eine freiwillige Leistung, die selten angewendet wird. All das bedeutet für die Insekten, dass sie keine Möglichkeiten zur Entwicklung ihrer Larven haben. Wo findet eine Schwebfliege eine Blüte zur Nektarsuche? Wo findet ein Tagpfauenauge eine Brennnessel, um Eier abzulegen? Die Lebensräume für Insekten sind sehr klein geworden. Und ein weiteres Problem ist auch, dass die Vorkommen mancher Schmetterlinge sehr lokal geworden sind und weit auseinanderliegen. Ein genetischer Austausch zwischen den Populationen ist nicht mehr möglich, was zum Überleben der Arten aber notwendig ist. Zu diesen räumlichen Problemen kommen noch die verschiedenen Spritzmittel in der Landwirtschaft, die zum einen zahlreiche Pflanzenarten vernichten und zudem direkt gegen die Insekten wirken. Die Wirkung dieser Spritzmittel ist nicht nur auf die Spritzfläche beschränkt, sondern sie verbreiten sich mit dem Wind flächenmäßig über das ganze Land. Und wirken somit auch auf den eigentlich "naturnah" belassenen Flächen.

 

Welche Folgen hat das für den gesamten Naturhaushalt? Eine Folge sehen wir bereits an unserer Vogelwelt: Wenn keine Insekten da sind, können auch keine Jungvögel aufgezogen werden. Im Sommer beobachten wir z.B. deutlich weniger Mauersegler und Schwalben wie in früheren Jahren. Sie finden in der Luft keine Insekten mehr zum Fressen. Auch die Bestäubung von Obstbäumen wird zunehmend zum Problem. Honigbienen können dies nicht alleine schaffen, denn z.B. bei kühlem, schlechten Wetter fliegen sie nicht. Wohl aber fliegen dann noch Hummeln und Schwebfliegen, die für die Bestäubung genauso wichtig sind, wenn sie da sind. Als Gegenmaßnahmen müssen wir ein deutliches Umdenken in der landwirtschaftlichen Nutzung, vor allem in der landwirtschaftlichen Förderung einfordern. Und wir sollten Wildnis schätzen lernen, im Garten, am Straßenrand, auch außerhalb von Schutzgebieten.

 

Dr. Gisela Merkel-Wallner

 

 

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
zum Anfang
Mitglied werden
LBV Naturshop
LBV QUICKNAVIGATION