Die LBV-Kreisgruppe untersucht zurzeit die Fledermauswinterquartiere im Landkreis

Fotografiert werden die Tiere ohne Blitzlicht, nur halb angeleuchtet von einer Stirnlampe, um sie und ihren Energiekreislauf nicht zu stören. Diese Wasserfledermaus glitzert durch das auf ihrem Pelz kondensierte Wasser. - Foto: Steffi Bauer
Fotografiert werden die Tiere ohne Blitzlicht, nur halb angeleuchtet von einer Stirnlampe, um sie und ihren Energiekreislauf nicht zu stören. Diese Wasserfledermaus glitzert durch das auf ihrem Pelz kondensierte Wasser. - Foto: Steffi Bauer

 

Sie glitzert wie ein Schmuckkästchen, wegen der Kondenswassertropfen, die auf ihrem Pelz zu Eis gefroren sind. Kein Wunder, die kleine Wasserfledermaus hat ihre Körpertemperatur bis auf wenige Grad über Null abgesenkt und harrt jetzt während ihres Winterschlafes der Dinge, die sie im Frühling erwarten. Kopfüber hängt sie in der Höhle, die sie sich dafür ausgesucht hat: einem alten Uransuchstollen in Schmelz bei Lam.

BFD'lerin Lea Ventura aus Kreta und LBV-Leiter Markus Schmidberger sind, ausgerüstet mit Stirntaschenlampen, im Eiskeller auf der Suche nach Fledermäusen. - Foto: Steffi Bauer
BFD'lerin Lea Ventura aus Kreta und LBV-Leiter Markus Schmidberger sind, ausgerüstet mit Stirntaschenlampen, im Eiskeller auf der Suche nach Fledermäusen. - Foto: Steffi Bauer
Doppelt geschützt: Die Wasserfledermaus versteckt sich in einer kleinen Höhle in den großen Höhle. - Foto: Steffi Bauer
Doppelt geschützt: Die Wasserfledermaus versteckt sich in einer kleinen Höhle in den großen Höhle. - Foto: Steffi Bauer

Ihr Quartier ist schon die vierte Station der Fledermauswinterquartierkontrolle, die Markus Schmidberger vom LBV jährlich durchführt. Dazu geht es in alte Bierkeller, 20 Meter in die Tiefe, weit in den Osser hinein – und das Bayerwald-Echo durfte diesmal mit. Startpunkt ist ein Geiganter Eiskeller, der im Gegensatz zu den festgelegten „Monitoring-Quartieren“ nicht jedes Jahr, sondern nur sporadisch überprüft wird. Wir flüstern, um etwaige schlafende Fledermäuse nicht zu stören. Erst einmal sind allerdings keine zu sehen, sondern nur – ganz subjektiv betrachtet – gigantische Höhlenspinnen. Aber schließlich findet Schmidberger doch noch ein Braunes Langohr, gut versteckt in einer der Mauerritzen. Was eher nach einem Hasen klingt, ist in Wahrheit eine der 25 in Bayern vorkommenden Fledermausarten, die großteils in ihrem Bestand gefährdet und deshalb ausnahmslos gesetzlich geschützt sind. „In dem etwa 100 Quadratmeter großen Keller finden sie optimale Bedingungen vor“, stellt Chams LBV-Leiter fest, der in allen Quartieren Temperatur und Luftfeuchtigkeit misst. „Eigentlich müssten wir hier mehr Funde haben.“ Doch jedermann kann den Eiskeller betreten und damit den Schlaf der Tiere stören. „Es wäre eine gute Sache, wenn man den Eingang mit einem Gitter sichern könnte, vielleicht könnte die Stadt Waldmünchen, nach Absprache mit dem Besitzer, hier ein solches Projekt in Angriff nehmen – erstens wegen der Fledermäuse, aber auch als Schutzmaßnahme, damit beispielsweise keine Kinder hineinklettern“, so Schmidberger. „Gleichzeitig hätte es einen kulturellen Mehrwert, mit einem Schild könnte man auf die Geschichte des ehemaligen Bierkellers hinweisen.“

Nach dem Eiskeller geht es querfeldein zum Bleschenberger "Schrazelloch", einem alten Bergbaurelikt. Hier ist der Einstieg gesichert und ein Schild informiert über die Geschichte der Sehenswürdigkeit. "20 Meter fallst owe", mit dieser Warnung im Hinterkopf geht es erst eine Leiter, dann weitere Sprossen in die Tiefe. Aber weil die Hälfte und auch der Quergang unter Wasser stehen, ist dann doch nach guten zehn Metern Schluss mit Klettern. Der Weg hat sich dennoch gelohnt, denn an der Wand entdeckt Schmidberger eine Rarität: eine Mopsfledermaus. Diese Kälteliebhaberin sitzt gerne in ausgangsnahen Bereichen. Umso erfreulicher, sie hier zu sehen, denn bei der letzten Winterquartierkontrolle hatte sich noch keine Fledermaus im "Schrazelloch" blicken lassen. "Vielleicht sind an der Decke im Quergang sogar noch weitere, aber ohne Wathose steige ich jetzt nicht runter", meint Schmidberger.

