Die Regentalaue ist das bedeutendste Wiesenvogelbrutgebiet der Oberpfalz


Alle Arten stehen in der Roten Liste der Brutvögel Bayerns

 

Wiesenvögel zählen zu den größten Sorgenkindern im Naturschutz. Veränderungen in der landwirtschaftlichen Bodennutzung, zunehmender Freizeitdruck sowie die Zunahme nachtaktiver Beutegreifer wie Fuchs und Wildschwein haben sie an den Rand des Aussterbens gebracht. Von dieser Entwicklung blieben auch die Wiesenvögel in der Regentalaue nicht verschont. Nahezu alle Arten haben in den letzten beiden Jahrzehnten bis zu fünfzig Prozent ihres Bestandes verloren. Im Chambtal sind sie sogar gänzlich verschwunden. Trotz dieser negativen Bilanz zählt die Regenaue zwischen Cham und Pösing neben dem Wiesmetgebiet in Mittelfranken, dem Königsauer Moos im unteren Isartal und dem Nördlinger Ries in Schwaben zu den vier wichtigsten Wiesenbrütergebieten in Bayern.

 

 

Großer Brachvogel

Der Große Brachvogel hat eines seiner letzten bayerischen Rückzugsgebiete in den Regenwiesen bei Untertraubenbach. - Foto: Peter Zach
Der Große Brachvogel hat eines seiner letzten bayerischen Rückzugsgebiete in den Regenwiesen bei Untertraubenbach. - Foto: Peter Zach

 

Der Große Brachvogel gilt neben dem Kiebitz als die Charakterart der Regentalaue. Nach einem massiven Bestandsrückgang in den 1990er Jahren von über zwanzig Brutpaaren auf elf hat sich in den letzten zehn Jahren der Brutbestand bei 12-13 Brutpaaren stabilisiert. Durch intensive Schutzanstrengungen im Rahmen des Naturschutzprojektes Regentalaue, darunter die Verbesserung der Lebensraumqualität durch die Anlage von wasserführenden Seigen- und Muldensystemen oder den Bau von Elektrozäunen zum Schutz der Gelege und Jungvögel vor Füchsen, gelang es, den Brutbestand 2018 wieder auf 15 Brutpaare zu erhöhen. Bayernweit kommen noch knapp 500 Brachvogelbrutpaare vor.

Uferschnepfe

Die Uferschnepfe gehört zu den seltensten Wiesenvogelarten in Bayern. - Foto: Peter Zach
Die Uferschnepfe gehört zu den seltensten Wiesenvogelarten in Bayern. - Foto: Peter Zach

 

Die Uferschnepfe ist neben dem Rotschenkel die seltenste Wiesenvogelart in Bayern. Bei der landesweiten Kartierung 2014/2015 wurden nur noch 24 Brutpaare nachgewiesen. Seit 1980 hat sie 75% ihres Bestandes verloren. Im Regental stand die Uferschnepfe in den 1990er Jahren kurz vor dem Aussterben. Der Bestand ging von fünfzehn Paaren 1975 auf drei Brutpaare 1995 zurück. Mit der Ausweisung der Regentalaue zum Naturschutzgebiet im Jahre 2010 wurde damit begonnen, die Brutplätze der Uferschnepfe intensiv zu betreuen. In enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten und mit Hilfe eines gezielten Brutplatzmanagements konnte ein weiterer Rückgang verhindert werden. Die Zunahme des Uferschnepfenbestandes auf sieben Paare 2017 gilt als Erfolgsgeschichte des bayerischen Wiesenvogelschutzes, so Peter Zach, der zusammen mit Jutta Vogl, Alfons Fischer und Alois Stelzl von der unteren Naturschutzbehörde die Wiesenvögel in der Regentalaue betreut.

 

Dreißig Prozent der bayerischen Uferschnepfen brüten im Regental. Der Landkreis Cham trägt hier eine besondere Verantwortung. - Foto: Peter Zach
Dreißig Prozent der bayerischen Uferschnepfen brüten im Regental. Der Landkreis Cham trägt hier eine besondere Verantwortung. - Foto: Peter Zach

Kiebitz

Beim Kiebitz gehen viele Gelege durch landwirtschaftliche Arbeiten verloren. In enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten versucht man das zu verhindern. - Foto: Peter Zach
Beim Kiebitz gehen viele Gelege durch landwirtschaftliche Arbeiten verloren. In enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Landwirten versucht man das zu verhindern. - Foto: Peter Zach

 

Der Kiebitz ist die wohl bekannteste bodenbrütende Vogelart des Regentals. Mit einem Brutbestand von bis zu 150 Paaren kommt der Kiebitz noch recht häufig vor. Gleichwohl hat er in den letzten 40 Jahren hohe Verluste hinnehmen müssen. Von 260 Brutpaaren Mitte der 1970er Jahre blieben zuletzt nur noch gut 100 Brutpaare übrig. Erst durch verschiedene Schutzmaßnahmen ist es seit dem Jahr 2010 wieder gelungen, den Bestand auf 120-150 Brutpaare anzuheben.

Nur so kann sich der Bestand der Kiebitze erholen. - Foto: Dieter Renner
Nur so kann sich der Bestand der Kiebitze erholen. - Foto: Dieter Renner

Wiesenvögel brauchen Rücksichtnahme

Drei der zehn bayerischen Brutpaare des Rotschenkels leben im Regental. Der kleine Wiesenvogel ist durch Lebensraumverlust besonders bedroht. Zum Überleben braucht er feuchte Wiesen, die nicht vor dem 15. Juni gemäht werden. - Foto: Peter Zach
Drei der zehn bayerischen Brutpaare des Rotschenkels leben im Regental. Der kleine Wiesenvogel ist durch Lebensraumverlust besonders bedroht. Zum Überleben braucht er feuchte Wiesen, die nicht vor dem 15. Juni gemäht werden. - Foto: Peter Zach

 

 

Wiesenvögel sind am Brutplatz besonders störanfällig. Peter Zach und seine Mitstreiter bitten deshalb alle Naturfreunde und Freizeitsuchende, Rücksicht auf die Belange der Wiesenvögel zu nehmen, Wegegebote und Wegeverbote zu beachten und Hunde im Naturschutzgebiet an die Leine zu nehmen. Nur gemeinsam, so Peter Zach, können wir die hochbedrohten Wiesenvogelarten als regionales Naturerbe auch für nachkommende Generationen erhalten.

 

Den Bericht hat uns dankenswerter Weise Peter Zach, ehrenamtlicher Wiesenbrüterberater des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, zur Verfügung gestellt. Er und sein Team leisteten einen wesentlichen Beitrag dazu, dass das Rötelseegebiet und die Regentalaue als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde und dass obige Wiesenbrüter überhaupt noch einen Lebensraum im Landkreis Cham vorfinden.

 

 

 

Auch das seltene Rebhuhn profitiert von den Schutzbemühungen für die Wiesenvögel. Späte Mahdtermine sichern dem Rebhuhn das Überleben. - Foto: Peter Zach
Auch das seltene Rebhuhn profitiert von den Schutzbemühungen für die Wiesenvögel. Späte Mahdtermine sichern dem Rebhuhn das Überleben. - Foto: Peter Zach
© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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