LVB-Vorsitzenden Dr. Norbert Schäffer sprach über gemeinsame Ziele für die bayerische Natur

 

 

 

Nößwartling - 26.02.2019 - Erleichtert und ein wenig stolz darauf, dass es der LBV-Kreisgruppe Cham gelungen ist, mit einen vollbesetzten Vortragssaal dem Quotenhit "Fastnacht in Franken" im Bayerischen Fernsehen den Rang abzulaufen, hieß die stellvertretende Vorsitzende der LBV-Kreisgruppe Cham, Dr. Gisela Merkel-Wallner, die zahlreichen Besucher willkommen. Ihr besonderer Gruß galt Bürgermeisterin Heike Fries, Falkenstein (Parteilos) und Bürgermeister Ludwig Klement, Zandt (CSU/Freie Wählergemeinschaft), Michael Doblinger, Kreisvorsitzender von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN, Klaus Hofbauer, MdB a. D und Bezirksvorsitzender des CSU-Arbeitskreises Umweltsicherung und Landesentwicklung, Dr. Stefan Scheingraber, ÖDP-Direktkandidat bei der letzten Bundestagswahl, und natürlich dem Referenten des Abends Dr. Norbert Schäffer, dem Ersten Vorsitzenden des Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) e. V..

 

Als Titel für seinen Vortrag hatte der LBV-Vorsitzende "Welchen Naturschutz brauchen wir?" gewählt. Weltweit ist es vielerorts schlecht um Naturschutz und Artenschutz bestellt, bedauerte Dr. Schäffer. Er begann seine Präsentation mit Bildern von einstigen großen Regenwäldern auf Sumatra, die brandgerodet wurden und an deren Stelle jetzt soweit das Auge reicht in riesigen Monokulturen Ölpalmenplantagen angelegt sind. Zu den schwerwiegenden Folgen der gewaltigen Regenwaldabholzungen gehören unter anderem ein immenser CO2-Ausstoß und der Verlust der Artenvielfalt.

 

 

 

In Sumatra wurden große Regenwälder brandgerodet und an ihrer Stelle riesige Monokulturen mit Ölpalmenplantagen angelegt. - Foto: GREENPEACE
In Sumatra wurden große Regenwälder brandgerodet und an ihrer Stelle riesige Monokulturen mit Ölpalmenplantagen angelegt. - Foto: GREENPEACE

Dramatischer Artenschwund

 

Aber auch in Bayern sind ausgeräumte Agrarlandschaften mit großen Monokulturen keine Seltenheit, machte der Referent deutlich. Während der Bestand an Waldvögeln seit 1980 etwa gleich geblieben ist, gab es in diesem Zeitraum bei den Feldvögeln einen Rückgang von fast 60 %, bei Braunkehlchen um 63 %, bei Kiebitzen um 80 % und beim Rebhuhn um 83 %. Bei kilometerweiten Monokulturen von Mais oder Raps sei der Lebensraum für viele Arten einfach nicht mehr da.

 

Auch in Bayern gibt es vielerorts ausgeräumte Agrarlandschaften, in denen der Artenschutz durch zu wenig Blühstreifen und Hecken viel zu kurz kommt. - Foto: LBV
Auch in Bayern gibt es vielerorts ausgeräumte Agrarlandschaften, in denen der Artenschutz durch zu wenig Blühstreifen und Hecken viel zu kurz kommt.  - Foto: LBV

Kein Bauern-Bashing

 

 

Trotz dieser Zahlen bedeutet das keine Kritik am Landwirt, betonte Dr. Schäffer. Hauptursache sei das derzeitige Agrarsubventionssystem, das nicht die nachhaltige Bewirtschaftung fördert, sondern sich an der Betriebsfläche orientiert. Die derzeitige Europäische Agrarsubventionspolitik präferiere die Interessen von Agrarkonzernen und die Monopolisierung von Saat- und Düngemittelfirmen und sei somit gegen die mittelständischen bäuerlichen Betriebe gewendet.

 

Das Verrückte an dieser Situation sei auch, dass in der EU jährlich 58 Milliarden Euro Agrarsubventionen in die Landwirtschaft fließen, aber nur ein Bruchteil davon für Maßnahmen ausgegeben wird, von denen Umwelt, Verbraucher und Landwirte gleichermaßen profitieren. Durchschnittlich 114 Euro gibt jeder EU-Bürger so für die Agrarsubventionen aus. "Von mir aus dürften es ruhig 140 Euro sein, wenn die Artenvielfalt dadurch wieder gefördert wird", so der Referent. "Es geht auch anders", sagte Dr. Schäffer, und beschrieb als ein Beispiel das "Rebhuhn-Projekt Oberfranken", in dem Blühfelder und Brachen angelegt wurden. "Wir wissen wie es geht", betonte Dr. Schäffer. Aber nur auf die Freiwilligkeit zu setzen sei gescheitert. "Wenn etwas 20 Jahre nicht funktioniert hat, warum soll es dann in den nächsten 10 Jahren funktionieren?"