In das Bleschenberger „Schrazelloch“ gelangt man erst über eine Leiter, dann über Sprossen. Es steht zur Hälfte unter Wasser, aber an der Wand hat sich eine Rarität zum Winterschlaf niedergelassen: die Mopsfledermaus. - Foto: Steffi Bauer
In das Bleschenberger „Schrazelloch“ gelangt man erst über eine Leiter, dann über Sprossen. Es steht zur Hälfte unter Wasser, aber an der Wand hat sich eine Rarität zum Winterschlaf niedergelassen: die Mopsfledermaus. - Foto: Steffi Bauer
Wasserfledermaus - Foto: Steffi Bauer
Wasserfledermaus - Foto: Steffi Bauer
Großes Mausohr - Foto: Steffi Bauer
Großes Mausohr - Foto: Steffi Bauer
 

Nächster Stopp: ein Parkplatz am Fuß des Osser, der LBV-Leiter holt sich den Schlüssel zum Eingang des Stollens, in dem Feld- und Flußspat abgebaut wurden. "Wir sind wirklich dankbar, dass die Besitzer uns für die Fledermauszählungen reinschauen lassen", betont er. Denn diese sind äußert aufschlussreich: Die Zahlen aus den Monitoring-Quartieren liefert der LBV an eine Unterabteilung des Landesamts für Umweltschutz. Dort werden die bayernweiten Ergebungen gesammelt und ausgewertet, wodurch man Schlüsse auf die Gesamtentwicklung ziehen kann. Im Osserstollen, zu dem man nach einem Fußmarsch durch den hohen Schnee gelangt, sieht es diesmal ganz gut aus: 21 Tiere, vor allem Wasserfledermäuse, aber auch das Große Mausohr, haben sich zum Winterschlaf hier niedergelassen. Seit Beginn der Aufzeichnungen ist es der zweitbeste Wert, nach 2016, als Schmidberger hier 35 Tiere gefunden hat. Auch in Schmelz, der vierten Station, die ebenfalls in privater Hand ist, sind es Wasserfledermäuse und Große Mausohren, neun an der Zahl, und sie haben sich zum Teil zu sogenannten "Clustern" zusammengetan, um aneinander gekuschelt Energie während des Winterschlafs zu sparen.

 

 

Eine Nordfledermaus und drei Mopsfledermäuse haben sich zu einem sogenannten „Cluster“ zusammengetan, um aneinander gekuschelt Energie während des Winterschlafs zu sparen. Die Nordfledermaus ist in Ostbayern schwerpunktmäßig anzutreffen. - Foto: Steffi Bauer
Eine Nordfledermaus und drei Mopsfledermäuse haben sich zu einem sogenannten „Cluster“ zusammengetan, um aneinander gekuschelt Energie während des Winterschlafs zu sparen. Die Nordfledermaus ist in Ostbayern schwerpunktmäßig anzutreffen. - Foto: Steffi Bauer
Für die Begehung der Höhle am Eck werden die Gummistiefel ausgepackt. Für die Öffentlichkeit ist sie von Oktober bis März nicht zugänglich, worauf auch ein Schild am Eingang hinweist. Leider wird dies von einzelnen manchmal missachtet. - Foto: Steffi Bauer
Für die Begehung der Höhle am Eck werden die Gummistiefel ausgepackt. Für die Öffentlichkeit ist sie von Oktober bis März nicht zugänglich, worauf auch ein Schild am Eingang hinweist. Leider wird dies von einzelnen manchmal missachtet. - Foto: Steffi Bauer

 

Am Eck schließlich, dem letzten Quartier für heute, macht Schmidberger zunächst eine unschöne Entdeckung: Das Schloss am Eingang ist aufgebrochen: "Von Oktober bis März sollte es verschlossen sein, damit der Winterschlaf der Fledermäuse nicht gestört wird." Das restliche Jahr hätten Geologen und andere Interessierte die Möglichkeit, die Höhle zu besichtigen.

 

 

Winterschlaf in der Höhle am Eck. Vor allem früher waren Fledermäuse vielen Menschen unheimlich. „Dämonen wurden schon immer mit Fledermausflügeln dargestellt, während Engel generell Vogelflügel besitzen“, so Schmidberger. - Foto: Steffi Bauer
Winterschlaf in der Höhle am Eck. Vor allem früher waren Fledermäuse vielen Menschen unheimlich. „Dämonen wurden schon immer mit Fledermausflügeln dargestellt, während Engel generell Vogelflügel besitzen“, so Schmidberger. - Foto: Steffi Bauer

In den nächsten Tagen stehen noch drei Quartiere auf dem Programm, aber bis jetzt scheinen es, so Schmidberger, von der Tendenz her im Vergleich zum letzten Jahr ähnlich viele Fledermäuse zu sein.

 

Bericht: Steffi Bauer

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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