Prof. Dr. Franz Bairlein begeisterte Besucher

 

 

Der LBV - Kreisgruppe Cham ist es gelungen, mit Prof. Dr. Franz Bairlein einen hochkarätigen Fachmann für Vogelforschung ins LBV-Zentrum Mensch und Natur zu holen. Der Seminarraum war am Freitag bis auf den letzten Platz gefüllt. Kreisvorsitzender Karl-Heinz Schindlatz hieß zu Beginn den Referenten sowie die zahlreichen Gäste willkommen.

 

Prof. Dr. Franz Bairlein gilt als der derzeit wohl bekannteste deutsche Ornithologe und ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Er ist Direktor des Instituts für Vogelforschung an der Vogelwarte Helgoland in Wilhelmshaven und Professor für Zoologie an der Universität in Oldenburg. Prof. Bairleins Forschungsschwerpunkte sind der Vogelzug und die ökologische Arbeit in Rastgebieten entlang der Zugrouten und im Winterquartier europäischer Zugvögel. Seit 2010 ist Prof. Bairlein Präsident der International Ornithologists Union, so Karl-Heinz Schindlatz zu Beginn.

In seinem Vortrag über die "Zugvögel im Klimawandel" präsentierte und veranschaulichte der Referent die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse: " Extrem -Wetterereignisse würden unweigerlich mit dem Klimawandel zusammenhängen. Sie seien Folgen des massiven Anstiegs der Durchschnittstemperaturen. Was sonst in vielen Jahrhunderten geschah, passiere jetzt in 70 bis 80 Jahren. Diese Geschwindigkeit müsse zu denken geben. Der derzeitige Klimawandel zeige aber auch vielfältige "Fingerabdrücke" in der Vogelwelt. Zugvögel kehren im Frühjahr früher aus ihren Winterquartieren zurück und bzw. oder ändern ihre Abzugszeiten im Herbst, wodurch sich für viele Arten die Aufenthaltszeiten im Brutgebiet verlängern. Grund seien höhere Temperaturen in Afrika, die komplizierte "Nordatlantische Oszillation", immer weniger Regen zum Beispiel an den wichtigen Rastplätzen an der Mittelmeer-Küste. Die Folgen für die Vögel seien dramatisch. Immer weniger Zugvögel kämen durch und seien, am Ziel angekommen, zu schwach für Bruterfolge. Bei Vogelarten, die innerhalb Europas überwintern, könne man eine Abnahme der Zugbereitschaft erkennen. Immer mehr würden zu Standvögeln werden und den Winter im Brutgebiet verbleiben. Viele Wasservogelarten verschieben ihre Winterareale nordwärts. Dadurch verändere sich die Zusammensetzung von Wintervogelgemeinschaften mit Auswirkungen auf Konkurrenz- und Überlebensbedingungen. Viele Arten brüten mittlerweile früher und bei einigen ergäbe sich dadurch eine Entkopplung des Brutgeschäftes vom Nahrungsangebot mit Auswirkungen auf den Bruterfolg und die Bestände. Regionale Unterschiede im Klimawandel beeinträchtigen den Zugablauf, da Arten, die lange Strecken ziehen, auf eine Kette "verlässlicher" Rastgebiete angewiesen seien. Zudem verändere der Klimawandel Nahrungsangebot und Nahrungsqualität, was wiederum besonders Zugvögel betreffe, die oftmals von ganz besonderen Nahrungsbedingungen für erfolgreichen Zug und nachfolgendes Brüten abhängig wären. Besonders eindrucksvoll zeigte ein Beispiel die Konsequenzen des Klimawandels bei Muschelfresser im Jadebusen. Tote Austernfischer und Eiderenten wurden mit vollen Mägen, aber verhungert aufgefunden. Der Grund sei, dass die Nordsee seit Mitte der 1990er Jahre immer wärmer werde. Darum verbrauchen die Miesmuscheln mehr vom eigenen Energievorrat als in kälteren Wintern, sie sind wiederum energieärmer, als es für die Vögel notwendig ist. "Sie fressen und fressen und sterben", so Prof. Dr. Bairlein.

 

Die Welt und Biologie der Vögel verschiebe sich, sei es die Zugstrecke, der Aufenthaltszeitraum in Brut- wie Überwinterungsgebieten und selbst die Brutbiologie. Prof. Dr. Bairlein verstand es mittels eindrucksvoller Bilder und wissenschaftlicher Beobachtungen mittels PowerPoint Präsentation äußerst kompetent nicht nur diese Fakten zu vermitteln, sondern begeisterte mit spannenden Einblicken in die moderne Erforschung des Phänomens Vogelzug. Er schilderte, welch enorme Distanzen die Vögel auf ihrem Zug bewältigen, wie sie ihre Brut- und Überwinterungsgebiete finden und welche physiologischen Anpassungen sie dazu befähigen. Dabei ließ er seine Zuhörer völlig fasziniert teilhaben an diesem beeindruckenden Naturschauspiel.

 

Abschließend forderte er, um etwas entgegen zu wirken, den Vögeln mehr Lebensräume zu lassen um sich besser an den Klimawandel anpassen zu können. Gefahren seien zudem Windparks, die wie Barrieren wirken. Zudem werde zu viel Land versiegelt. Auch für Biomasse würde enorm viel Land verbraucht. Jeder einzelne könne in seinen Gärten Lebens- und Schutzräume schaffen. Der Energieverbrauch müsse reduziert werden. In kleinen Schritten könne jeder etwas dazu beitragen.

 

Kompetent ging Prof. Bairlein abschließend noch auf zahlreiche Fragen aus dem Publikum ein, wie z.B. Richtiges Füttern von Vögeln, Lebensraumschutz, Insektenrückgang, Geflügelpest, die sicher nicht durch Zugvögel ins Land käme usw..

 

LBV Kreisvorsitzender Karl-Heinz Schindlatz dankte abschließend Prof. Dr. Bairlein für seinen begeisternden Vortrag mit einem Präsent.

 

Bericht: Peter Hartl

 

 

 

LBV Kreisvorsitzender Karl-Heinz Schindlatz (links) bedankte sich bei Prof. Dr. Franz Bairlein mit einem Geschenk. - Foto: Peter Hartl
LBV Kreisvorsitzender Karl-Heinz Schindlatz (links) bedankte sich bei Prof. Dr. Franz Bairlein mit einem Geschenk. - Foto: Peter Hartl
© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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