Ein Neozoon im LBV See

Die Heimat der Gelbwangen- oder Gelbbauch Schmuckschildkröte ist Nordamerika. Dennoch wurde ein stattliches Exemplar am LBV See bei Neumühlen gefunden – wie kam sie dorthin? Vermutlich als “Haustier”, das im Aquarium zu groß und daher ausgesetzt wurde oder aus dem Gartenteich entkommen ist. Schmuckschildkröten sind beliebte Reptilien im Aquarium, man bekommt sie einjährig als 5-cm-große Tiere, die recht genügsam und leicht zu halten sind. Einziger Fehler: sie wachsen! Und zwar für viele Besitzer zu unerwarteter Größe. Männchen werden ca. 20 cm groß. Weibchen sogar bis zu 30 cm und außerdem können Schildkröten sehr alt werden. 

  So trennt sich so mancher Besitzer von seinem zu groß-geratenem Haustier und gönnt ihm die ewige Freiheit im nahen Weiher. Doch das ist fatal, nicht sofort für die Schmuckschildkröte, denn sie kommt ganz gut mit dem bayerischen Klima klar, aber für die heimische Tier- und Pflanzenwelt im Gewässer. Der amerikanische Eindringling frisst Larven von seltenen Wassertieren, von Fröschen Kröten, Molchen und Fischen und auch Wasserpflanzen. Er verdrängt die heimische, bereits im Bestand stark gefährdete Europäische Sumpfschildkröte und vermehrt sich mit bis zu 20 Eiern im Jahr.

Seit 1997 ist die Einfuhr von Schmuckschildkröten in allen EU-Ländern verboten, da sie auf der Liste der „schlimmsten invasiven Arten“ steht. Handel und Zucht dieses Reptils ist in Europa verboten und das Aussetzen vorhandener Tiere in die freie Wildbahn strafbar. Hoffentlich bleibt es bei diesem Einzelfall am LBV See. Falls Sie eine weitere Schmuckschildkröte entdecken – die Tiere sonnen sich tagsüber gerne an exponierten Stellen – melden Sie uns das bitte (cham@lbv.de; 09977 / 8227).

Fotos: Angelika Nelson; Schmuckschildkröte auf Waldameisenhaufen, wo der Panzer von den Ameisen "gereinigt" wird