Gemeinsam Bayerns Natur schützen

Daten aus der Natur

Ergebnisse eines deutschlandweiten Forschungsprojektes zur Erfassung von Singvögeln

Haben sie sich schon mal gefragt, warum sich der LBV so viel Mühe und Zeit in die Aufnahme von Daten und damit Fakten investiert, wo bestimmte Pflanzen- und Tierarten vorkommen? Warum ehrenamtliche Mitarbeiter und Hauptamtliche mit Lupe, Fernglas oder dem Bestimmungsbuch durch unseren Landkreis stöbern?

 

Es ist die Leidenschaft für die Schönheit unserer Natur und das Wissen über die Wichtigkeit dieser Daten für den Schutz unserer Umwelt. Ohne dieses Grundlagenwissen könnten weder gezielte Artenhilfsprogramme entwickelt werden, noch gäbe es eine Übersicht, wo in Bayern bestimmte Arten vorkommen und ob sie selten oder häufig sind. Das einzelne Wissen über das Vorkommen einer Tierart hilft weder ihr, noch bringt sie es in einen Gesamtkontext. Nur wer Daten aufnimmt und sie weiterleitet, leistet einen Beitrag zum Schutz dieser Arten. Mosaikstein für Mosaikstein sorgen sie für ein Gesamtbild über den Zustand unserer Natur in Bayern und Deutschland.

Hier sei ausdrücklich der Regierung der Oberpfalz gedankt, die diese Aufnahme von Pflanzen- und Tierarten genehmigt und somit die rechtliche Grundlage schafft. Geschützte Tierarten dürfen nur mit Genehmigung kartiert werden, dies soll ihren Schutz vor Störungen sicherstellen.

Ein sehr zeitintensives und aufwendiges Projekt ist z.B. das „Integrierte Monitoring von Singvogelpopulationen“. Obwohl dies so ist, sind hier vor allem sehr junge Ehrenamtler engagiert. Hier mit an Bord zu sein bedeutet, von Mai bis September jeweils an drei Wochenenden pro Monat frühmorgens um 3 Uhr aufzustehen, um 6 Stunden lang Vögel zu fangen, sie biometrisch zu vermessen und zu beringen. Summa summarum mit Auf- und Abbau der Fanganlage insgesamt 10 Stunden pro Wochenende. Ein Berg an ehrenamtlichen Einsatz für unsere Natur. Der Lohn: Kurze Nächte und ein erhöhter Couchbedarf, aber auch Sonnenaufgänge, das vielstimmige und wunderschöne Morgenkonzert unserer Vögel und das Bewusstsein, Wissen zu sammeln für ein deutschlandweites Forschungsprojekt, um mehr Hintergründe und mehr Einblicke in unsere Vogelwelt zu bekommen. 

Unsere IMS (Integriertes Monitoring von Singvogelpopulationen) Fanganlage am LBV-Zentrum Mensch und Natur ist eine von vier in Bayern und sicherlich nicht die größte unter den rund 100 in Deutschland. Leider ist Bayern als größtes Bundesland hier unterrepräsentiert. Unser Scherflein zur Wissenssammlung sind rund 200 Vögel pro Jahr mit ihren Daten: jährliche Daten, die mindestens 5 Jahre lang gesammelt werden müssen. Immer unter der Gewährleistung gleicher Rahmenbedingungen, wie z.B. Zeitpunkt, Dauer, Länge des Fangnetzes, gleicher Aufstellplatz, Kontinuität des Lebensraumes am Fangplatz.

Das deutsche (mittlerweile auch in anderen europäischen Ländern umgesetzte) Forschungsprojekt wird in Bayern vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie, Zentrale für Tiermarkierungen, auch bekannt unter dem ehem. Titel Vogelwarte Radolfzell, koordiniert. Hier laufen die süddeutschen Daten zusammen. Dort werden sie mit den Daten aus den anderen Bundesländern verschnitten. Diese Fakten liefern Aufgrund der Vergleichbarkeit der Aufnahmen einen bundesweiten Bestands- und Entwicklungstrend von Singvogelarten in ihren Lebensräumen.

Aufgrund der gesammelten Daten lassen sich augenblicklich deutschlandweit für 42 Vogelarten Brutbestand und Bruterfolg bewerten. Für die Überlebensrate von Altvögeln stehen aktuell 21 Arten zur Verfügung.

Der Vogel des Jahres 2021, das Rotkehlchen, ist ein Gewinner, ebenso wie der Buntspecht, die Sumpfmeise oder die Mönchsgrasmücke. Hier gibt es signifikante (die Faktenlage ist zu groß, um als zufällig zu gelten) positive Bestandstrends. Das Gegenteil ist bei Gartengrasmücke, Sumpfrohrsänger, Goldammer, Gelbspötter und Klappergrasmücke festzustellen. Hier ist der Bestandtrend eindeutig negativ.

Seit Beginn des „Integrierten Monitoring von Singvogelpopulationen“ 1999 wurden über 250 000 Individuen beringt und 52.000 bei Kontrollfängen wieder erfasst. Natürlich wird hier nur ein Bruchteil unserer Vogelarten abgedeckt, dafür bekommt man allerdings einen sehr vertieften Einblick in die Populationsentwicklung. Es werden nicht nur die Sänger erfasst wie dies bei der akustischen Kartierung erfolgt, sondern auch Weibchen, Durchzieher, Jungvögel,… und Daten über Gewicht, Größe etc. gesammelt. Die drei am häufigsten gefangenen Arten in Deutschland sind die Mönchsgrasmücke, der Teichrohrsänger und die Kohlmeise.

Im Landkreis Cham ist die Reihenfolge leicht abgewandelt: die ersten Drei sind hier Sumpfrohrsänger, Mönchsgrasmücke und Zilpzalp. Daneben wurden noch 37 weitere Arten auf unserer Untersuchungsfläche gefangen. Siehe Grafik.

 

Wer mehr dazu Wissen möchte bzw. Lust hat sich hier ehrenamtlich einzubringen, ist herzlich eingeladen. Nehmen sie mit uns Kontakt auf.

Text: Markus Schmidberger, Leiter des LBV-Zentrums Mensch und Natur