Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Kennen Sie diese 5 häufigen Vogelarten an Futtestellen im Winter in Bayern?

Machen Sie mir bei der LBV-Aktion Stunde der Wintervögel vom 9.- 11. Januar und zählen Sie eine Stunde lang Wintervögel. Jeder kann mitmachen. Mehr Infos unter www.stunde-der-wintervoegel.de

Wintergäste am Futterhaus - Der Star

Der Star macht seinem Namen alle Ehre. Das vielseitige Multitalent mit dem schillernden Federkleid erfreut uns mit seinen Gesangseinlagen und faszinierenden Schwarmbildungen. Mittlerweile erweist er uns auch im Januar mit seinem Besuch am Futterhäuschen die Ehre. Regelmäßig taucht er bayernweit bei der Aktion „Stunde der Wintervögel“ in den Gärten auf und wird dem LBV gemeldet.

Doch der Star, bayerisch Stal, wobei das S als „Sch“ gesprochen wird, ist auch ein Paradebeispiel für den stillen Rückzug unserer Allerweltsvögel. Seine natürlichen Lebensräume bieten durch die intensive Landwirtschaft immer weniger Nahrung wie Regenwürmer oder Insekten. Auch seine natürlichen Brutmöglichkeiten wie Bäume mit Bruthöhlen werden seltener oder Unterschlupfmöglichkeiten an Häusern fallen Sanierungsmaßnahmen zum Opfer. Helfen wir dem Star und gestalten wir vielfältige Gärten ohne Pestizidsatz und bieten künstliche Nisthilfen an - und lassen Sie Ihren Garten mit einer Plakette als vogelfreundlich Auszeichnen.

Das Zugverhalten der Stare verändert sich: Während viele heimische Vögel heute bereits im Südwesten Deutschlands überwintern, stammen die Wintergäste bei uns häufig aus nördlicheren Regionen Europas. Diese Verschiebungen sind ein deutliches Zeichen des Klimawandels – einer vom Menschen beeinflussten Entwicklung, die unsere Ökosysteme langfristig vor große Herausforderungen stellt.

An der Futterstelle bedienen sich Stare gerne an Nüssen und Weichfutter. Sie neigen auch gerne zu Überfällen mit Plünderungsverhalten. Dank ihrer Größe sind sie am Futterhäuschen sehr dominant. 

Übrigens, auch Mozart hatte einen Star, den er nach drei Jahren Haltungbegraben musste und ihm sogar ein Gedicht schrieb: "Hier ruht ein lieber Narr, Ein Vogel Staar. Noch in den besten Jahren…". Es folgen weitere 19 Zeilen, die es geruht nachzulesen.

Foto: Star, Silke Weber_LBV Bildarachiv

Wintergäste am Futterhaus - Der Kleiber

Der Kleiber ist in Deutschland weit verbreitet und kommt in allen geeigneten Waldgebieten, Parks und Gärten mit alten Bäumen vor. Sein Bestand in Deutschland ist hoch — Schätzungen gehen in die Hunderttausende bis über eine Million Brutpaare. Als charakteristischer Waldbewohner ist er eine Leitart für naturnahe Laub- und Mischwälder, also eine Art, die zeigt, wie gut ein Wald funktioniert.

Auch bei uns im Landkreis ist er flächendeckend verbreitet und nicht bedroht. Sein Ruf, besser gesagt sein Pfiff, ist eine der sehr markanten Stimmen die bei uns im Wald zu vernehmen sind. Die Pfiffe lassen sich auch leicht nachahmen: twit, twit, twit, twit - wiwiwiwiwi.

Seinen Namen verdankt er der Eigenschaft, seine Eingänge in die Bruthöhle mit „ Kleibermörtel“ zu verbauen. Kleiber war im mittelhochdeutschen eine Berufsbezeichnung für Handwerker, die Lehmwände erstellen. Der geschickte Vogel vermischt dabei Erde mit Speichel und verkleinert mit dem Gemisch zu große Schlupflöcher in seine Bruthöhle soweit, dass nur noch er Zugang hat. Sein Nest baut er übrigens nicht aus Gräsern, Moos oder ähnlichem, sondern aus Rindenschuppen, oft kombiniert mit trockenem Laub, das er kunstfertig aufeinanderschichtet.  