 

Der LBV ist ein unpolitischer Verein betonte der LBV-Vorsitzende. Aber wenn politische Parteien etwas Sinnvolles anstoßen, sehen wir keinen Hinderungsgrund, uns daran zu beteiligen, so wie jüngst beim Volksbegehren Artenschutz "Rettet die Bienen" geschehen, wo sich der LBV auf den Plakaten zwischen ÖDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wiederfindet. Über 1,7 Millionen Menschen, das sind 18,4 % der Wahlberechtigten, haben sich in ihren Rathäusern als Unterstützer des Volksbegehrens eingetragen, in manchen Gemeinden mit Quoten zwischen 30 und 40 Prozent. Damit sind erstmals Pflöcke gesetzt, an denen nun niemand mehr vorbei kann. Das ist phantastisch und ein starkes Mandat, jetzt das Überleben der Artenvielfalt zu sichern und das Höfesterben zu bremsen. Die Änderungsvorschläge zur Verbesserung der Artenvielfalt mussten sich dabei auf das Naturschutzgesetz konzentrieren, denn durch ein Kumulierungsverbot darf der Gesetzesentwurf eines Volksbegehrens nicht die Änderung mehrerer Gesetze betreffen.

 

Er bedanke sich bei dieser Gelegenheit bei allen, die sich vor Ort für das Zustandekommen des Volksbegehrens Artenschutz engagierten, so Dr. Schäffer. Im Hohenbogenwinkel hätten zum Beispiel zahlreiche Mitglieder der Bienenzüchtervereine durch halb- und ganztägige Aktionen vor Supermärkten zum überdurchschnittlichen Ergebnis beigetragen.

 

 

 

Der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer bei seinem Vortrag „Welchen Naturschutz brauchen wir?“ im LBV-Zentrum Mensch & Natur in Nößwartling - Foto: Johann Gruber
Der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer bei seinem Vortrag „Welchen Naturschutz brauchen wir?“ im LBV-Zentrum Mensch & Natur in Nößwartling - Foto: Johann Gruber

Verbesserter Artenschutz

 

Zentrale Punkte beim Volksbegehren Artenschutz sind gesetzliche Vorgaben über blühende Gewässerrandstreifen von 5 Metern Breite an den Ufern von Wasserläufen, die in allen Bundesländern mit Ausnahme von Bayern bereits Gesetz sind. Dadurch werden nicht nur zusammenhängende Biotope geschaffen sondern auch die Wasserqualität verbessert. Die ökologische Landwirtschaft auszubauen und bis 2025 auf mindestens 20 % zu erhöhen, alle staatlichen Flächen pestizidfrei zu bewirtschaften, Pestizide in Schutzgebieten ganz zu verbieten, 10 % aller Wiesen in Blühwiesen umzuwandeln, Hecken, Bäume und kleine Gewässer in der Landwirtschaft zu erhalten, innerhalb von 10 Jahren 13 % der Landesfläche als Biotopverbund auszuweisen und den Naturschutz in die Lehrpläne einzubauen sind weitere Vorgaben im Gesetzentwurf des Volksbegehrens, mit dem ein neues, besseres Naturschutzgesetz verankert werden soll. Es soll die Bayerische Staatsregierung dazu bewegen, sich mehr als bisher für den Umwelt- und Naturschutz zu engagieren.

 

Staatsregierung am Zug

 

 

Jetzt sei die Staatsregierung am Zug, entweder den Gesetzentwurf des Volksbegehrens zum Gesetz werden zu lassen, was einen Volksentscheid erübrigt, oder einen eigenen Gesetzentwurf einzubringen, der dann innerhalb von drei Monaten nach der Behandlung im Landtag dem Wahlvolk zur Abstimmung zu stellen ist. Zwischenzeitlich habe Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) ein "Volksbegehren plus" angekündigt und gesagt: "Alle sind gefragt, jeder in seinem eigenen Garten", denn auch hier gehe es beispielsweise darum, den Gifteinsatz zu verringern. Die Vorhaben dürften nicht zu Lasten eines einzelnen Berufsstandes gehen, hatte der Minister gewarnt und damit die Landwirte gemeint, in deren Namen sich der Bayerische Bauernverband vehement gegen das Begehren zur Wehr setzte. Die Beauftragte des Volksbegehrens, Agnes Becker (ÖDP) hat betont, sie werde bei dem von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) angeregten "Runden Tisch" an den Forderungen des Volksbegehrens festhalten, denn die Messlatte sei der im Volksbegehren eingebrachte Gesetzentwurf, der schon ein Kompromiss sei.

 

Wenn ein überarbeiteter Entwurf weitergehe als der des Volksbegehrens, habe der LBV keine Probleme damit, den Wählern beim Volksentscheid die Annahme des verbesserten Entwurfs zu empfehlen, betonte Dr. Schäffer. Nach dem Vortrag ergab sich noch eine interessante Diskussion um Zukunftsperspektiven, gemeinsame Ziele und unterschiedliche Wege dorthin.

 

Bericht: Johann Gruber

 

 

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