Gemeinsame Exkursion von LBV und Naturpark zu den Heckrindern in der Markbachaue

 

19.06.2019 - Bei einer gemeinsamen Exkursion von LBV und dem Naturpark Oberer Bayerischer Wald wurden die Beweidungsflächen in der Markbachaue bei der Hannesried, Gemeinde Tiefenbach vorgestellt. Etwa 40 Teilnehmer fanden sich trotz des regnerischen Wetters ein, um dieses Projekt näher kennenzulernen.

 

Zahlreiche Besucher ließen sich auch von regnerischem Wetter nicht abhalten. - Foto: Monika Kerner
Zahlreiche Besucher ließen sich auch von regnerischem Wetter nicht abhalten. - Foto: Monika Kerner
Gelegentlich musste dabei auch ein naturnaher Bach überquert werden. - Foto: Monika Kerner
Gelegentlich musste dabei auch ein naturnaher Bach überquert werden. - Foto: Monika Kerner

 

 

Alles begann durch das Flurneuordnungsverfahren Hannesried, durch das im Markbachtal etwa 7,5 ha für eine naturnahe Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt werden konnten. Dabei handelte es sich um sehr feuchte Wiesen, die früher teilweise von Hand gemäht und das Mähgut von Hand entfernt werden musste. Seit nun rund 10 Jahren nutzt man dort tierische Helfer, die Auerochsen. Korrekt sind es Heckrinder, da Auerochsen schon seit dem 17. Jahrhundert ausgestorben sind. Die heutigen Rinder sind eine Rückkreuzung, die die Gebrüder Heck um 1920 begonnen haben. Sie sehen den Auerochsen sehr ähnlich. Diese sehr robusten Tiere sind ganzjährig auf der Weide und pflegen eine Fläche von inzwischen 20 Hektar. Diese Flächen gehören dem LBV und dem Landkreis. Eine angrenzende Fläche wurde von Frau Renate Scherr für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. Großen Dank gilt auch den früheren Eigentümern der Beweidungsfläche, der Familie Balk, die mit ihrer Scheune den Heckrindern eine Unterstellmöglichkeit bietet und den Zugang zur Markbachaue ermöglicht.

 

 

Frau Dr. Merkel-Wallner demonstrierte ihre Malaise-Fallen. - Foto: Monika Kerner
Frau Dr. Merkel-Wallner demonstrierte ihre Malaise-Fallen. - Foto: Monika Kerner

 

Frau Dr. Merkel-Wallner, stellvertretende Kreisvorsitzende der LBV-Kreisgruppe Cham und ausgewiesene Entomologin zeigte den interessierten Exkursionsteilnehmern ihre Malaise-Fallen. Darin werden Insekten gefangen, um zu sehen, welche Arten im Untersuchungsgebiet noch vorhanden sind und um die Bestandsentwicklung zu dokumentieren.

 

 

Dr. Angelika Nelson, aktuelle BFDlerin der LBV-KG, und Julia Hetzl, die neue Naturpark-Rangerin waren für die Vögel zuständig und erläuterten die Vogelstimmen. Die durchaus große Artenvielfalt auf dieser Fläche konnte von jedem sehr schnell festgestellt werden.

 

 

 

 

Anette Lafaire, Gebietsbetreuerin des Naturparks Oberer Bayerischer Wald, konnte Besuchern den Lebenszyklus des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings nahebringen. Dieser seltene Tagfalter findet in der Markbachaue wieder einen geeigneten Lebensraum, da hier seine Wirtspflanze, der Große Wiesenknopf in stattlichen Beständen zur Blüte kommt. Der Falter legt in diese Blüten seine Eier. Wenn die Raupen dann später im Jahresverlauf geschlüpft sind, lassen sie sich zu Boden fallen und imitieren dann den Geruch der Knotenameisen. Diese sammeln ihre "vermeintlichen" Kinder ein und tragen sie in ihren Bau. Dort werden die Raupen gefüttert und gepflegt, so dass sie gut über den Winter kommen. Wenn sie dann allerdings als Falter schlüpfen, müssen sie sofort den Ameisenbau verlassen, weil sie nicht mehr den typischen Geruch haben. Da die normalen Wirtschaftswiesen schon sehr früh im Jahr gemäht werden, kommt der Große Wiesenknopf dort nicht zur Blüte, und somit kann der Ameisenbläuling sich nicht mehr vermehren.

 

 

 

 

Anette Lafaire erläutert den Lebenszyklus des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. - Foto: Monika Kerner
Anette Lafaire erläutert den Lebenszyklus des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. - Foto: Monika Kerner
Wiesenknopf-Ameisenbläuling auf seiner Wirtspflanze, dem Großen Wiesenknopf. - Foto: Dieter Renner
Wiesenknopf-Ameisenbläuling auf seiner Wirtspflanze, dem Großen Wiesenknopf. - Foto: Dieter Renner

 

 

Durch das Anlegen von verschiedenen Kleingewässern hat auch die Anzahl der Amphibien auf den Flächen zugenommen.

 

Mich Ferstl erläuterte noch die Weidehaltung und die Zutraulichkeit der Rinder, die allerdings diesmal auf Abstand blieben.

 

 

Mich Ferstl erläuterte den Besuchern die Weidehaltung. - Foto: Monika Kerner
Mich Ferstl erläuterte den Besuchern die Weidehaltung. - Foto: Monika Kerner
Die Heckrinder blieben dieses Mal aber auf Abstand. - Foto: Monika Kerner
Die Heckrinder blieben dieses Mal aber auf Abstand. - Foto: Monika Kerner
Abschließend gab es bei Kaffee und Kuchen noch Gelegenheit zu einem regen Meinungstausch. - Foto: Monika Kerner
Abschließend gab es bei Kaffee und Kuchen noch Gelegenheit zu einem regen Meinungstausch. - Foto: Monika Kerner
Die Hauptakteure der Exkursion (von links nach rechts): Julia Hetzl, Naturpark-Rangerin, Anette Lafaire, Gebietsbetreuerin des Naturparks Oberer Bayerischer Wald, Dr. Angelika Nelson, aktuelle BFDlerin der LBV-KG, Dr. Gisela Merkel-Wallner, stellvertretende Kreisvorsitzende der LBV-Kreisgruppe Cham, Mich Ferstl, seine Heckrinder beweiden die Markbachauen-Flächen - Foto: Monika Kerner
Die Hauptakteure der Exkursion (von links nach rechts): Julia Hetzl, Naturpark-Rangerin, Anette Lafaire, Gebietsbetreuerin des Naturparks Oberer Bayerischer Wald, Dr. Angelika Nelson, aktuelle BFDlerin der LBV-KG, Dr. Gisela Merkel-Wallner, stellvertretende Kreisvorsitzende der LBV-Kreisgruppe Cham, Mich Ferstl, seine Heckrinder beweiden die Markbachauen-Flächen - Foto: Monika Kerner

 

Im Anschluss war noch Gelegenheit bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch mit allen Beteiligten zu kommen. Es waren auch etliche Nachfragen nach dem Fleisch der Auerochsen. Dieses wird von Herrn Ferstl direkt vermarktet und im Herbst sollen wieder einige Tiere geschlachtet werden.

 

Bericht: Anette Lafaire

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