Kleiber sind die einzigen Vögel, die am Baumstamm auch kopfabwärts klettern können. Der blau schimmernde Vogel taucht auch gerne am Futterhäuschen auf und ist bei seinen akrobatischen Kletterbewegungen gut zu beobachten. Der Kleiber ist ein ausgesprochener Standvogel und ganzjährig in seinem Revier zu beobachten. Wer ein gutes Auge besitzt, kann Männchen und Weibchen unterscheiden. Männchen haben eine auffallende und deutliche kastanienfarbige Flanke, bei den Weibchen fehlt diese.

Foto: Kleiber im Winter - Dr. Olaf Broders, BV Bildarchiv

Wintergäste am Futterhaus - Die Amsel

Die Amsel – mancherorts auch Schwarzdrossel genannt – ist nicht gefährdet. Ihr Bestand in Deutschland gehört zu den Top Ten in der Vogelwelt. Sie liegt mit rund 10 Millionen Brutpaaren auf Platz zwei unserer Brutvögel. Vor allem in Siedlungen weist sie hohe Bestände auf, hier rücken die Brutpaare enger aufeinander. Leider sind ihre Jungtiere in der Ästlingsphase – einer Zeit, in der sie noch nicht fliegen, sondern nur laufen und klettern - die häufigsten Opfer von Hauskatzen.

Charakteristisch sind die Amselmännchen mit ihrem schwarzen Gefieder, dem orangegelben Schnabel und dem gelben Augenring. Die Weibchen sind schlichter braun mit braunem Schnabel. Von Amseln wird nahezu jeder Lebensraum von kleinen Gärten, Parks, Friedhöfen im Siedlungsbereich bis in die offene Landschaft mit Feldgehölzen und Wäldern besiedelt. Amselmännchen sind begnadete Sänger und ihr Gesang z.B. vom Giebel eines Hausdaches aus, ist mit eines der ersten Zeichen für den herannahenden Frühling. Ihr Gesang macht sie auch zur Französin. Viele französische Orte tragen ihre Namen. Merle ist die Übersetzung in die Sprache unserer westlichen Nachbarn… La Merle, Le Merlet etc. sind dazu klingende Namen von Städten und Dörfern.

 

Nur manche Amseln wandern im Winter nach Südwesten, die Mehrzahl überwintert bei uns. Im Sommer ernähren sich Amseln von Früchten, Beeren, dicken Regenwürmer, Käfern und Ameisen. Am Futterhaus lieben sie Rosinen, geölte Hafer- und Maisflocken, manchmal auch Sonnenblumenkerne.

Foto: Amselmännchen - Jill Dieroff @jillbrowniekins, LBV Bildarchiv

Wintergäste am Futterhaus - Der Dompfaff oder Gimpel

Der Dompfaff oder auch Gimpel liebt heimische Beerensträucher wie Holunder und Vogelbeere und freut sich deshalb über Gartenbesitzer, die diese pflanzen. Er gilt als nicht gefährdet, aber zu seiner Verbreitung gibt es noch viele offene Fragen. Deshalb sind Meldungen bei der Stunde der Wintervögel besonders wichtig. Sein bayerischer Name diente oft auch als Schimpfwort für ungezogene Jungen. „De bouma han rächte gimpln/gimpen“.

Das Männchen ist mit seiner schwarzen Kopfplatte und der roten Brust unverwechselbar. Das Weibchen ist, wie bei vielen anderen Vogelarten auch, unauffälliger gefärbt. Es hat keine rote, sondern eine unscheinbar graubraune Brust. Der Hals scheint bei der Entstehung des Dompfaffs vergessen worden zu sein, was sein pummeliges Aussehen unterstreicht. Der Dompfaff ist in der Regel ein reiner Waldvogel, der Nadel- und Mischwälder bevorzugt. In den letzten Jahrzehnten wagte er sich aber mehr und mehr in Parks und Gärten vor. Im Landkreis Cham lebt er vor allem in unseren großen zusammenhängenden Waldgebieten, die er im Winter in kleinen Gruppen immer wieder verlässt, um auch an Futterstellen zu erscheinen. Oft sieht man den Vogel auch an Büschen und Bäumen akrobatisch herumklettern, um Blätterknospen zu verspeisen.

 

Unsere lokalen Dompfaffe unternehmen nur kurze Wanderungen, im Gegensatz zu den nordischen Vertretern dieser Art. Wenn im Norden Europas nur wenige Vogelbeeren reifen und deshalb Nahrungsmangel herrscht, können große Scharen dieser Vögel nach Bayern kommen. Oft ertönen im Winter einfache langgezogene melancholische Pfiffe und kündigen den Besuchvon Gimpeln im Garten an. Gimpel aus noröstlichen Ländern lassen dagegen oft auch ein einfaches Töd erklingen und werden deshalb auch Trompetergimpel genannt. Der Dompfaff bevorzugt Mischkost: meist vegetarisch mit vielen Sämereien, hin und wieder sind auch Spinnen und Insekten willkommen. Am Futterhaus begeistert er sich für Rosinen, nimmt aber auch Sonnenblumenkerne und andere Sämereien an.

Foto: Gimpel Männchen frisst Beeren - Ralph Sturm, LBV Bildarchiv

Wintergäste am Futterhaus - Der Kernbeißer

Eine auffallende Erscheinung an unseren Futterhäuschen ist unser größter heimischer Finkenvogel, der (Kirsch-) Kernbeißer. Neben seiner großen und kräftigen Erscheinung ist auch sein Farbenspiel beachtenswert. Vor allem bei den Männchen. Die Weibchen, ähnlich groß, unterscheiden sich nur durch ihre weniger kontrastreiche Zeichnung.

Sein wissenschaftlicher Name Coccothraustes coccothraustes bedeutet übersetzt „Kernbrecher“, was auf seinen sehr kräftigen Schnabel abzielt. Vogelberinger können über seine Beißkraft ein schmerzvolles Lied singen. Er eignet sich für sehr harte Samen, aber auch in der Feinarbeit ist sein Schnabel ein Spitzenwerkzeug der Evolution.

Sein bevorzugter Lebensraum sind Laub- und Mischwälder, Nadelwälder scheint er eher weniger zu nutzen. Vor allem entlang von Flüssen mit Auwäldern fühlt er sich wohl. Obwohl er aufgrund seines Verhaltens und seines unauffälligen Gesangs nur selten im Sommer beobachtet wird, besiedelt er Deutschland flächendeckend. Bayerns Kernbeißer sind Teilzieher, deren südlichstes Ziel der nördliche Mittelmeerraum ist. Im Winter kann es im Rahmen von Wetterfluchten auch zu invasionsartigen Wanderungen kommen. Dann tauchen sie oft in größeren Gruppen an Futterstellen auf.

So unsichtbar er in den Kronen unserer Bäume lebt, so unscheinbar ist sein Gesang. Obwohl das Wort Gesang schon zu viel des Guten ist. Es beschränkt sich auf unterschiedliche kurze Rufe. Vor allem leichte und nach „zick“- tönende Rufe kann man mit guten Ohren vernehmen, da sie auch noch hoch und nicht allzu laut sind. Ein nichtsingender Singvogel!

An der Futterstelle bedienen sich Kernbeißer an allen Sämereien und Nüssen. Den Namen Kirschkernbeißer erhielt er, als er noch wesentlich häufiger war und zur Reifezeit der Kirschen in den Bäumen einfiel. Zuerst schälte er das Fruchtfleisch von den Kirschen und knackte dann deutlich hörbar den Kern, um seinen Inhalt zu verspeisen. Das herunterfallende Fruchtfleisch lies die Bäume dazu scheinbar bluten und war ein deutlicher Hinweis auf seinen Besuch. 

Foto: Kernbeißer am Futterhäuschen_Angela Maurer, LBV